Nicht nur ein Mann des roten Teppichs

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100 Tage im Amt : Wie Joachim Gauck zum Präsidenten der Herzen wurde

Dass er die Deutschen „glückssüchtig“ nennt, wenn er vor Offizieren der Bundeswehr das mangelnde Interesse an den in seinen Augen notwendigen Auslandseinsätzen der Soldaten rügt, seinen „Mut-Bürgern“ in Uniform, das wird ihm dabei nachgesehen. Und auch seine Kritik an allzu viel „Planwirtschaft“ bei der Umstellung der nationalen Energieversorgung auf Sonnenkollektoren und Windräder.

Gaucks Vorgänger hielten in der gleichen 100-Tage-Spanne oft eine einzige beachtenswerte Rede, in der sie ihren Anspruch an die Amtszeit deutlich machten. Joachim Gauck ist das zu wenig. Er hastet weiter. Heute Vormittag zum Finale der Diskussionsreihe „Jugend debattiert“, am Montag eine Büste von Horst Köhler enthüllen und später Tony Tan Keng Yam, den Präsidenten von Singapur begrüßen. Am Mittwoch beginnen die nächsten 100 Tage.

Man darf gespannt sein, wem Joachim Gauck gestatten wird, die Oberhand zu behalten, ihm selbst oder dem Präsidenten. Wobei eines schon klar zu sein scheint: Sich in das Korsett zwingen, sich zu Deutschlands Mann des roten Teppichs formen zu lassen, das wird mit ihm nicht zu machen sein.

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