Meinung : Klasse für Hamburg

Von Stephan-Andreas Casdorff

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Ein Fanal ist diese Wahl. Michael Naumann zum Spitzenkandidaten der SPD in Hamburg zu küren – diese Idee ist, hanseatisch unterkühlt ausgedrückt: erstaunlich. Im positivsten Sinne. Die Partei ist am Abgrund – und plötzlich wird ein Duell möglich, um das viele die zweitgrößte Stadt Deutschlands beneiden werden. Da trifft Klasse aufeinander, Integrität und Intellektualität inbegriffen. Der Amtsinhaber, Ole von Beust, ist ja nun auch nicht von schlechten Eltern.

Also Naumann, „Mister Mike“, ein Kosmopolit für eine weltoffene Metropole. Ein Mann, der einen Verlag in New York geführt hat, der ein Publizist von hohen Graden ist, ein Manager dazu. Die „Zeit“ in Hamburg zeugt davon. Einer, der die Eitlen und die anderen im Kulturbetrieb zu becircen versteht. Der als Kulturstaatsminister Impulse gegeben und – wenn auch kurz – Regierungserfahrung im Zentrum der Macht gesammelt hat: Er war dem Kanzler Gerhard Schröder ein wichtiger Ratgeber.

Naumann hat Wurzeln in Hamburg. Seine Frau gehört zum, sagen wir: Establishment. Er mag die Stadt, er versteht sie, er passt zu ihr, zu den Elbvororten, zu Blankenese wie zu Altona. Soziale Brennpunkte muss er nicht fürchten. Und Landesspezifisches kann er lernen. Naumann ist ein Muster für Rot-Grün. Dieses Muster kann dieses Land für die SPD zurückgewinnen. Hinzu kommt: Naumann hat die Gabe der Rede und hat Charme. Dass er von sich eingenommen ist – die Hamburger hatten viele Bürgermeister, die das auch waren, und haben sie deswegen nicht weniger gewählt.

Die Bundes-SPD hat in Gestalt des Hamburgers Olaf Scholz ihren Teil mit der Idee Naumann geleistet. Die Landes-SPD hat jetzt eine Chance – wenn alle zusammenstehen, die Neumanns und Petersens und Stapelfeldts und Kahrs’. Und sie müssen es, denn das Konzept, über die Städte wieder stärker zu werden, ist angesichts schwächster Umfragewerte im Bund umso wichtiger geworden. Die Partei kann in Hamburg aber zeigen, was sie ist. Und wer. Sie kann paradieren lassen: die früheren Bürgermeister Klose, Dohnanyi, Voscherau, Runde. Sie wird Helmut Schmidt gewinnen können, und vielleicht kommt auch der Mann zurück, der den Wahlkampf liebt: Gerhard Schröder.

Alles schaut auf diese Stadt. Auch Berlin.

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