Vorstellung Lancia Flavia Cabrio : Dolce Vita made in USA

Lancia legt kräftig zu,. was die Modellpalette angeht. Die jüngste Neuverpflichtung ist das Flavia Cabrio. Der Italo-Amerikaner ist ein echter Cruiser. Sehr gemütlich, aber durchaus großzügig. Nicht nur Innern, sondern auch was die Ausstattung angeht.

La Dolce Vita - Das schöne Leben hat nun auch Lancia wieder im Angebot. Mit dem Flavia kommt erstmals seit den siebziger Jahren wieder ein Cabrio der Marke auf den Markt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Lancia
06.07.2012 17:28La Dolce Vita - Das schöne Leben hat nun auch Lancia wieder im Angebot. Mit dem Flavia kommt erstmals seit den siebziger Jahren...

Was war der Blick auf die Modellpalette von Lancia bis vor ein paar Jahren noch für eine triste Aussicht? Da war der Ypsilon, das Brot-und-Butter-Auto der traditionsreichen italienischen Marke. Nicht unbedingt schön, aber er verdiente das Gros des Umsatzes und lockte vor allem oft die Kunden überhaupt erst mal ins Autohaus. Dann der einstige Thesis. Ein Auto, das, nun ja, irgendwie vielleicht als Geschmackssache durchging. Oder das Modell Musa, ein hochbeiniger Mini-Van mit Qualitäten, die aber auch nicht unbedingt in der Optik liegen.

Die Wende begann mit der Neuauflage des Delta im Jahr 2008. Endlich wieder ein gefälliges Design, dass auch Kunden ohne einschlägigem Studium zugänglich war. Endlich wieder ein Auto, mit dem sich Fans der Marke - ja, die gibt es durchaus - identifizieren konnten, ohne ständig auf das eigenwillige Exterieur ihres Autos angesprochen zu werden.

Einen regelrechten Entwicklungsschub hat die Marke aber mit der Integration von Chrysler in das Fiat-Imperium bekommen. Chrysler verschwand vom europäischen Markt und die Modelle werden seitdem durch Lancia vertrieben. Durch die US-Importe kann die italienische Marke heute auf eine verhältnismäßig breite Produktpalette blicken, die sogar den ein oder anderen Hingucker zu bieten hat. Der Thema, die Neuauflage des Chrysler 300C zum Beispiel, ist ein würdiges Aushängeschild. Durch den Voyager gibt es plötzlich sogar einen großen Van im Angebot. Und nun folgt mit dem Flavia noch ein Cabrio. Bei den wenigen spezialisierten Autohäusern von Lancia in Deutschland dürfte bald so etwas wie Platzangst aufkommen.

Exklusivität ist Trumpf

Natürlich bleibt offen, ob die überschaubare Zahl der treuen Chrysler-Kunden hierzulande wirklich glücklich damit ist, künftig von US-Kult auf Italo-Charme umzusteigen. Das dürfte einigen nicht schmecken. Aber die Zeit heilt viele Wunden und den Kunden ging es ohnehin meist um die Exklusivität der Modelle. Zumindest in diesem Punkt dürfte sich nichts ändern, denn in einer durchschnittlichen Kleinstadt werden sich wohl auch künftig kaum mehr als eine Handvoll Lancias auf der Straße finden lassen.

Nun wird aus dem Chrysler Sebring im Zuge der Neuauflage in Europa das Lancia Flavia Cabrio. Dabei haben die Amerikaner, denn dort wird immer noch entwickelt und gebaut, vor allem an den äußeren und inneren Werten gearbeitet. Der Auftritt des Italo-Amerikaners ist deutlich geschmeidiger geworden, die Linien gefälliger und die Front glatter. Damit hat das Auto zwar einerseits einen Teil seines eigenwilligen Charakters verloren. Es dürfte aber auf der anderen Seite an Kompatibilität für die Masse gewonnen haben. Womit wir wieder bei der Exklusivität wären, aber das muss jeder Kunde für sich entscheiden.

