Mundpropaganda - das Genuss-Interview : "Mein Leibgericht? Kohlrouladen wie bei Mama"

Axel Schulz, der beliebteste deutscher Schwergewichtsboxer seit Max Schmeling, arbeitet als Bierbotschafter und Eventgrillmeister.

Sie grillen gerne?
Sehr gerne, gestern sogar beim Schwimmverein, da aber umsonst. Mittlerweile kann man mich ja buchen – zwölf Monate im Jahr, weil ich es liebe, im Winter draußen zu sein mit der Zigarre im Mund, dazu zwei, drei Bierchen, und dann vielleicht noch ein schöner Gin Tonic – in meinem Alter werde ich so schnell satt, da bekomm ich ja gar nicht mehr so viel Bier rein wie früher.

Sie als Miet-Grillmeister, wie sieht das aus? Stehen Sie die ganze Zeit am Grill, drehen Würstchen um und lassen sich mit Gästen fotografieren?
Wenn ich gebucht werde, bringe ich noch den Wolfgang mit, er ist mein Hausmeister. Das Fleisch lassen wir durch Partner anliefern, weil die Kühlkette ja eingehalten werden muss. Zuerst bauen wir einen Grill auf, den wir mitbringen, ich hoffe aber immer, dass noch einer dasteht – mit zweien is‘ besser. Wenn es viele Gäste sind, zum Beispiel beim Betriebsfest mit 30 Leuten, grille ich mit Gas, sonst bekommt man das nicht hin. Wenn die Jungs und Mädels schon da sind, wenn wir kommen, dann ist das okay, aber meistens ist es so, dass ich als Überraschungsgast komme. Das macht richtig Spaß, ich bleib dann auch über Nacht, ich will ja auch ein Bierchen mit Wolle trinken. Ich hasse das, wenn ich auf einer Party bin und danach noch fahren muss. So darf es dann auch mal später werden.

Seit 2017 sind Sie der erste Brandenburger Bierbotschafter – ist das so etwas wie die Weinkönigin für Bier?
Genau, wir saßen mit dem Ministerpräsident Dietmar Woidke zusammen, hatten ein Bier in der Hand und haben rumgesponnen: Alle haben ja eine Weinkönigin oder eine Spargelkönigin, aber in Brandenburg gibt es tolle Kleinstbrauereien, die kaum einer kennt. Wir haben gesagt: Das muss man ändern! So ist es dann passiert, dass ich Bierbotschafter wurde. Ich habe dafür in den Medien viel einstecken müssen. Aber ich bin durch und durch Brandenburger und da setz ich mich gerne für die Kleinstbrauereien ein.

Trinken Sie auch mal Wein?
Relativ selten. Früher habe ich das gerne gemacht, da habe ich aus Südafrika bestellt, Stellenbosch, aber mittlerweile vertrag‘ ich das nicht mehr so gut. Mal ein Glas in der Runde geht, mehr aber nicht. Wir waren kürzlich essen mit Freunden, da habe ich gesagt: Ich zahle! Aber dann haben wir die Rechnung bekommen: 600 Euro, weil wir Wein hatten. Wenn man beim Weintrinken keine Ahnung hat, dann ist das Wahnsinn, das kann schnell aus dem Ruder laufen. Da habe ich gesagt: Eure Rechnung.

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Kohlrouladen, wie sie meine Mama gemacht hat. Ich mache keine mehr, das ist mir zu viel Aufwand, höchstens noch Schnittkohl, den mach ich noch selber. Früher habe ich sogar mal Kohlrouladen verkauft. Das kam so: Ich fahre zu meinem Kumpel in die Firma, er will meine Saucen verkaufen – ich mache ja auch noch Grillsaucen. Da kommt die Sekretärin und sagt: „Ich hab‘ noch Kohlrouladen“ und gibt mir welche mit. Zuhause habe ich dann zwei warm gemacht und, weil ich keine Sauce hatte, eine zerschnitten und meine Grillsauce dazu geschüttet. Das war total klasse! Ich hab‘ die Sauce dann meinem Freund vorgestellt, und er hat sie mit den Kohlrouladen verkauft. Das ging weg wie nix. Aber den Betrieb des Freundes gibt’s heute nicht mehr. War aber nicht meine Schuld.

Ihr Lieblingsrestaurant in Berlin?
Ich gehe gerne ins „Gosch“ am Ku’damm („Let’s go Sylt Berlin“ die Red.). Ich sitze mit der Familie auch gerne im „Reinhards“, nächste Woche gehen wir dort wieder hin, Ente essen.

Wo essen Sie in Brandenburg am liebsten mit der Familie?
Beim „Arosa“ am Scharmützelsee gibt es das Restaurant Bootshaus unten am Wasser, gleich neben dem Golfplatz. Es ist einfach gut da: die Atmosphäre und eben, dass es direkt am Wasser liegt.

Boxkämpfe schauen – zu Hause mit Freunden oder in der Sportsbar mit vielen?
Lieber alleine, ganz alleine. Da hab‘ ich meine Ruhe. Ich will das ja keinem erklären müssen, wenn die wieder anfangen mit: „Warum haut der dem nicht in die Fresse?“ Da müsste ich erklären, dass das nicht so einfach ist, weil der ja zurückhaut. Und dann gibt’s immer Stress, weil die Freunde nicht verstehen, dass das nicht so einfach ist. Da bleib ich lieber allein.

Nach seinem Karriereende kaufte der ehemalige Schwergewichtsmeister Franz Diener den „Diener Tattersaal“. Wäre eine eigene Kneipe oder ein Restaurant nicht auch etwas für Sie?
An einem eigenen Restaurant in Berlin war ich schon mal dran, aber ich will aus Frankfurt/Oder nicht weg. Das müsste dann schon hier sein. Gastronomie ist wahnsinnig schwer, es hört sich leichter an als es nachher ist. Da mach ich lieber meine Grillevents… (Axel Schulz ist kurz abgelenkt, meldet sich aber wieder …) So, ich muss jetzt aufhören, mein Hausmeister hat mir gerade selbstgemachte Leberwurst mitgebracht. Wir sind wie ein richtiges Liebespaar – Wolle ist eben ein richtig Guter.

 

Adressen: Let’s go Sylt Berlin, Kurfürstendamm 212, Charlottenburg| Reinhard’s, Kurfürstendamm 27, Charlottenburg | Bootshaus im Arosa Scharmützelsee, Parkallee 1, 15526 Bad Saarow

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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