Leserbriefe : Blackbox Guantanamo

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„Ich plante den 11. September"

vom 16. März

Wissen wir jetzt die Wahrheit über den 11.September 2001? Nein. Wir wissen nur das, was aus dem Folterlager Guantanamo bekannt gemacht wurde. Wir wissen nur das, was uns die US-Geheimdienste wissen lassen wollen.

Wie kann sich die deutsche Politik und die Presse monatelang über Zustände in Guantanamo beklagen und dann das erstbeste „Geständnis“ aus eben diesem Lager auch nur erst nehmen? Moral hat eben nicht nur in der Politik eine sehr begrenzte Haltbarkeit.

Die Wahrheit über den 11. September wird die Welt nicht aus amerikanischen Regierungskreisen und ganz sicher nicht aus der Blackbox Guantanamo erfahren. Erst künftige Generationen haben die Chance, die Wahrheit zu erkennen. Heute beklagt auch die katholische Kirche die Inquisition. Die Weltgeschichte ist voller konstruierter oder erfundener Kriegsgründe: die Bad Emser Depesche 1870, der Sender Gleiwitz 1939, der Golf von Tonking 1964 und die toten Babys in Kuwait 1990 sind bekannte Beispiele. Ob sich auch der 11.09.2001 in diese Liste einreiht, werden erst zukünftige Generationen genau wissen. Zweifel sind aber schon heute erlaubt, und sie werden durch das „Geständnis“ nicht geringer. Die Informationspolitik der amerikanischen Regierung erinnert mich immer mehr an George Orwells Phantasien in „1984“. Wo ist die Grenze zwischen Science-Fiction und der heutigen Wirklichkeit? Erschreckend.

Klaus Storkmann, Potsdam

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