Auf den hinteren Plätzen bietet das Flavia Cabrio recht viel Platz. Auch Erwachsene können auf den lederbespannten Sitzen bequem Platz nehmen.
Auf den hinteren Plätzen bietet das Flavia Cabrio recht viel Platz. Auch Erwachsene können auf den lederbespannten Sitzen bequem...Foto: Hersteller

Das Wirken der Ingenieure wird auch im Innern erkennbar. Dort findet sich ein ansprechendes Ambiente, das zwar nicht frei von Hartplastik ist, aber in der Summe einen sehr ordentlichen Eindruck macht. Die Verarbeitung ist gegenüber dem Vorgänger deutlich besser geworden. Dazu trägt auch die schmucke Lancia-Uhr ihren kleinen Teil bei, die nun über der Mittelkonsole sitzt und eine gewisse Eleganz auszustrahlen vermag.

Die Linien sind gefälliger und dynamischer als beim Vorgänger, dem Chrysler Sebring. Die beachtliche Länge von 4,94 Metern sieht man dem Auto nicht unbedingt an.
Die Linien sind gefälliger und dynamischer als beim Vorgänger, dem Chrysler Sebring. Die beachtliche Länge von 4,94 Metern sieht...Foto: Hersteller

Für ein Cabrio sind die Platzverhältnisse fast generös. Vorne sitzt es sich bequem. Das können die meisten. Aber nur wenige Cabrios bieten Erwachsenen auch auf der Rückbank einen angemessenen Freiraum. Vielleicht nicht für die Reise von Deutschland nach Sizilien, aber für längere Touren müssen sich auch normal große Menschen keine Stützstrümpfe anziehen. Bei geschlossenem Dach lässt lediglich die Kopffreiheit etwas zu wünschen übrig. Der Preis für die beachtlichen Platzverhältnisse ist ein Wendekreis von 11,5 Metern, der sich aus dem langen Radstand von 2,77 Metern ergibt.

Aber wer will schon in einem Cabrio geschlossen unterwegs sein, wenn es nicht sein muss. Zumal auf den vorderen Sitzen des Flavia kaum Fahrtwind ankommt. Hinten sieht es da schon anders aus. Per Fernbedienung lässt das Stoff-Dach, das in schwarz und beige erhältlich ist, schon vor dem Einsteigen über den Kofferraum einfalten. Auf- und zumachen funktoniert übrigens nur im Stand und dauert etwa 25 Sekunden. Allerdings werden aus den ordentlichen 377 Liter Kofferraumvolumen dann etwas unhandliche 198 Liter. Unhandlich, weil für größere Taschen dann kein Platz mehr ist. Aber auch diese Problematik hat das Flavia Cabrio sicher nicht alleine.

Große Eile mag er nicht

In Sachen Technik ist der neue, offene Lancia eher einfach gestrickt. Es gibt genau eine Motorisierung, nämlich einen quer eingebauten Vierzylinder mit 2,4 Liter Hubraum. Der entwickelt eine Leistung von 170 PS bei 6000 Umdrehungen pro Minute. Das Drehmoment liegt bei 220 Newtonmeter bei 4500 Umdrehungen. Zwei Nockenwellen plus Steuerkette, elektronische Einspritzung zeugen eigentlich von relativ zeitgemäßer Technik.

