Zuzugsstopp für Berlin? : Wo es auf der Welt am engsten ist

Für deutsche Verhältnisse ist die Bundeshauptstadt sehr dicht besiedelt. Im Vergleich mit internationalen Metropolen aber eher dünn.

Autos, Busse, Mopeds, Motorräder, Fahrräder, Rikschas und Handkarren teilen sich in Dhaka die Straße.
Autos, Busse, Mopeds, Motorräder, Fahrräder, Rikschas und Handkarren teilen sich in Dhaka die Straße.Foto: Nick Kaiser/dpa

Die Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer: So errechnet man die Bevölkerungsdichte. Das ist die denkbar einfachste und naheliegendste statistische Größe, um zu beschreiben, wie räumlich eng Menschen beieinander leben. Und dennoch ist sie kaum geeignet, das Gefühl zu beschreiben, das den Politiker Christian Gräff motiviert haben dürfte, für Berlin einen Zuzugsstopp zu fordern.

Die amtliche Statistik gibt ihm immerhin recht: Für deutsche Verhältnisse ist Berlin sehr dicht besiedelt. Auf der Rangliste aller Gemeinden liegt Berlin mit 4088 Bewohnern pro Quadratkilometer auf Platz drei – nur hinter der Stadt München (4686) und der Gemeinde Ottobrunn im Landkreis München (4111).

Die Aussagekraft der Kennziffer krankt daran, dass sie von dem Faktor Stadtfläche abhängt. Und die ist in der Regel willkürlich gewählt und wird verzerrt durch geografische Besonderheiten. So ist das Stadtgebiet von New York City mit 789 Quadratkilometern kleiner als das von Berlin – wenn man New Yorks große Wasserflächen abzieht.

In Dhaka leben bis zu 47.000 Einwohner pro Quadratkilometer

So kommt die US-Metropole in den offiziellen Statistiken mit mehr als Zehntausend Einwohnern je Quadratkilometern auch auf eine zweieinhalb Mal höhere Bevölkerungsdichte als Berlin. In Berlin wird die Wasserfläche meist nicht herausgerechnet. London dagegen erscheint dem Besucher wesentlich dichter bebaut als Berlin, ist aber laut amtlicher Statistik mit 5667 Einwohnern pro Quadratkilometer nicht signifikant dichter besiedelt.

Auch die Art der Bebauung, die Qualität der Parks, die des Nahverkehrs und der Verwaltung spielen eine Rolle. Vergleichen wir zwei Riesenmetropolen: Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, gilt – je nach Berechnung – mit 29.000 bis 47.000 Personen pro Quadratkilometer als am dichtesten besiedelte Stadt der Welt. Auf westliche Besucher wirkt sie faszinierend und abschreckend zugleich: Es gibt keine U-Bahn, die meisten Straßen sind nicht eindeutig benannt, unterschiedlichste Fahrzeugtypen quälen sich ständig hupend und qualmend durch die Stadt.

Jeden Tag Verkehrsinfarkt! Wäre Gräff Stadtverordneter in Dhaka, würde ihm kaum jemand wiedersprechen, wenn er seinen Landsleuten zuriefe: „Wir haben die Infrastruktur nicht. Ihr könnt hier nicht herziehen.“

Kein Vergleich mit Japans Hauptstadt Tokio, die mit statistisch knapp 15.500 Einwohnern pro Quadratkilometer ebenfalls als extrem dicht gilt. Der Siedlungsraum inklusive der Hafenstadt Yokohama ist mit fast 38 Millionen Einwohnern sogar die größte Metropolregion der Welt. Aber sie ist extrem gut organisiert – obwohl oder gerade weil Tokio keine eigene Verwaltungseinheit ist. Die 23 Bezirke besitzen deutlich mehr Kompetenzen als Berlins zwölf Bezirke.

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Berlins Regierender Michael Müller sammelte im Mai bei einem Besuch in Berlins Partnerstadt Anregungen. Die Bewohner Tokio sind mehrheitlich auch gerne Gastgeber von Großveranstaltungen: Am 20. September beginnt dort die Rugby-WM. Im Juli 2020 richtet Tokio die Olympischen Spiele aus.

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