Mundpropaganda : Sarah Wiener

Die Köchin und Unternehmerin erzählt, wie ihre Stiftung Kindern auf Biobauernhöfen Lust auf gesundes Essen und Kochen macht. Und sie verrät uns, wo sie selbst in Berlin auf den Genuss kommt.

Fernsehköchin und Unternehmerin Sarah Wiener nennt sich selbst einen "Lustesser und Genießer" und am liebsten isst sie, was in ihrem eigenen Garten in der Uckermark wächst.
Fernsehköchin und Unternehmerin Sarah Wiener nennt sich selbst einen "Lustesser und Genießer" und am liebsten isst sie, was in...Foto: Christian Kaufmann/promo

Die TV-Köchin, Unternehmerin und Autorin hat ein großes Anliegen: Sie möchte, dass alle Menschen sich bewusst und genussvoll ernähren. Mit einer eigenen Stiftung setzt sie sich seit Jahren dafür ein, dass schon Kinder ab dem Kita-Alter und auch Jugendliche erfahren, was vernünftiges, bewusstes Essen und ökologische Landwirtschaft bedeuten. Die Kinder gehen dorthin, wo Esskultur ihren Anfang nimmt: auf den Bauernhof, in Supermärkte und in Küchen. Die Arbeit der Stiftung wurde seit der Gründung 2007 mehrfach ausgezeichnet.

 

Was war für Sie der Grund, Ihre Stiftungsidee umzusetzen?

Es ist wichtig, dass jeder kochen kann, um wählen zu können, wie er sich ernähren möchte. Handwerk, Vielfalt, Schönheit in der Individualität, diese Werte lösen sich immer mehr auf. Und bei Kindern wird das Geschmacksgedächtnis ja sehr früh angelegt…

Und nun können Kinder dank der Stiftung auch einen kostenlosen Ferientag auf dem Bauernhof machen?

Ja, das Ferienprogramm „Entdecke den Biobauernhof“ ist eine Kooperation mit „dm Bio“ und "Naturland". Stadtkinder können auf Höfen in zehn Städten (Berlin, Bremerhaven, Düsseldorf, Gera, Heidelberg, Karlsruhe, Kassel, München, Münster, Nürnberg, Anm. d. Red.) ganz unterschiedliche Dinge tun: Brot backen, Kräuter pflanzen, Hühnereier einsammeln, Kühe melken ... Viele Kinder wissen nicht mehr, woher die Milch stammt, wie Karotten wachsen und Äpfel. Woher sollen sie es wissen, wenn sie mit in Plastik eingeschweißtem Gemüse und Obst aufgewachsen sind? Wir hatten einmal in einer Gruppe eine 16-Jährige, die sich geweigert hat, einen Apfel vom Baum zu essen, weil sie glaubte, das sei unhygienisch. Wenn wir lernen, wie viel Mühe ökologische Landwirtschaft bedeutet, können wir unsere Lebensmittel wieder mehr schätzen und das Kostbare verteidigen. Mein Ziel ist es eigentlich, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommt, wenigstens einen Tag auf einem Biobauernhof zu erleben.

Kochen Sie denn zu Hause für sich?

Ja, ich koche tatsächlich selber, das wird viele verwundern (lacht). Ich bin ein Lustesser und Genießer. Ein Lieblingsgericht habe ich nicht, gerade ernte ich fast jeden Tag, was in meinem Garten in der Uckermark wächst, momentan Radieschen, Gurken, Beeren und viele so genannte Unkräuter. Jeden Morgen gibt es einen Frischkornbrei, und ich mache meinen Joghurt selber. Heute fange ich an, grüne Walnüsse in Sirup einzulegen. Davor habe ich drei Kübel Kirschen zu Marmelade und Kompott verarbeitet …

Wo kaufen Sie Ihre Lebensmittel?

Was ich nicht vom eigenen Hof und aus dem eigenen Garten hole, beziehe ich am liebsten von Bauern in der Region. Ich habe das Glück, von Gut Kerkow mit Fleisch und Wurst versorgt zu werden, die Nachbarn geben mir frische Eier, Milch beziehe ich vom Hofgut Brodowin. In Berlin kaufe ich normalerweise im Bio-Supermarkt ein, ansonsten gern in der Markthalle IX oder auf dem Markt am Karl-August-Platz in Charlottenburg. Und dann gibt es bei mir um die Ecke ein sehr gutes, kleines Geschäft für japanische Lebensmittel, „Smart Deli“. Ich kaufe lieber beim Spezialisten als in einem großen Einheitsbrei.

Und welche Restaurants bevorzugen Sie?

Bei mir spielen Gefühl und Geschmack eine Rolle. Ich mag etwa die georgische Küche bei „Schwiliko“, einfach großartig. Ich gehe gern zu Marco Müller ins „Rutz“ – ein extrem sympathisches Kochteam, und die haben auch hervorragenden Wein dort. Das vegetarische „Cookies Cream“ finde ich toll, aber auch die köstlichen Gemüse in der „Gärtnerei“. Mein spezieller Tipp ist das Bona Kollektiv in Neukölln: polnisches Streetfood und italienischer Kaffee, die eigene Handschrift gefällt mir.

Adressen: Hofgut Brodowin, Brodowiner Dorfstraße 89, 16230 Chorin OT Brodowin, brodowin.de | Gut Kerkow, Greiffenberger Str. 8, 16278 Angermünde, gut-kerkow.de | Markthalle IX, Eisenbahnstr. 42/43, Kreuzberg | Wochenmarkt Karl-August-Platz, Charlottenburg, Sa. 8 bis 14, Mittwoch 8 bis 13 Uhr | Smart Deli - Sushi & More, Novalisstr. 2, Mitte | Schwiliko, Schlesische Str. 29, Kreuzberg, schwiliko-berlin.de | Rutz Restaurant, Chausseestr. 29, Mitte, rutz-restaurant.de | Cookies Cream, Behrenstr. 55, Mitte, cookiescream.com | Gärtnerei, Torstr. 179, Mitte, gaertnerei-berlin.com | Bona Kollektiv, Hermannstr. 178, Neukölln

Berliner Termine für einen Tag auf dem Bauernhof in den Sommerferien: 20. Juli, 2. August, 14. August. Anmeldung über den „Ferienpass“ sfp-berlin.feripro.de

 

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