Leserbriefe : Erst müssen Jobs her – und danach Krippenplätze

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Zur Diskussion über die Familienpolitik

Einerseits werden wir jungen Erwachsenen animiert, Kinder in die Welt zu setzen, andererseits sollen wir sie so früh wie möglich wieder abgeben. Lassen sich Familie und Beruf wirklich vereinbaren, wenn es darauf hinausläuft, die Kinder mehr oder weniger nur am Wochenende zu sehen? Es ist eben ein Irrtum, ganz Frau, ganz Mutter, ganz berufstätig sein zu können. Man muss sich teilen, und deshalb frage ich: Wieso gehen in dieser Debatte ständig die Vorzüge der Teilzeittätigkeit unter? Warum wird es den Arbeitgebern immer noch nicht attraktiver gemacht, Teilzeitstellen für Mütter zu schaffen? Denn im Grunde lassen sich doch nur so wirklich Kinder und Beruf vereinbaren, und ich behaupte, den meisten Frauen geht es genau darum. Als Mutter braucht man erst mal einen Job, bevor man sich den Kopf über Krippenplätze zerbricht.

Christine Daul, Berlin-Mitte

Jetzt platzt mir langsam die Hutschnur. Seit fast zwei Jahren bemühe ich mich um einen Teilzeitarbeitsplatz der familienfreundlich und vor allen Dingen mit den Öffnungszeiten der Kindergärten realisierbar ist. Gut ausgebildet, jung genug, um noch 25 Jahre zu arbeiten, aber leider, leider habe ich den „Fehler“ gemacht Kinder zu bekommen. Solange ich bei allen Bewerbungsgesprächen abgelehnt werde, weil ich „kleine Kinder habe, die ja noch so oft krank werden können“, kann ich jeder jungen Frau in Deutschland nur davon abraten, Kinder zu bekommen.

Solange sich in der Wirtschaft und bei den Arbeitgebern und in der Gesellschaft die Einstellung zu Kindern nicht grundsätzlich verändert, werden die Frauen mit gesundem Menschenverstand es sich dreimal überlegen (und ich kann das inzwischen gut verstehen), Kinder in die Welt zu setzen. Welches Lebensglück und welche Befriedigung den Menschen entgeht, die sich gegen Kinder entscheiden (müssen), steht auf einem anderen Blatt Papier.

Maren Thunert, Berlin-Rahnsdorf

Errungenschaften wie Elterngeld oder bessere Möglichkeiten zur steuerlichen Absetzung von Betreuungskosten nutzen nur Familien mit zwei berufstätigen, gut verdienenden Elternteilen. Die Mehrheit der Familien mit geringem oder mittleren Einkommen zahlt drauf: Bauzuschüsse wurden ersatzlos gestrichen, das Erziehungsgeld wurde, nach 20 Nullrunden hintereinander, von 24 auf zwölf Monate halbiert, die Mehrwertsteuererhöhung trifft, bei auch sonst steigenden Preisen, Familien mit voller Wucht. Und in dieser Situation soll die lange überfällige und dringend notwendige Kindergeldanpassung gestrichen werden? Von einer Sicherung des Existenzminimums für Kinder ist unser Land leider noch weit entfernt.

Marita Rosenbaum, Potsdam

Zum Interview mit Jörg Schönbohm

vom 22. Februar

Wenn man das Interview liest, fragt man sich schon, auf welchem Planeten Brandenburgs Innenminister eigentlich lebt? Herr Schönbohm behauptet allen Ernstes, durch die Schaffung neuer Krippenplätze würde die Wahlfreiheit besonders von Frauen hinsichtlich der Frage, ob sie als Mutter berufstätig oder Hausfrau sein sollten nicht erhöht, sondern, im Gegenteil, erniedrigt: Mit der Schaffung der Krippenplätze stiege für Frauen der Druck, außerhalb der eigenen vier Wände berufstätig zu werden. Als ganztags berufstätige Mutter von drei Kindern empfinde ich diese Behauptung als Frechheit. Denn auch ohne diese zusätzlichen Krippenplätze, das haben ich und unzählige „Mitstreiterinnen“ in Jahrzehnten erfahren, gibt es die Wahlfreiheit für den durchschnittlichen Bürger doch längst nicht mehr. Hätte ich nicht mit Hilfe z. B. von Tagesmüttern von Anfang an gearbeitet, sondern mich um meine „Kleinen“ zu Hause gekümmert, dann wäre meine Familie all die Jahre von Sozialhilfe bzw. jetzt Hartz IV abhängig. Weiß Herr Schönbohm nicht, dass Kinder in Deutschland ein Armutsrisiko darstellen?

