Leserbriefe : Weniger Staat macht auch Staat

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„Schlechte Eltern sollen Bußgeld zahlen“ vom 17. März

Mit Sorge beobachte ich die aktuelle familienpolitische Diskussion. In allen anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen hat sich doch die Einsicht durchgesetzt, dass weniger Staat mehr ist. Wieso nun ausgerechnet beim Thema Familie der Ruf nach mehr staatlicher Einmischung und Kontrolle? Fürchtet sich etwa eine zunehmend kinderlose Gesellschaft vor der Erkenntnis, das eigene Leben verfehlt zu haben? Sind Karriere und Traumreisen doch nicht alles? Für diese Erkenntnis nun aber Familien abzuwatschen und deren Rechte einzuschränken ist ungeheuerlich.

Als ob der Industriearbeiter um 1900 sich mehr um seine Kinder gekümmert hätte, als der Hartz-IV-Empfänger heute, als ob Jugendliche nicht schon 1848 Trinkgelage abgehalten hätten, und wenn ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund mal ein Handy klaut, weswegen müssen dafür nun meine Kinder in Ganztagsschulen weggesperrt werden?

Benjamin Kaiser, Fürstenwalde