Renault Zoe im Test : Deutschlands meistverkauftes E-Auto kommt jetzt weiter

Der Renault Zoe verkauft sich immer besser, je älter er wird. Jetzt hat Renault das Elektroauto erneuert - zumindest unterm Blech.

Mit 4,09 Metern ist der Renault Zoe etwa so lang wie der aktuelle Clio.
Mit 4,09 Metern ist der Renault Zoe etwa so lang wie der aktuelle Clio.Foto: : Stefan Jacobs

Im Leben eines Autos ist das siebte Jahr nicht unbedingt das verflixte, sondern aber oft das letzte. Die Verkaufszahlen sind dann so weit gesunken, dass es Zeit wird fürs Nachfolgemodell. Der Renault Zoe ist eine Ausnahme von dieser Regel: 2013 mit EU-weit rund 8900 Stück gestartet, wurden im vergangenen Jahr fast 40.000 Exemplare verkauft, 6300 davon in Deutschland. In diesem Jahr waren es laut Renault schon bis August mehr als 7000, wobei rund das Auto vor allem bei Kommunen beliebt ist. Irgendwer muss schließlich vorausfahren auf dem Weg ins elektromobile Zeitalter. Dem Zoe fällt das auch deshalb leichter als anderen, weil er im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten laut Hersteller binnen zwei Monaten lieferbar ist.

Die Rücklichter mit "dynamischen Blinkern" in Streifenform sind ein Hingucker.
Die Rücklichter mit "dynamischen Blinkern" in Streifenform sind ein Hingucker.Foto: : Stefan Jacobs

Jetzt haben die Franzosen Deutschlands meistgekauftes Elektroauto (2018) überarbeitet –   überwiegend unterm Blech. Von außen registrieren Kenner vielleicht die markantere Nase mit nun serienmäßigen LED-Scheinwerfern und den noch auffälligeren Rhombus, der als Tankdeckel überm Ladenschluss sitzt. Am Heck erfreuen die „dynamischen“, also im Wortsinn richtungsweisenden LED-Blinker das Kind im Erwachsenen, der Rest ist optisch wie gehabt, also unauffälliger Klassenstandard in der Liga von Polo & Co.

Die Batterie belegt zwischen den Achsen den kompletten Platz im doppelten Fahrzeugboden.
Die Batterie belegt zwischen den Achsen den kompletten Platz im doppelten Fahrzeugboden.Foto: Stefan Jacobs

Der Aha-Effekt kommt beim Losfahren, also nachdem das Display mit den virtuellen Instrumenten per Startknopf zum Leben erweckt, die elektronische Parkbremse gelöst und der Wählhebel zwischen den Sitzen von N auf D – oder, ganz neu, auf B gestellt worden ist. Ein sachter Druck aufs Gaspedal setzt nicht nur das Auto in Gang, sondern auch ein Geräusch, das an ein in großer Entfernung vorbeifliegendes Kleinflugzeug erinnert. Nicht laut, aber auch nicht schön. Muss so, sagen sie bei Renault, wegen der EU-Vorschrift, die Fußgänger und Radfahrer in der Stadt vor dem lautlosen Unfalltod bewahren soll.

Der Ladeanschluss steckt unterm Firmenlogo in der Front. Er eignet sich für Gleich- und für Wechselstrom.
Der Ladeanschluss steckt unterm Firmenlogo in der Front. Er eignet sich für Gleich- und für Wechselstrom.Foto: : Stefan Jacobs

Bei Tempo 30 schaltet das Geräusch ab und das Vergnügen beginnt – insbesondere in der neuen 135-PS-Version, die zur 108-PS-Variante dazukommt. Der Reiz besteht nicht nur im lautlosen Gleiten (auch dank verbesserter Geräuschdämmung), sondern vor allem in der Kraft, mit dem der – bzw. auf Französisch: die – Zoe bei Bedarf losschießt. Blitzschnell sind so Radfahrer oder Traktoren auf Landstraßen überholt oder auch mal Drängler abgehängt, gern auch bergauf und bei praktisch jedem Tempo diesseits von 130. Das macht nicht nur einen Heidenspaß, sondern ist bei vernünftiger Anwendung auch ein Sicherheitsgewinn. Da die Umgebung bei solchen Manövern weder Lärm noch Dreck abbekommt, fragt man sich, warum der Abschied vom dieselnden Status Quo nicht schon viel früher begonnen hat.

Das virtuelle Display lässt sich nach eigenen Wünschen konfigurieren. Rechts werden Energiefluss und Momentanverbrauch dargestellt.
Das virtuelle Display lässt sich nach eigenen Wünschen konfigurieren. Rechts werden Energiefluss und Momentanverbrauch...Foto: : Stefan Jacobs

Ist the Battery, stupid!, dürfte, frei nach Bill Clinton, die Antwort lauten. Die stimmt zwar nach wie vor, aber die Zeiten ändern sich auch im realen Fahrbetrieb. In dem schaffte der erste Zoe etwa 150 Kilometer mit einer Ladung. Mit der seit 2016 erhältlichen 41-Kilowattstunden-Batterie sind es 300 Kilometer. Mit dem jetzt eingeführten 52-kWh-Akku werden sogar 400 realistisch, ohne dass man dafür Radio und Klimaanlage ausschalten muss, wie eine ausgiebige Testfahrt erwies.