Doch offensichtlich verkehrt er nur unter seinesgleichen: der (schrumpfenden?) elitären Gruppe finanziell gut gestellter Männer, wo die Frage nach Kinderbetreuung einzig eine ideologische, keinesfalls aber eine Überlebensfrage ist. Die Krise des Mittelstandes hat auch längst gezeigt, dass der allein verdienende Mann für die Familie ein Sicherheitsrisiko ist: Wenn Tausende von Stellen in alteingesessenen Firmen gestrichen werden, ist auch schnell mal der schöne Ingenieursposten des allein verdienenden Mannes weg. Wie gut, wenn dann wenigstens die Frau noch Geld nach Hause bringt.

Eva Apraku, Berlin-Wilmersdorf

Die Familienministerin würde sich wirklich etwas trauen, wenn sie die Summe, die ein Krippenplatz kostet, den Frauen geben würde, die ihr Kind selbst umsorgen möchten. Das wäre wirkliche Wahlfreiheit! Hilfreich wäre in einem solchen Fall eine regelmäßige Kontrolle der Entwicklung der Kinder und gegebenenfalls Schulung der Mütter. Die besten Entwicklungschancen hat ein Kind durch die feste Bindung zuerst an nur einen Menschen. Ich bin froh, dass es in der CDU noch Vertreter wie Herrn Schönbohm gibt, für den die Familie noch ein Wert ist. Ich hoffe sehr, dass, wenn schon nicht die Einsicht, dann aber der Geldmangel den Krippenausbau verhindert.

Heide Wolffgramm, Rangsdorf

Zu den Äußerungen von Bischof Mixa zu Ursula von der Leyens Familienpolitik

Beck vergleicht Bischof Mixa mit einem kastrierten Kater. Auch wenn Herr Beck manchmal schnell etwas sagt, so wollte er nur darstellen, dass hier ein alter Mann, der nie Kinder hatte, über etwas redet, das ihm fremd ist, und außerdem der gesellschaftlichen Realität in unserem Lande widerspricht. Wer sich ein Urteil über Frauen erlaubt und diese, wie auch eine Ministerin, die sich Sorgen um die Kinder unseres Landes macht, in so rüdem Ton beleidigt, darf sich über die Reaktion nicht wundern. Man sollte ihn auch nicht so ernst nehmen, wie er selbst ernst genommen werden möchte. Das Mittelalter, das er vertritt, ist in Deutschland vorbei und selbst in der konservativen CSU gibt es Frauen, die moderne Lebensführungen praktizieren. Man wird einen alten Mann nicht mehr ändern, über den die Zeit bereits hinweggegangen ist.

Gerhard Rosenberg, Berlin-Karow

Ein großer Teil der Bevölkerung, nicht nur Katholiken, unterstützt eben nicht das Modell der Familienministerin, die scheinbar nur die berufstätige Frau mit Anhängsel Kind sieht und nicht auch die Mutter, die es als Aufgabe sieht, ihr Kind zu erziehen, wie sie es möchte. Ich habe den Eindruck, hier läuft ein Konzept ab nach dem Muster, möglichst früher Krippenplatz für alle, dann Kindergarten für alle, anschließend eine Schule für alle und dann fehlt nur noch die Partei für alle. Alles unter Kontrolle und alles leider schon mal da gewesen, noch gar nicht so lange her!

Peter Roetger, Berlin-Spandau

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