Welche Auswirkungen Leistungen wie das Betreuungsgeld haben, lässt sich im Ausland betrachten.

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Zank um Erziehung : Beim Betreuungsgeld geht es vor allem um Psychologie

Welche Auswirkungen Leistungen wie das Betreuungsgeld haben, lässt sich in Norwegen besichtigen: Dort ist nicht nur die Zahl der Kleinkinder gesunken, die in einer staatlich geförderten Einrichtung betreut wurden. Auch Mütter mit geringer Bildung haben sich dort vom Arbeitsmarkt zurückgezogen – obwohl es dort genügend Betreuungseinrichtungen gibt.

Das sieht in Deutschland anders aus: In vielen Teilen Westdeutschlands ist der Kita-Ausbau nicht weit genug vorangekommen. Ab August 2013 haben Eltern aber einen Rechtsanspruch auf Betreuung ihrer Kinder unter drei Jahren. Die Kommunen fürchten schon jetzt, dass sie diesen Anspruch nicht werden einlösen können. Derzeit fehlen bundesweit mehr als 200 000 Betreuungsplätze und bis zu 20 000 Erzieherinnen. Hier zu investieren, wäre sinnvoll. Sollte die Bundesregierung 2013 das Betreuungsgeld einführen, würde sie sich von dieser Aufgabe ein Stück weit freikaufen. Sie könnte argumentieren, dass der Staat auch eine finanzielle Anerkennung für die Familien bereithält, die ihre Betreuung privat organisieren.

Befürworter des Betreuungsgeldes nutzen gern das Schlagwort von der Wahlfreiheit. Doch muss der Staat sie so finanzieren? Viele junge Paare wünschen sich Kinder und den Beruf für beide Partner. Hier sollte die Politik ansetzen: mehr Kindergärten mit flexibleren Öffnungszeiten, mehr Personal für eine bessere Betreuung. Eine Arbeitswelt, die stärker in die Pflicht genommen wird, sich auf die Bedürfnisse von Familien einzustellen, angefangen bei flexiblen Arbeitszeiten. Wie das alles vorangebracht werden kann – darüber würde der Streit sich lohnen.

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