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Rechtssprechung : Der Fall Torben P.: Hass macht milde

In allen Fällen ging es um Angeklagte und die immer wieder schwierige Frage, welche Strafe tat- und schuldangemessen ist und mit welchen Gründen sie schärfer oder milder auszufallen hat. Zu allen Fällen hätte man eine intuitive Meinung, mal Verständnis für Tat und Täter, vielleicht sogar Mitgefühl, dann wieder Abscheu und Empörung. All dies dürfen Richter nicht zum Maßstab ihres Urteils machen. Sie müssen objektive Gründe für ihre Strafzumessung finden. Das heißt vor allem: Sie müssen mit einem Maß messen, nicht mit zwei oder mehr. Eine Tat ist eine Tat, ob Totschlagsversuch oder Koksbesitz, ob der Täter eher jung und gesund war oder alt und krank. Sind Betroffene durch Medienberichte besonders belastet worden, hat das Gericht dies zu würdigen – und wenn man dies nicht mehr akzeptieren möchte, so wäre dazu ein Gesetz zu verabschieden.

Es wäre ein weltfremdes Gesetz. Der Druck durch die Presse und Internet wird stärker. Es gehört zur öffentlichen Aufgabe der Presse, über Strafprozesse zu berichten. Doch ohne Hetze, ohne Jagd, ohne den Impetus, das Urteil mitzubestimmen. Je unsachlicher die Berichte, desto milder die Strafe. Oder andersherum: Gerade Medien, die hohe Strafen fordern, sollten besonders fair berichten. Sonst dürfen sie sich nicht wundern.

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