E-Autos von Peugeot im Test : Zwei vollelektrische Modelle und drei Plug-In-Hybride

Peugeot elektrifiziert seine Flotte. So fahren sich e-208 und e-2008 sowie 3008 und 508.

Mit weißer Weste kommen die neuen Elektro-Peugeots daher - sofern sie mit Ökostrom betankt werden.
Mit weißer Weste kommen die neuen Elektro-Peugeots daher - sofern sie mit Ökostrom betankt werden.Foto: Stefan Jacobs

Wenn dann doch irgendwann demnächst das Zeitalter der Elektromobilität so richtig beginnt, soll es an Peugeot nicht scheitern: Ende Januar haben die Franzosen ihre elektrifizierte Flotte präsentiert. Die reicht vom vollelektrischen e-208 und sein SUV-Brüderchen e-2008 über den größeren und als Verbrenner bereits recht erfolgreichen 3008 bis zum 508, der als große Limousine und Edelkombi gegen Passat & Co. antritt.

Wobei die drei letzteren Modelle Plug-In-Hybride sind, die ohne Besuch an der Ladesäule oder Steckdose zwischen 50 und 60 Kilometer rein elektrisch schaffen. Wenn der Saft verbraucht ist, fahren sie als Benziner, die zusätzlich Batterien herumschleppen, die beim Rollen und Bremsen für den nächsten Start geladen werden. Diese Kombination ergibt auf dem Papier Spritverbräuche von 1,3 Liter pro 100 Kilometer – dem genormten Testzyklus sei Dank. Solche Werte sind zwar im Alltag nur bedingt realistisch, aber förderfähig gemäß dem Klimapaket der Bundesregierung. Für die kleineren 100-Prozent-Stromer gilt das sowieso.

Die dreistreifigen Rücklichter zieren fast alle aktuellen Peugeot-Modelle, das e verrät die Stromer
Die dreistreifigen Rücklichter zieren fast alle aktuellen Peugeot-Modelle, das e verrät die StromerFoto: Stefan Jacobs

Auf Testfahrten zeigten die Modelle recht unterschiedliche, aber ganz überwiegend erfreuliche Qualitäten. Das gilt insbesondere für den e-208, der – ebenso wie seine seit Ende 2019 erhältlichen Verbrennerbrüder – das Potenzial zum Bestseller haben dürfte wie seine berühmten Vorgänger 205 ff.: Die Materialanmutung, der satte Plopp der zufallenden Türen, die vergleichsweise gute Übersicht, das große Handschuhfach, der bequem zugängliche Kofferraum mit kratzgeschützter Ladekante und passablen 311 Litern Volumen – all das wirkt hochwertig und durchdacht auch noch an Stellen, an denen sonst gern gespart wird.

Der Peugeot 208 ist ein Hingucker - vor allem in Gelb-Metallic.
Der Peugeot 208 ist ein Hingucker - vor allem in Gelb-Metallic.Foto: Stefan Jacobs

Der Eindruck setzt sich beim Fahren fort, das naturgemäß fast geräuschlos beginnt, aber auch auf der Autobahn nicht laut wird. Und man kann sich dank Höchsttempo 150 durchaus auf die Autobahn trauen. Der Sprint auf Tempo 100 ist in gut acht Sekunden erledigt, und mühsam wird es höchstens an Steigungen, aber das geht kleinen Benzinern nicht anders. 50 Kilowattstunden speichert die Batterie, die je nach Testzyklus für 340 bis 450 Kilometer reichen sollen. Das liegt auf dem Niveau des Renault Zoe, der ein Hauptkonkurrent sein dürfte.

Für ein reines Elektroauto sieht der Motorraum des e-208 überraschend konventionell aus. Der 136 PS starke Motor sitzt weit unten.
Für ein reines Elektroauto sieht der Motorraum des e-208 überraschend konventionell aus. Der 136 PS starke Motor sitzt weit unten.Foto: Stefan Jacobs

Der Renault kommt etwas biederer daher als die elektrifizierten Peugeots, die nun alle die viel diskutierte Kombination aus oben und unten abgeflachtem Mini-Lenkrad und darüber liegenden Instrumenten haben. Gewohnheitstiere mögen murren, aber objektiv spricht nichts gegen diese Variante, bei der man obendrein leichten Herzens auf ein teures Head-Up-Display verzichten kann.

