Opel Astra Automatik im Test : Kompaktwagen mit stufenloser Schaltzentrale

Eine stufenlose Automatik im Astra verspricht Komfort und Sparsamkeit. Wir haben das besondere Getriebe ausprobiert.

4,37 Meter ist der Astra lang. Der "Sports Tourer" genannte Kombi bringt es auf 4,70 Meter.
4,37 Meter ist der Astra lang. Der "Sports Tourer" genannte Kombi bringt es auf 4,70 Meter.Foto: Stefan Jacobs

Wer etwas Besonderes sucht, landet vielleicht nicht unbedingt zuerst beim Opel Astra. Aber wer einen besonderen Opel Astra sucht, kann neuerdings fündig werden: Seit ein paar Monaten gibt es das Modell auch mit stufenlosem Automatikgetriebe. Diese  Jahrzehnte alte, nie auf ganz breiter Front etablierte Technik überträgt die Kraft über einen Konus statt über Zahnräder, sodass es statt fester Schaltstufen die Chance auf stets optimale Drehzahl gibt – egal wie schnell man gerade fährt und wie viel Last anliegt.

Im Astra hat Opel einen 1,4-Liter-Benziner mit 145 PS mit dem Getriebe kombiniert, das stolze 2400 Euro mehr kostet als der Sechsgang-Handschalter mit dem gleichen Motor. Der soll laut Datenblatt außerdem mit weniger Sprit auskommen: etwa 4,4 statt 5 Liter sind angegeben. Lohnt sich der Automat unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt?

Die Bedienung ist unkompliziert. Allerdings ist auf die Verkehrszeichenerkennung nicht immer Verlass.
Die Bedienung ist unkompliziert. Allerdings ist auf die Verkehrszeichenerkennung nicht immer Verlass.Foto: Stefan Jacobs

 Das Fragezeichen ist auch am Ende eines ausgiebigen Tests nicht verschwunden: Einerseits spielt das stufenlose Getriebe seine Vorteile aus. Sobald man nicht weiter beschleunigt, sackt der Drehzahlmesser fast bis auf Standgasniveau herunter – und das Motorengeräusch gleich mit, sodass man dann sehr leise fährt; manchmal schon nahe an der Grenze zum untertourigen Ruckeln. Das funktioniert etwa bis zu Landstraßentempo: Bei 100 km/h hängt die Nadel bei etwa 1600 Umdrehungen pro Minute.

Die gegen Aufpreis erhältliche Einparkautomatik macht ihre Sache gut. Nur bremsen und Gas geben muss man dann noch selbst.
Die gegen Aufpreis erhältliche Einparkautomatik macht ihre Sache gut. Nur bremsen und Gas geben muss man dann noch selbst.Foto: Stefan Jacobs

Wenn aber Beschleunigung gefragt ist, geht der Astra nicht nur munter, sondern auch sehr brummig zur Sache. So sehr, dass man ihn für einen Diesel halten könnte. Immerhin fühlt er sich auch so kräftig an, als wäre er einer. Die angegebenen zehn Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 scheinen realistisch, und schweres Gepäck an Bord ist kein Hinderungsgrund.

Der Kofferraum ist zwar recht groß, aber viel Platz geht durch die Bodenplatte verloren. Unter der gibt es viele zerklüftete Ablagen - gerade groß genug, um z.B. Schuhe einzeln zu verstauen.
Der Kofferraum ist zwar recht groß, aber viel Platz geht durch die Bodenplatte verloren. Unter der gibt es viele zerklüftete...Foto: Stefan Jacobs

Ein Effekt der sehr weit abgesenkten Drehzahl ist die zunächst praktisch nicht vorhandene Motorbremse: Wer nur den Fuß vom Gas nimmt, wird kaum langsamer. Für Bremseffekt, etwa im Gebirge, muss man den Wählhebel nach links in den manuellen Modus ziehen und händisch zwei-drei der (virtuellen) sieben Stufen runterschalten. Wer darauf keine Lust hat, muss halt öfter mal in neue Bremsbeläge investieren.

 Das Verbrauchsverhalten soll ein Hauptvorteil des stufenlosen Getriebes sein. Nach knapp 1000 Testkilometern lassen sich folgende Faustregeln sagen: Fünf Liter sind außerorts machbar, sechs reichen auf der Autobahn und sieben werden es in defensiv gefahrenem Stadtverkehr.

Die Matrix-LED-Scheinwerfer erzeugen ein Dauer-Fernlicht, das Gegenverkehr und Vorausfahrende gezielt ausspart, um nicht zu blenden.
Die Matrix-LED-Scheinwerfer erzeugen ein Dauer-Fernlicht, das Gegenverkehr und Vorausfahrende gezielt ausspart, um nicht zu...Foto: Stefan Jacobs

 Ansonsten ist der Astra ein grundsolides Auto, das sich unkompliziert fahren lässt und dank sehr ordentlich gedämmter Roll- und Windgeräusche auch auf der Autobahn gut macht. Vielleicht sogar besser als in der Stadt, wo der Astra auf mäßigen Straßen sehr hart abrollt. Heftiger Seitenwind macht ihm wenig aus, und die Assistenten arbeiten subjektiv geschmeidiger als beispielsweise im neuen Corsa, in dem man schon mal unangenehm nachdrücklich in die Spur zurückgeschoben wird. Umgekehrt ist der neue Corsa in ergonomischen Details durchdachter: Die Taste für die Lenkradheizung gehört eben ins Lenkrad (wo im Astra eine Blindtaste ist) statt in die Mittelkonsole, und die Anzeige für die elektronische Parkbremse hätte man ebenfalls gern in deren Taste statt nur in der Armaturentafel. Aber das sind Kleinigkeiten.

Von hinten gibt sich der Astra nachts klar als Opel zu erkennen - gegen Aufpreis mit LED-Rücklichtern.
Von hinten gibt sich der Astra nachts klar als Opel zu erkennen - gegen Aufpreis mit LED-Rücklichtern.Foto: Stefan Jacobs

Wer viel in der Stadt fährt, muss sich entscheiden, ob er sich lieber mit der mäßig übersichtlichen Karosserie arrangiert oder mit den dauerpiependen allseitigen Einparkhilfen. Die Rückfahrkamera ist jedenfalls keine schlechte Idee.

26.800 Euro sind für den Automatik-Astra mindestens fällig. Wer allerlei Komfort an Bord haben möchte und Schmankerl wie das wunderbare Matrix-LED-Licht, den Parkpilot (der Lücken wirklich sehr sauber trifft), ein Navi, den adaptiven Geschwindigkeitsregler für Kolonnenverkehr und die besonders ergonomischen Vordersitze, gerät allerdings in Sichtweite von 35.000 Euro.

  

 

 

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