Christdemokraten besinnen sich auf ihre sozialen Wurzeln.

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Wahlkampf : Die Machtmaschine der CDU läuft wie geschmiert

Zudem ist es mitnichten so, dass der CDU-Forderungen wie Lohnuntergrenze und Mietpreisbremse völlig fremd sind. Zwar kommen die familienpolitischen Forderungen eher altbacken und fantasielos daher. Die Erhöhung des Grundfreibetrages und die Erhöhung des Kindergeldes gehören nicht zu eine modernen Familienpolitik, um die Entwicklung eines Familiensplittings drückt sich die Partei herum.

Aber vor allem scheint es so, als besinnen sich die Christdemokraten auf ihre alten sozialen Wurzeln. Diese Forderungen bedeuten, anders als die Abkehr von der Atomkraft oder der Wehrpflicht, keinen Bruch mit dem traditionellen Wertefundament. Die CDU stand in ihrer erfolgreichen Geschichte schließlich nicht nur für Westintegration, sondern auch für Montanmitbestimmung, nicht nur für Antikommunismus, sondern auch für dynamische Renten. Sie wurde nicht nur von Alfred Dregger und Karl Carstens repräsentiert, sondern auch von Heiner Geißler, Rita Süssmuth und vor allem Norbert Blüm. Die CDU konnte die Politik der alten Bundesrepublik nur deshalb so dominieren, weil es erst Adenauer und dann Kohl gelang, die Konservativen mit den Anhängern der christlichen Soziallehre zu versöhnen. 

In den Nuller-Jahren hatte die CDU zeitweise ihre sozialen Wurzeln gekappt und sich ganz dem Marktradikalismus verschrieben. Auf dem Leipziger Parteitag 2003 wurde der Herz-Jesu-Marxist Norbert Blüm sogar ausgepfiffen. Aber diesen Fehler, der ihr den Wahlsieg 2005 kostete, hat die CDU längst korrigiert. Von radikalen oder gar neoliberalen Reformen in der Sozialpolitik will Merkel schon lange nichts mehr wissen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wandelt erfolgreich auf den Spuren ihres legendären Vorgängers.

Das Problem der CDU sind nicht Mindestlohn, Kindergeld und Mietobergrenzen. Das Problem der CDU sind nicht ein paar sozialpolitische Forderungen im Bundestagswahlprogramm. Das Problem der CDU ist ihr erodiertes konservative Wertefundament, ein Euro, an dem immer mehr Deutsche zweifeln sowie eine Energiewende, die nicht vorankommt. Doch solange die CDU regiert und die Kanzlerin so beliebt ist, solange kann sie diese Probleme verdrängen. Die CDU muss sich erst ernsthaft um ihre Zukunft sorgen, wenn die christdemokratische Machtmaschine stottert. Doch dreieinhalb Monate vor der Bundestagwahl läuft diese wie geschmiert. Vielleicht ist die SPD ja deshalb so nervös und schimpft so lautstark über den Themenklau.

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