 

LED-Scheinwerfer sind beim Zoe jetzt in allen Versionen serienmäßig.
LED-Scheinwerfer sind beim Zoe jetzt in allen Versionen serienmäßig.Foto: : Stefan Jacobs

Rechts neben dem Tacho, wo einst der Drehzahlmesser war, zeigt ein Kreisdiagramm, wie viel Saft der Wagen gerade zieht oder auch zurückspeist. Letzteres passiert im Fahrmodus D beim Rollenlassen, das sich dann etwa anfühlt wie die Motorbremse im höchsten Gang eines Verbrenners. Tippt man den Wählhebel auf B, wird der Motor zum kräftig bremsenden Generator, was zusätzliche Reichweite bringt und auch moralisch irgendwie ein Quantensprung ist im Vergleich zu konventionellen Bremsen, die kostbare kinetische Energie in Feinstaub und Abwärme verwandeln.

 Die Batterie wiegt mehr als 300 Kilo

Während der Zoe beim Antrieb seiner Zeit voraus ist, erreicht er bei den Assistenzsystemen noch nicht durchweg den neuesten Stand. Spurhalteassistent, Totwinkelüberwachung, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtautomatik sind ab der mittleren Ausstattung „Experience“ an Bord, Einparkhilfen samt Rückfahrkamera in der Topversion „Intens“, aber ein Notbremsassistent kommt erst später.

Der Kofferraum ist bequem zugänglich, aber beim Umlegen der Rücklehne entsteht eine hohe Stufe.
Der Kofferraum ist bequem zugänglich, aber beim Umlegen der Rücklehne entsteht eine hohe Stufe.Foto: : Stefan Jacobs

Mäßig sind leider auch die Sitze: etwas weich, kurze Sitzflächen, wenig Seitenhalt. Letzteres fällt auch dadurch auf, dass die sehr direkte Lenkung Lust auf Kurven macht. Die straffe Federung hält dabei mit; nur wenn man es übertreibt, beginnt der mit 1577 Kilo (davon 326 kg Batteriegewicht) für seine Größe ungewöhnlich schwere Renault über die Vorderräder zu schieben. Platz ist trotz des Sandwichbodens mit der Batterie vorn reichlich, aber hinten mäßig vorhanden. Der Kofferraum ist mit 338 Litern klassenüblich und gut zugänglich. Schade, dass Renault am Kratzschutz für die lackierte Ladekante gegeizt hat und dass beim Umlegen der Rücklehnen  eine hohe Stufe entsteht.

Elektrisch fährt der Zoe immer, der Motor mit 135 PS ist neu.
Elektrisch fährt der Zoe immer, der Motor mit 135 PS ist neu.Foto: : Stefan Jacobs

Apropos Geiz: Mit 21.900 Euro ist der Einstiegspreis für die 110-PS- Basis unverändert. Dafür sind immerhin Klimaanlage und Keycard-Handsfree-Öffnungssystem an Bord. Die größere Batterie, bei der es sich in Wahrheit um den gleichen Akku mit anderer Software handelt, kostet 2000 Euro mehr. Den stärkeren Motor gibt's in der mittleren Ausstattungslinie für 25.900 und in der höchsten für 27.900 Euro, jeweils abzüglich E-Auto-Förderprämie. Aber auch: zuzüglich Batterie, die entweder für 8090 Euro gekauft werden kann oder – je nach jährlicher Fahrleistung – für 74 bis 119 Euro gemietet werden muss. Laut Renault haben sich bisher fast 90 Prozent der Kunden für diese Option entschieden. Diese klare Mehrheit dürfte auch mit den Garantiebedingungen zu erklären sein: Beim Kauf garantiert Renault nach acht Jahren noch mindestens 66 Prozent Kapazität, bei Miete nach zehn Jahren noch 75 Prozent. Die realen Kapazitätsverluste lägen bisher eher bei einem Prozent pro Jahr, heißt es bei Renault. Die Art der Ladung – mit dem neuen Anschluss sollen fast alle Arten von Stromspendern nutzbar sein – beeinflusse die Lebensdauer kaum.

 Die teureren Versionen haben Recycling-Inventar

Ausrangierte Akkus sollen immer noch gut genug sein für ein zweites Leben als Stromspeicher in Großanlagen, um Lastspitzen abzupuffern. Nach etwa 20 Jahren stehe dann das Recycling an, sagt ein Nachhaltigkeitsfachmann von Renault. Der preist zum Thema Ressourcenschonung noch an ein anderes Detail: Das Gewebe, mit dem Sitze und Armaturentafel in den besseren Versionen bezogen sind, ist aus recyceltem PET. Das stammt von Plastikflaschen sowie Abfällen aus der Herstellung von Gurten und Kunststoffverkleidungen. Optisch und haptisch ähnelt es einem grauen Jeansstoff und macht einen hochwertigen Eindruck. 60 Prozent CO2 soll der Einsatz des Recycling-Materials gegenüber neuem Kunststoff vermeiden. Es ist – so wie der Renault Zoe insgesamt – ein Beleg dafür, dass Vernunft nicht zwangsläufig Verzicht bedeuten muss.

 

 

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