Die K-Fragen sind unterschiedlich, das Dilemma gleich

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K-Frage : Das doppelte Dilemma von Union und SPD

Nur scheinbar jedoch stehen die drei Parteien damit vor völlig unterschiedlichen Herausforderungen. In Wirklichkeit werden Union und SPD mit ihren auf den ersten Blick so unterschiedlichen K-Fragen mit demselben Dilemma konfrontiert und mit der Frage, wie lassen sich im Wahlkampf die so unterschiedlichen Anforderungen an eine Mitgliederpartei und Medienpartei miteinander in Einklang bringen. CDU, CSU und SPD müssen 2012 dringend ihre Basis beruhigen, damit sie die professionelle Wahlkampfvorbereitung nicht stört. Sie müssen programmatische und personelle Zugeständnisse an den Parteifrieden machen und dürfen gleichzeitig nicht ihre Wahlchancen für 2013 gefährden.

Die CDU-Basis sehnt sich nach der Abschaffung der Wehrpflicht, dem Atomausstieg sowie diversen Eurorettungspaketen nach mehr konservativer und bürgerlicher Klarheit. Sie hadert mit der Politik der pragmatischen schwarz-gelben Bundesregierung. Die Sehnsucht nach charismatischen Führungspersönlichkeiten ist groß. Viele Sozialdemokraten wiederum sehnen sich nach einem Kanzlerkandidaten, der ihnen politisch aus dem Herzen spricht. Wenn es allein um die unerschütterlichen SPD-Anhänger ginge, dann wäre Gabriel sicherlich der richtige Kanzlerkandidat, nur befinden sich die Stammwähler der SPD mittlerweile in der Minderheit, Wahlen kann die SPD nur gewinnen, wenn sie möglichst viele Wechselwähler mobilisiert. Das wird dem Ex-Finanzminister Peer Steinbrück sehr viel leichter fallen. Wenn die SPD ihn lässt.

Die Mitglieder stehen für Partikularinteressen, sie spiegeln längst nicht mehr die fragile Stimmung und die fragmentierten Interessen der Wähler wider. Die Spannungen zwischen Basis und Führung, zwischen den Parteigremien und den Öffentlichkeitsarbeitern nehmen zu und es kostet die Parteien immer mehr Kraft, diesen Spagat zu halten.

Zwölf Monate haben CDU, CSU und SPD nun Zeit, ihre parteiinternen Probleme zu lösen, jeweils eine Antwort auf ihre K-Frage zu finden. Spätestens in einem Jahr muss die Basis stehen. Denn so sehr die Politiker häufig mit ihren Mitgliedern hadern, weil sie ihrem machtpolitischen Pragmatismus im Wege stehen und die professionelle Kommunikation mit den Wählern stören, so wenig können sie darauf im Wahlkampf verzichten. Spätestens in einem Jahr werden motivierte Mitglieder dringend gebraucht.

Christoph Seils leitet die Online-Redaktion des Magazins Cicero. In diesem Jahr erschien sein Buch „Parteiendämmerung oder was kommt nach den Volksparteien?“ im WJS-Verlag. Er schreibt an dieser Stelle wöchentlich über die deutsche Parteienlandschaft.

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