Neuer Volvo XC60 : Besser als der große Bruder

Wie optimiert man den erfolgreichsten Volvo? Die neue Generation des Volvo XC 60 gibt darauf etliche gute Antworten.

Ein Billigheimer ist der XC60 nicht, aber das erwartet auch niemand von Volvo.
Ein Billigheimer ist der XC60 nicht, aber das erwartet auch niemand von Volvo.Foto: promo

Ein Generationswechsel kann verdammt schwierig sein. Keine leichte Aufgabe für die Volvo-Ingenieure. Immerhin ist der XC60 in Deutschland der meistverkaufte Volvo und weltweit ein Renner, der insgesamt über eine Million Mal verkauft wurde. Den Erfolg des SUV will Volvo mit der neuen Generation fortschreiben, und hierzulande den Marktanteil im SUV-Segment von zehn Prozent halten.

Zur Markteinführung des neuen XC60 kommt für die Verkäufer die Unruhe deshalb ungelegen, die das Unternehmen selbst mit Ankündigungen über die künftige Entwicklungsrichtung geschürt hat. Was kommt denn nun nach 2019, fragen sich viele nach der unerwarteten Ansage des Volvo-Chefs, dass die Schweden ab 2019 nur noch elektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen wollen? Zusammen mit den Hinweis, dass Volvo auch keine neue Diesel mehr entwickeln möchte, kann das die Stammkundschaft schon beunruhigen. Immerhin entscheiden sich beim derzeitigen XC 60 neun von zehn deutsche Kunden für ein Diesel-Aggregat.

Der XC 60 ist die stadttauglichere Variante für all jene Menschen, denen der große Bruder XC90 zu wuchtig ist.
Der XC 60 ist die stadttauglichere Variante für all jene Menschen, denen der große Bruder XC90 zu wuchtig ist.Foto: promo

Die stadttauglichere Variante

Wie schreibt man eine Erfolgsgeschichte also fort? Indem man nicht alles anders, aber einiges besser macht. Vor allem sich auch einiges abschaut vom großen Bruder. Das fängt beim Äußeren an, das ein wenig an den XC90 erinnert. Die lange Motorhaube, die sich bis zum senkrecht stehenden Kühlergrill zieht, und die kurzen Überstände fallen angenehm auf. Von vorne sind die Scheinwerfer breiter geworden. Den fast 4,70 Meter langen XC60 kennzeichnet eine ausgewogenere, harmonischere Linienführung gegenüber seinem Vorgänger.

Der XC 60 ist die stadttauglichere Variante für all jene Menschen, denen der große Bruder XC90 einfach zu wuchtig und potent ist. Auffällig ist, dass die Türen bis zur Bodenplatte heruntergezogenen sind; dadurch bleiben die Türschweller sauber. Hinter der großen Heckklappe wartet ein familienferien-tauglicher Kofferraum, der sich bis auf 1400 Liter vergrößern lässt.

Dem großen Bruder teilweise ziemlich nah

Apropos großer Bruder. Der XC 60, der grundsätzlich mit Allrad-Antrieb, Achtgang-Automatik und ausschließlich Vier-Zylinder-Aggregaten ausgerüstet ist, kommt dem großen Bruder teilweise ziemlich nah. Die sehr guten Sitze sind etwa aus dem großen SUV übernommen, und auch der hochkant angeordnete, große Touchscreen.

Das neue Modell kommt mit fünf Motor-Varianten; zwei Diesel und drei Benziner. Auch künftig werden sich wohl die Mehrheit der deutschen Käufer für einen Selbstzünder entscheiden. Und sie treffen da durchaus eine gute Wahl bei einem Hersteller, der nicht durch Abgas-Schummeleien aufgefallen ist. Die beiden angebotenen Diesel-Aggregate holen aus jeweils vier Zylindern und zwei Litern Hubraum 190 PS (D4) oder 235 PS (D5) Leistung. Beide Aggregate präsentieren sich als ausgesprochen laufruhig und kultiviert. Da wird nichts laut und ungehobelt, selbst wenn der Fahrer mal kräftig aus Gaspedal tritt. Vor allem der D5 erweist sich als sehr geschmeidig und anzugsstark.

Das neue Modell kommt mit fünf Motor-Varianten; zwei Diesel und drei Benziner.
Das neue Modell kommt mit fünf Motor-Varianten; zwei Diesel und drei Benziner.Foto: promo

Zum ungestörten Reden oder Musik hören im Innenraum trägt freilich auch die gute Isolierung des Motorraums bei. Beim größeren Diesel hat sich Volvo etwas Cleveres ausgedacht, um das Turboloch zu vermeiden. Beim Beschleunigen im ersten und zweiten Gang hilft ein neuartiges Druckluftsystem, den Turbo auf Touren zu bringen. Warum das Turbo-Nachhilfe nicht auch für den kleineren Diesel angeboten wird, ist etwas unverständlich. Allerdings zeigt sich auch bei der Fahrt mit dem kleinsten Diesel, dass der XC 60 flott vorankommt. Besonders im Dynamic-Mode sorgt die veränderte Motor-Kennlinie für eine flotte Beschleunigung; die Eco-Kennlinie hinterlässt dagegen eher einen schlappen Eindruck.

