Leserbriefe : Waffen retten die Welt nicht

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Zur Berichterstattung über den geplanten „Raketenschutzschild“ der USA

Ein vorwärtsbasiertes Raketenabwehrsystem in der für Polen/Tschechien vorgesehenen Variante ist nicht geeignet als „Raketenschutzschild für Europa“, wie gerne postuliert wird. Dafür ist es schlicht zu klein, auch wenn in Polen zehn Systeme stationiert werden sollen. Ein solches System ist genau deshalb auch nicht „rein defensiv“, sondern dient als Absicherung des Restrisikos im Fall eines eigenen Erstschlages gegen den wahrscheinlichen „Raketengegner“. Ist das aber wirklich nur der Iran? Oder ist zum Beispiel China der eigentliche Adressat der Botschaft?

Ob das iranische Mullah-Regime der tatsächliche Grund für die Stationierung oder nur ein Vorwand ist – schön wäre es, die Welt, hätte es bis zum geplanten Zeitraum der Indienststellung des Systems geschafft, gemeinsam mit den demokratischen Kräften im Iran eine friedliche Wende hin zu einem demokratischen Staat hinzubekommen.

Man könnte weitere Fragen stellen, Zweifel anmerken, wenn man denn wollte. Wichtiger, scheint mir, ist die Frage nach der Logik, die zu diesem neuen AB-System führt: Der Westen rüstet auf zum Schutz gegen eine mögliche oder wahrscheinliche Bedrohung – und nimmt dadurch in Kauf, dass sich andere durch diese Aufrüstung selbst bedroht sehen und ihrerseits „Gegenmaßnahmen“ einleiten (hier sind nicht die Russen gemeint!). Denn leider wahr ist, dass die USA nicht als Garant des Weltfriedens auftreten bzw. agieren, sondern nach eigenem Gusto andere, „missliebige“ Staaten zu Schurken erklären, die sie auch bereit sind, offensiv anzugreifen und zu bekämpfen. Das ist die Iraklehre. So sehen die einen eine wachsende Bedrohung durch neue Möglichkeiten von potenziellen „Schurken“, während die anderen ihr letztes Heil vor einer militärischen Bedrohung durch die USA ihrerseits in der Anschaffung von Raketen und Massenvernichtungswaffen suchen.

Auch wenn Vergleiche immer hinken: Wir haben in Berlin ein ähnliches Problem. Immer mehr Jugendliche, in Kreuzberg und anderswo, rüsten auf. So gehören Messer längst zum alltäglichen Besitz. Grund: Angst vor der Bedrohung durch andere Jugendliche, „man muss sich doch verteidigen können!“

Die Berliner Polizei aber weiß zu berichten: „Messer machen Mörder!“

Peter Kubisch, Strausberg

Kurt Beck hat nur ausgesprochen, wonach Vernunft und Menschlichkeit schon lange schreien.Weshalb hält man ihm nicht zugute, dass er eine tiefe Überzeugung zum Ausdruck bringt, warum unterstellt man ihm allein Parteitaktik? Wann hört es endlich auf, dieses elende und elend machende Wettrüsten? Wann endlich werden diese Mengen von Geldern menschlich sinnvoll für den Menschen und eine gesunde Erde verwendet – zur Erhaltung und nicht Zerstörung unserer Schöpfung? Eigentlich wissen wir seit Jahrhunderten, dass Kriege nur Elend bringen. Ich hoffe sehr, dass des Volkes Stimme in Polen und der Tschechischen Republik dazu ein klares Votum abgeben kann !

Es bleibt dabei: Frieden muss gewagt werden – auch mit dem sogenannten Feind, diplomatische Lösungen brauchen mehr Zeit, mehr Überlegungen, sind aber immer möglich!

Regina Schmutzler, Berlin-Kreuzberg

Der Widerstand gegen das US-Raketenabwehrsystem ist unverständlich. Hier handelt es sich doch nicht um ein Wettrüsten, sondern um die Abwehr von Terrorraketen, die ansonsten auch Deutschland treffen können. Und es ist nicht gegen Russland gerichtet, das gegebenenfalls die Raketen über den Nordpol nach den USA schicken würde. Die populistische Propaganda von SPD-Chef Kurt Beck ist deshalb falsch.

Herbert Gaiser, München

Nichts kann einen Frieden besser sichern als eine weitgehende Abrüstung. Die Ressourcen, die diese Waffen binden sind doch wohl besser für friedvolle Zwecke einsetzbar. Wer heute immer noch meint, die Welt wäre mit Waffenarsenalen zu retten, der bleibt ein unverbesserlicher kalter Eisenfresser.

Manfred Theisen, Berlin-Wilmersdorf

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