Die Instrumente selbst überraschen im 208 mit einem Display auf zwei Ebenen, das an ein Hologramm erinnert. Auch hier gilt, dass die Spielerei nicht der Funktion geopfert wurde. Das lässt sich auch für die hervorstehenden Tasten unter dem Bildschirm in der Mittelkonsole sagen, die an ein altes Röhrenradio erinnern und ebenfalls in mehrere Peugeot-Modelle eingezogen sind.

Der 50-kWh-Akku der Elektroversion sitzt im Fahrzeugboden
Der 50-kWh-Akku der Elektroversion sitzt im FahrzeugbodenFoto: Stefan Jacobs

Auf der Rückbank geht es im 4,06 Meter langen und 1,43 Meter hohen 208er erwartungsgemäß enger zu – sowohl für die Beine als auch für den Kopf. Für Kinder passt das, für Erwachsene nur kurzzeitig, aber das ist in dieser Klasse eben leider so.

Anders als andere muss einen der Peugeot-Händler mit diesem Problem nicht zur Konkurrenz schicken, sondern kann auf den hauseigenen e-2008 verweisen. Der ist 24 Zentimeter länger und zwölf Zentimeter höher, was sich vor allem beim Einsteigen und in der zweiten Reihe sehr deutlich bemerkbar macht.

Die Tasten im Stil antiker Röhrenradios zieren mehrere Peugeot-Modelle
Die Tasten im Stil antiker Röhrenradios zieren mehrere Peugeot-ModelleFoto: Stefan Jacobs

Und da die zusätzliche Größe ganz überwiegend nicht in adipösen Kotflügeln oder übertriebener Bodenfreiheit verschwindet, sondern vor allem dem Innenraum zugute kommt, hat der 2008 nicht nur mehr Platz zum Sitzen, sondern auch fürs Gepäck: 434 Liter sollen es mindestens sein, und die Ladekante liegt nur zwei Zentimeter höher als beim 208. Wenn schon SUV, dann so. Wobei die zusätzliche Größe natürlich nicht umsonst zu haben ist: Während der elektrische 208er ab 30.000 Euro zu haben ist, sind für den 2008er fast 5000 Euro mehr fällig – und mehr Energie: 20 Kilometer weniger Reichweite als beim kleinen Bruder stehen im Datenblatt, bei identischer Batterie und Motorisierung mit ebenfalls 136 PS.

Der 3008 ist ein typischer SUV, aber als Hybrid hat er einen zuschaltbaren Allradantrieb.
Der 3008 ist ein typischer SUV, aber als Hybrid hat er einen zuschaltbaren Allradantrieb.Foto: Stefan Jacobs

Wenn’s mehr sein soll oder muss, steht der 3008 Hybrid4 zur Debatte. 4,45 Meter lang, 1,62 hoch – also eine ganze Nummer über dem 2008. Bei der Leistung eher noch mehr: 300 PS liefert die Kombination aus 1,6-Liter-Benziner und je einem Elektromotor an Vorder- und Hinterachse. Sie schießt den knapp 50.000 Euro teuren (der Basis-Benziner kostet nur halb so viel) Zweitonner in sechs Sekunden auf Tempo 100. Bis 135 km/h ist rein elektrisches Fahren möglich, bis auf Tempo 240 geht’s bei Bedarf mit der Achtgangautomatik weiter.

Der 3008 gehört zu den meistverkauften SUVs in Europa. Die gut ausgestattete Hybridversion ist fast doppelt so teuer wie der Basis-Benziner.
Der 3008 gehört zu den meistverkauften SUVs in Europa. Die gut ausgestattete Hybridversion ist fast doppelt so teuer wie der...Foto: Stefan Jacobs

In Preis, Leistung und auch bei der Materialqualität ist der 3008 also ein Premiumauto, wie es betuchte Großstadtindianer fahren, die in Zeiten von Greta & Co. unter Rechtfertigungsdruck stehen. Aber anders als in vielen anderen City-SUVs steckt im 3008 noch eine Überraschung: Er sieht nicht nur geländegängig aus, sondern ist es auch.