Und keine Sorge - so schnell wie die flotte Ankündigung in Sachen Diesel-Abschied vermuten ließe, sind auch die Schweden nicht. Denn die aktuelle Diesel-Generation ist gerade frisch entwickelt, die werden deswegen noch den ganzen Lebenszyklus des neuen XC 60 begleiten. Und genau deswegen werden auch beim XC 40, der im Herbst vorgestellt wird, noch Diesel-Triebwerke angeboten werden. Bei den Benzinern ist als Basismodell der T5 mit 254 PS im Programm. Der T6 mit Kompressor-Aufladung bringt 320 PS auf die Straße. Zu haben ist auch ein Plug-in-Hybrid mit 407 PS.

Der Innenraum ist erstklassig verarbeitet

Hätten wir im Innenraum was Anderes von Volvo erwartet als gepflegtes schwedisches Design? Die helle Holzeinlage am Armaturenbrett, drüber die klare Kante mit der auffälligen gesteppten Ziernaht. Da fühlt man sich wohl. Der geschmackvolle Innenraum ist, wie es sich für einen Premium-SUV gehört, erstklassig verarbeitet. Auch auf der Rückbank ist auch Platz für große Menschen. Erst gewöhnen muss man sich freilich an die sehr hochgezogene Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen. Das Interieur wirkt aufgeräumt. Kein Gewitter von Knöpfen und Schaltern mehr, die den Fahrer irritieren. Alle Funktionen lassen sich über den hochkant stehenden Flachbildschirm mit Touch-Funktion steuern.

Helle Holzeinlage am Armaturenbrett, drüber die klare Kante mit der auffälligen gesteppten Ziernaht.
Helle Holzeinlage am Armaturenbrett, drüber die klare Kante mit der auffälligen gesteppten Ziernaht.Foto: promo

Das mag anfänglich gewöhnungsbedürftig scheinen, geht aber schon nach kurzer Zeit flüssig von der Hand. Dem Infotainment-System Sensus Connect hat Volvo ebenfalls ein Update verpasst, die jeweiligen Funktionen werden jetzt übersichtlicher dargestellt. Auch die volldigitale Instrumententafel vor dem Lenkrad ist übersichtlich. Schade ist nur, dass das hilfreiche und zweifellos die Sicherheit steigernde Head-up-Display nur optional angeboten wird. Der Innenraum vergrößert sich optisch auf schönste Weise, wenn man das optional erhältliche, bis zu den Rücksitzen reichende Panoramadach wählt. Auch das ausgezeichnete Bowers & Wilkens Soundsystem kostet knapp 3000 Euro Aufpreis.

Die Lenkung wirkt in der Normal-Einstellung ein wenig schwammig; auch deswegen lohnt es sich, den Dynamik-Modus zu wählen, in dem es etwas direkter zugeht. Das Fahrgestell bügelt die Unebenheiten der Straße auf angenehme Weise weg. Zumindest sorgt dafür die zum Aufpreis angebotene Druckluft-Federung.

Fast zwei Tonnen schwer und relativ kurvenstabil

Bei der in der Grundausstattung vorhandenen starren Hinterachse mit Blattfeder wird das vermutlich nicht ganz so kommod zugehen. Ein Wackel-Dackel ist der fast zwei Tonnen schwere Wagen aber nicht, sondern erweist sich als relativ kurvenstabil. Und in der angepeilten Käuferschicht ist das Interesse am ruppigen Kurven-schnippeln und sportlichem Tempo-bolzen wohl durchaus überschaubar. Im Offroad-Modus pumpt sich der SUV per Luftfederung dann ein paar Zentimeter höher.

Was wäre ein Volvo ohne ein üppiges Sicherheitspaket. Hier steht immerhin der Anspruch, dass bis 2020 kein Mensch mehr bei Unfällen mit einem Volvo zu Tode kommen soll. Zu den bislang 19 elektronischen Helfern sind noch einige hinzugekommen. Das neue City Safety System reagiert nun auch dann, wenn der Fahrer in den Gegenverkehr steuert, zur Kollisionsvermeidung mit einem gezielten Lenkeingriff. Manche Unterstützung wünschte man sich noch etwas direkter im Zugriff, etwa die Spurhaltefunktion Lane Assist.

Zu den bislang 19 elektronischen Helfern sind noch einige hinzugekommen.
Zu den bislang 19 elektronischen Helfern sind noch einige hinzugekommen.Foto: promo

Ein Billigheimer ist der XC60 nicht, aber das erwartet auch niemand von Volvo. Das Basismodell kostet 48.050 Euro - das sind immerhin 7000 Euro mehr als der derzeitige XC60. Wer sich für den T8 AWD Plug-in-Hybrid entscheidet, muss mindestens 69 270 Euro auf den Tisch legen. Mit Extras können es sehr schnell etliche tausend Euro mehr werden.

 

 

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