Seite 2 von 2
Rassismus : Bedrohte Schweinefleischfresser

Das ist fatal. Oft brechen Probleme, die verdrängt werden, später umso heftiger auf. Und gerade beim Thema deutschfeindlicher Rassismus ist zu befürchten, dass ultrarechten Demagogen, von der NPD bis zum Wochenblatt "Junge Freiheit", zumindest punktuell die Deutungshoheit überlassen wird, weil die große Mehrheit schweigt. Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass rechtspopulistische Stimmungsmache weit in die Gesellschaft hinein ein Echo findet. Da wäre es gerade jetzt, zwei Monate vor der Wahl in Berlin, riskant und fahrlässig, in bänglicher Stille abzuwarten, ob die Ultrarechten das Verfahren gegen die mutmaßlichen Schläger vom U-Bahnhof Lichtenberg nutzen können. Der Prozess gegen die jungen Migranten wird kommen, womöglich noch vor der Wahl. Auf jeden Fall mit schockierenden Details.

Es gibt keinen legitimen Grund, Rassismus zu verschweigen. Auch nicht den, der sich gegen Deutsche richtet. Und es wäre schlicht irrational anzunehmen, Migranten seien zu rassistischem Verhalten gegen Deutsche nicht fähig. Wer grundlos Passanten mit den Worten „Scheiß Deutsche“ attackiert, ist ähnlich gestrickt wie ein Angreifer, der „Scheiß Kanaken“ brüllt. Anstatt das eine zu ignorieren und nur das andere zu beklagen, sollte eine differenzierte Betrachtung erfolgen. Dazu gehört natürlich, die unterschiedlichen Dimensionen des Rassismus in Deutschland zu erforschen. Zweifellos sind Migranten in ganz anderem Ausmaß rassistischer Diskriminierung durch Deutsche ausgesetzt als umgekehrt. Das zeigen nicht nur die vielen Verbrechen rechtsextremer Gewalttäter. Die Vereinten Nationen haben gerade der Bundesrepublik vorgehalten, Migranten würden bei der Wahrnehmung des Rechts auf Bildung und Beschäftigung behindert. Das ist empörend. Deutschenhass bei Migranten auch.