Mit Allradantrieb und zugeschalteten Fahrhilfen bewältigt der 3008 Hybrid4 auch schweres Gelände.
Mit Allradantrieb und zugeschalteten Fahrhilfen bewältigt der 3008 Hybrid4 auch schweres Gelände.Foto: Stefan Jacobs

Im Allradmodus lässt sich brutal steiles Gelände bewältigen – aufwärts mit sachtem Druck aufs Gaspedal, wobei selbst Anhalten und Anfahren mit Sommerreifen auf schlammigem Boden ohne Traktionsprobleme funktioniert. Und wenn’s ebenso steil wieder abwärts geht, muss man noch nicht einmal selber bremsen, sondern kann eine Fahrhilfe aktivieren, die bei etwas mehr als Schritttempo ruckfrei und geschmeidig in die Eisen steigt. Insofern ist der 3008 auch ein Auto für Leute, die ihr Wild nicht aus der Kühltruhe holen, sondern direkt aus dem Wald.

Wer wissen will, wann in den Hybriden welche Energie verbraucht oder gespart wurde, erfährt es vom Bordcomputer ganz genau.
Wer wissen will, wann in den Hybriden welche Energie verbraucht oder gespart wurde, erfährt es vom Bordcomputer ganz genau.Foto: Stefan Jacobs

Der Vierte im Elektro-Bunde macht sich nicht so gern schmutzig. Der als gestreckte Limousine mit praktischer Heckklappe oder als Designerkombi SW erhältliche 508 Hybrid gehört eher auf die Landstraße oder Autobahn, wo er mit seinen „Krallenlichtern“ vorn wie hinten eine Abwechslung zu den üblichen Außendienstlerschiffen bildet. Mit 4,75 bzw. 4,78 Meter ist er für die Stadt jedenfalls sehr groß und bei einer Höhe von 1,40 bzw. 1,42 Meter eher sportlich als übersichtlich. Die Mehrheit in Deutschland dürfte ihn wieder als SW ordern – mit Platz für 530 bis 1780 Liter Gepäck.

Der 508 SW konkurriert vor allem mit den großen deutschen Kombis
Der 508 SW konkurriert vor allem mit den großen deutschen KombisFoto: Stefan Jacobs

Auch der 508 soll Tempo 135 rein elektrisch schaffen; die Systemleistung von 225 PS ist für maximal Tempo 240 gut, falls jemand das braucht.

Für etwas Verlängerung sorgt in allen elektrifizierten Modellen der B-Modus, der über den Automatikwählhebel aktiviert wird und den Motor zum Generator umfunktioniert. So lässt sich beispielsweise an Autobahnausfahrten und vor Ampeln bei mittelstarker Bremswirkung etwas Energie retten.

Die Rücklichter der Marke mit dem Löwen-Symbol sollen an Krallen erinnern.
Die Rücklichter der Marke mit dem Löwen-Symbol sollen an Krallen erinnern.Foto: Stefan Jacobs

Interessant ist auch das Energiemanagement, bei dem sich via Bordmonitor oder per App beispielsweise eine bestimmte Ladezeit – sofern man den passenden Stromtarif oder eine eigene Solaranlage hat – oder eine garantierte elektrische Reichweite programmieren lässt: 10, 20 oder die maximal verfügbaren Kilometer stehen zur Wahl. Das kann zum Beispiel in Null-Emissionszonen interessant sein, wie sie etwa der Berliner Senat für die City ab 2030 bereits diskutiert: Wo die Umweltzone beginnt, schaltet man einfach auf den elektrischen Modus um. Und erspart seiner Umgebung dann tatsächlich Lärm und Abgase. Und weil es auch drinnen entsprechend leise ist, kann man mit dem Beifahrer in Ruhe die Frage erörtern, ob diese Art der Fortbewegung nun wirklich umweltfreundlich ist oder einfach nur gut fürs Gefühl.

 

Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken. 

Mehrfahrgelegenheit – 
ein Projekt von MEHR BERLIN