Meinung : Knete für Mutti

Die Hausfrau gilt gesellschaftlich nichts mehr

Alexander Gauland

Auf den ersten Blick schaut kaum noch jemand durch. In der Auseinandersetzung um Gebärmaschinen und Krippenplätze wirken die Trennlinien künstlich. Und wenn man dann noch weiß, dass im katholischen Bayern mehr Krippenplätze pro Kind zur Verfügung stehen als im jahrelang sozialdemokratischen Nordrhein-Westfalen, reibt man sich verwundert die Augen. Sollte der Kulturkampf ein Scheingefecht sein?

Mitnichten. Nur selten waren kirchliche und staatliche Ziele so scharf voneinander geschieden, und das nicht trotz, sondern wegen einer bürgerlich-christlichen Familienministerin. Auch wenn manche Diskussionen den Gegensatz eher verwischen als betonen, Staat und Kirche verfolgen unterschiedliche Ziele mit denselben Krippenplätzen. Die Familienministerin treibt die Sorge um den fehlenden Nachwuchs der Intelligenten und Leistungsfähigen, die Kirche um die vorhandenen Kinder der Alleinerziehenden und Hilfsbedürftigen. Krippenplätze müssen in jedem Fall bereitstehen, nur die siebenfache Mutter und Ärztin von der Leyen will sie für Ihresgleichen, die Kirche für diejenigen, die Not leiden. Wenn die sozial gefährdete Alleinerzieherin ihre Kinder einer Krippe anvertrauen muss, steht die Kirche hilf- und trostreich zur Seite, den Erfolgreichen rät sie zur Mutter-KindBindung in den ersten Jahren.

Dahinter stecken zwei Weltbilder. Während die Familienministerin erfolgreichen Frauen den ununterbrochenen beruflichen Aufstieg ermöglichen will und damit den Rentenkassen wie dem Bruttosozialprodukt einen Gefallen tut, ist für die Kirche der Krippenplatz eine Notlösung, zwar unvermeidlich für viele, aber eben nicht notwendig für alle. Denn in den ersten Monaten gehört nach kirchlichem Weltbild die Mutter zum Kind, und wer es sich leisten kann, und es dennoch nicht tut, für den gilt die von allen gepriesene Wahlfreiheit moralisch nicht. Die Ministerin hält von der frühkindlichen Erziehung durch die Eltern eher weniger im Vergleich zu den anderen Zielen der individuellen und gesellschaftlichen Selbstverwirklichung.

Es ist der Unterschied zwischen echter Wahlfreiheit und moralisch gebundener, die man eben nicht in Anspruch nimmt, wenn man es nicht nötig hat. Doch dies offen auszusprechen, tun sich beide schwer, die Kirche, weil sie die berufstätige Frau nicht verlieren will, und die Ministerin, weil sie den Vorwurf der Nur-Hausfrauen fürchtet. Dabei ist längst eingetreten, was verhindert werden soll: Die berufstätige Frau hat der Hausfrau und Mutter den gesellschaftlichen Rang abgelaufen. Ändern könnte das nur eine entsprechende Bezahlung der Letzteren, aber die kann oder will sich die Gesellschaft nicht leisten. Solange dies so bleibt, kann daran auch die Werbung mit dem kleinen, erfolgreichen Familienunternehmen nichts ändern.

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