Meinung : In der Pflicht

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Bundesjustizministerin Brigitte Zypries macht großen Frühjahrsputz. Das Unterhaltsrecht will sie modernisieren und unverheirateten Müttern mehr Geld geben, Scheidungen sollen künftig einfacher über die Bühne gehen und billiger werden. Jetzt nimmt sich die sozialdemokratische Ministerin auch noch den letzten Pfeiler des familiären Mit- und Auseinanders vor, das Erbrecht. Diejenigen, die etwas zu vererben haben, sollen größere Freiheiten bekommen. Schenkungen zu Lebzeiten sollen mehr Bestand haben. Zugleich soll es für Erblasser leichter werden, missliebige Angehörige komplett zu enterben. Wer Vater oder Mutter bestohlen oder betrogen hat und dafür rechtskräftig verurteilt worden ist, soll künftig beim Pflichtteil leer ausgehen. Heute muss man seinen Eltern schon nach dem Leben trachten, um seinen Pflichtteil zu gefährden. Zeitgemäß ist das nicht, menschenwürdig auch nicht. Zypries tut gut daran, das Zivilrecht den veränderten Lebensverhältnissen anzupassen. Immer mehr Familien weichen vom traditionellen Familienbild ab, immer mehr Partner leben unverheiratet zusammen, immer mehr Familien werden patchworkmäßig neu zusammengewürfelt. Darauf muss sie reagieren, meint Zypries. Mit Recht. hej