Wenn das Dach offen ist, wird es eng im Kofferraum. Zwei Sporttaschen passen noch, aber zu groß dürfen sie nicht sein.
Wenn das Dach offen ist, wird es eng im Kofferraum. Zwei Sporttaschen passen noch, aber zu groß dürfen sie nicht sein.Foto: Hersteller

Allerdings zeigte sich der Antrieb bei den ersten Ausfahrten als etwas träge. Mit dem 170 PS ist das Auto sicher nicht übermotorisiert. Das Flavia Cabrio ist ein echter Cruiser, der sein Metier aber auch gut versteht. Das gemütliche Dahingondeln ist seine Paradedisziplin. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung, Teleskopdämpfern und Schraubenfedern schluckt gutmütig alles weg, was die Straße so an Unebenheiten zu bieten hat. Soll es aber mal flott zur Sache gehen, dann stößt der Benziner schnell an seine Grenzen. Das hängt auch mit der etwas lahmen Sechsgang-Automatik zusammen, die bei sportlichen Ambitionen ebenfalls erst mal die Nase rümpft.

Leider drückt sich die neu entdeckte Gemütlichkeit eher weniger in einem gemäßigten Spritkonsum aus. Mit 9,4 Litern kombiniert steht der Lancia bereits in den Büchern. Bei unseren entschleunigten Testfahrten waren es knapp elf Liter. Eine Start-Stopp-Automatik sucht man vergebens und auch die Servolenkung hätte als zeitgemäße elektromechanische Version noch Spritsparpotenzial. Das ist schade, denn wer gerne cruisen möchte hält auch nicht so gerne desöfteren an der Tankstelle. Zumindest dagegen gibt es einen recht großen 64-Liter-Tank.

Die Fülle an Serienausstattung macht den Flavia zu einem interessanten Angebot. Die Konfiguration ist denkbar einfach: Außer Farben gibt es nichts zum Auswählen.
Die Fülle an Serienausstattung macht den Flavia zu einem interessanten Angebot. Die Konfiguration ist denkbar einfach: Außer...Foto: Hersteller

Lancia will seine Kunden eben entspannen. Dieses Anliegen verfolgen die Italiener auch mit ihrer Preispolitik. Das Flavia Cabrio kostet 36.900 Euro und hat mit diesem Preis auch alles Wesentliche drin. Unter anderem ein Navigationssystem mit 40 Gigabyte großer Festplatte, ein hochwertiges Hifi-System von Boston mit sechs Lautsprechern oder auch die 18 Zoll großen Leichtmetallfelgen. Die Basisausstattung beinhaltet durchaus Elemente, die bei anderen Herstellern zusammen schnell mal auf 5000 Euro und mehr kommen.

Die Liste der Sonderausstattungen ist denkbar kurz gehalten. Dort finden sich nur aufpreispflichtige Lackierungen und eventuell die beiden Farben für das Verdeck. Das macht die Bestellung des Flavia zu einer Sache von Minuten, lässt aber auch den ein oder anderen Wunsch offen. Interessant ist das Angebot allemal, denn für den Preis gibt es kaum ein anderes viersitziges Cabrio. Die Produkte von BMW (3er) und Audi (A4) beginnen erst bei knapp 40.000 Euro. Vor allem sind sie dann quasi nackt. Daher ist der US-Boy mit der Dolce-Vita-Attitüde durchaus eine Überlegung wert.

Auto-Gramm:

Motor: 2,4 Liter Hubraum, 4 Zylinder, Otto-Motor mit elektronischer Einspritzung

Leistung: 170 PS (125 kW) bei 6000 U/Min, 220 Newtonmeter bei 4500 U/Min

Antrieb: 6-Gang Automatikgetriebe, Frontantrieb

Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit hydraulischen Teleskopstoßdämpfern und McPherson-Federbeine (vorne)

Abmessungen: 4,94 / 1,84 / 1,48 (Länge/Breite/Höhe)

Kofferraumvolumen: 377 Liter, geschlossen 198 Liter

Gewicht: 1781 kg (ohne Fahrer)

Verbrauch: 7,0 / 13,6 / 9,4 Liter (außerorts/innerorts/kombiniert)

Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h

CO2-Emissionen kombiniert: 221 Gramm pro Kilometer

CO2-Effizienzklasse: E

Abgasnorm: Euro 5

Preis: 36.900 Euro

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