Schwierige Oberklasse

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Lancias neuer Thema im Test : Ein Cowboy trägt Armani

Einfach wird auch diese Aufgabe nicht zu lösen sein. Denn der neue Thema zum Beispiel tritt im ausgesprochen schwierigen Segment der oberen Mittelklasse an, die von deutschen Premiumherstellern dominiert wird. Diese setzen Standards, an den Franzosen, Italiener, Schweden und zuletzt eben auch die Amerikaner auf den europäischen Märkten, und nicht nur da, immer wieder gescheitert sind. Die einzige Chance ist meist der günstigere Preis im Vergleich zu den Deutschen. Doch das macht die Modelle für die Hersteller auch wirtschaftlich schnell uninteressant.

Zunächst mal versucht es der Thema mit einem ur-amerikanischen Design. Das kam als Chrysler durchaus auch auf dem deutschen Markt an. Im Jahr 2008 wurden noch fast 1500 an 300C hierzulande zugelassen. Mit der Überarbeitung letztes Jahr hat der Thema nun etwas weichere Kanten bekommen, aber dennoch seine Charakteristik behalten. Das Ami-Flair ist ihm aber immer noch deutlich in die Karosserie geschrieben. Ein bulliges Auto ist der Thema geblieben und auf den Straßen zieht er nicht nur die Blicke interessierter Chrysler-Fahrer auf sich.

Auch nach der Überarbeitung des Modells 300 von Chrysler ist das Design kantig geblieben. Allerdings sind die Formen etwas weicher geworden. Am Heck gibt es nun LED-Beleuchtung. Markant sind die zwei Endtöpfe unter der Heckschürze.
Auch nach der Überarbeitung des Modells 300 von Chrysler ist das Design kantig geblieben. Allerdings sind die Formen etwas weicher...Foto: Markus Mechnich

Entscheidend für den Erfolg wird aber das Thema Qualität werden. Denn die Kritik daran hat sowohl Chrysler als auch Lancia immer wieder belastet. Im Vergleich zu den ersten Fahrzeugen bei der Vorstellung im vergangenen Oktober ist das Niveau der Verarbeitung deutlich gestiegen. Ungeplante Falten im Leder oder klappernde Holzverkleidungen waren in unserem Testfahrzeug nicht zu entdecken. Allerdings ist das Plastik im Innern der Mittelkonsole und deren Verschluss immer noch klapprig. Aber im Großen und Ganzen vermittelt das Interieur des Thema einen ganz passablen und wertigen Eindruck.

Die Lounge hinterm Lenkrad

Richtig amerikanisch wird es bei dem ein oder anderen Detail, das dieser Lancia bietet. So wird der Kaffee in den beiden Becherhaltern der Mittelkonsole warm gehalten, ein Softdrink kann aber auch gekühlt werden. Die Rückbank bietet, wie die vorderen Plätze auch, eine Sitzheizung an und die Pedalerie ist elektrisch verstellbar. Das Ambiente wird ergänzt durch ein elektrisches Rollo in der Heckscheibe und eine hoch auflösende Rückfahrkamera.

Diese Wohlfühlatmosphäre steht etwas im Kontrast zur recht harten Abstimmung unseres Testwagens. Mit der 20-Zoll-Bereifung kommt unweigerlich ein Sportfahrwerk mit. Das ist zwar sehr solide und macht aus dem Thema ein souverän zu steuerndes Auto. Aber auf kurze Bodenwellen und Kopfsteinpflaster reagiert die Dämpfung etwas verschnupft und gibt sich stößig. Insgesamt ist die Abstimmung für das Auto aber sehr passend. Ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort. Schließlich will man auf den Lounge-Sesseln, die der Thema an Bord hat, nicht wirklich Rennen fahren.

Reichlich Drehmoment und üppige Ausstattung

Dabei hat der Italo-Cowboy durchaus Potenzial sich sehr sportlich fortzubewegen. Der Sechszylinder in V-Form leistet mit seinen drei Litern Hubraum 239 PS und drückt die brachiale Kraft von 550 Newtonmeter ab 1800 Umdrehungen pro Minute auf die Kurbelwelle. Übertragen wird dieses Drehmoment bei den beiden, verfügbaren Diesel-Antrieben durch eine Fünfgang-Automatik, die Chrysler einst noch von Daimler erbte. Das funktioniert mit eher schleppenden Gangwechseln zwar ordentlich, begeistern kann es aber nicht. Für den Benziner gibt es schon das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe von ZF, für die Diesel soll es erst im Laufe dieses Jahres kommen. Das würde dann die Verbrauchswerte wohl auch noch mal verbessern. Mit 7,1 Litern für die 100 Kilometer steht er auf dem Papier ganz ordentlich da. Bei unseren Testfahrten genehmigte sich der Lancia Thema allerdings genau zwei Liter mehr, was für einen Diesel dann doch ein Häppchen zu viel ist.

Im Interieur geht es wohnlich zu. Ganz amerikanisch sind Annehmlichkeiten wie kühl- oder heizbare Becherhalter, eine Lenkradheizung oder die belüftete Sitze. Über das 8,4 Zoll große Touchscreen-Display werden auch zahlreiche Funktionen des Fahrzeugs gesteuert.
Im Interieur geht es wohnlich zu. Ganz amerikanisch sind Annehmlichkeiten wie kühl- oder heizbare Becherhalter, eine...Foto: Markus Mechnich

Bis zu 232 Stundenkilometer sind so maximal drin. Eingefangen wird das mehr als zwei Tonnen schwere Gefährt durch innenbelüftete Scheibenbremsen vorne und hinten. Den Sprint auf die 100 Stundenkilometer absolviert der Thema in 7,8 Sekunden. Damit liegt er nur 0,1 Sekunden hinter dem stärkeren Sechszylinder-Pentastar, den es ebenfalls im Angebot gibt. Die Zuladung des Lancia Thema ist mit 434 Kilogramm hingegen eher bescheiden. Gleiches gilt für das Kofferraumvolumen von 462 Liter.

Technisch steht der Lancia Thema zwar ordentlich dar. Aber im Vergleich mit einem 530d von BMW oder einer E-Klasse mit Drei-Liter-Diesel leistet er andererseits jetzt auch nichts Außergewöhnliches. Immerhin kann der Lancia mit einer sehr umfangreichen Ausstattung punkten. Für 50.900 Euro ist schon so ziemlich alles drin, was das Herz begehrt. Als Sonderausstattung gibt es nur noch ein Panoramadach für 1350 Euro.

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