Er gibt die Ideen, sie die Struktur

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Paare in der Gastronomie : Mit Liebe zubereitet
Birte Fuchs Susanne Kippenberger
Claudia und Jörg Frankenhäuser in ihrem "Kochzimmer" in Beelitz
Claudia und Jörg Frankenhäuser in ihrem "Kochzimmer" in BeelitzFoto: promo

Claudia und Jörg Frankenhäuser, "Kochzimmer"
Ein Restaurant, zwei kleine Kinder und jetzt noch der Michelin-Stern. Was viele irrwitzig finden, ist für das junge Paar genau die richtige Mischung. Sie wollen keinen Status Quo, was zu einseitig wird, verändern sie. Der Stern, sagt Jörg Frankenhäuser, 39, ist „eine Riesen-Genugtuung“. Er strukturiert ihr Leben neu. Fünf Jahre betreiben die Frankenhäusers nun das „Kochzimmer“. In seinem Heimatort Beelitz hatte er einen Laden gefunden, er wollte gute Küche dahin bringen, wo ihm früher das Essen nicht schmeckte. Klar war auch: Er wollte nie eine Frau, die in der Gastronomie arbeitet. „Das hat ja gut geklappt“, sagt Claudia Frankenhäuser und lacht.

Die Steuerfachangestellte stieg zwei Wochen nach der Eröffnung mit ein. Er bediente, kochte, organisierte, sie arbeitete weiter im Steuerbüro, servierte ab mittags im Lokal. Wenn Jörg sie im Stress anpflaumte, nahm sie es oft persönlich, sprach zwei Tage nicht mit ihm. Aber sie wussten, was sie aneinander hatten, und der Laden war wie ein Kitt, der sie verband. Ihre Hingabe, ihr Beruf.

Sie hat die Hosen an

Sie heirateten heimlich, Feiern finden sie unromantisch, trinken lieber Champagner als Aphrodisiakum. Neun Monate nach dem Hochzeitstag kam Tochter Freya zur Welt. Sohn Frieso folgte. Ein Restaurant führen mit Kindern heißt, jeden Tag wieder neu zu basteln. An ihrem Schreibtisch tauschen sie sich aus, treffen Entscheidungen, immer zu zweit. Sie fokussierten die Küche auf eine Geschmacksrichtung. „Mehr Aufwand in der Vorbereitung, aber im eigentlichen Geschäft dann weniger Handgriffe“, ergänzt die 37-Jährige. „Er ist der Ideengeber, ich der Strukturgeber“, sagt sie, die mit ihrem Geschäftssinn unabdingbar ist. „Sie hat die Hosen an“, sagt Jörg, das findet er gut.

Am Wochenende hilft sie im Restaurant. Zwar mögen die Gäste das Familienflair, aber sie braucht ihren eigenen Beruf im Steuerbüro. Die Kinder gehen in die Kita, am Wochenende passen die Großeltern auf, montags ist Familientag. Die Frankenhäusers leben ihren eigenen Rhythmus. So, wie es ihnen gefällt.

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