200 Jahre nach Ende der Sklaverei : Der Menschenhandel blüht

Vor 200 Jahren wurde eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit beendet. An diesem Sonntag jährt sich das Verbot des transatlantischen Sklavenhandels - das Thema ist aber bis heute nicht bewältigt.

New York - Im März 1807 entsagte Großbritannien per Gesetz der Sklaverei. Die USA folgten im gleichen Monat mit einer Verordnung, die allerdings erst 1808 in Kraft trat. Dänemark hatte die Sklavenhaltung offiziell schon 1792 abgeschafft, griff aber erst Jahre später tatsächlich durch. Spanien verbot die Sklaverei 1811, Schweden und die Niederlande schlossen sich an. In Frankreich erhielten Sklaven 1848 per Dekret ihre Freiheit zurück.

Ein Grund zum Feiern also? Eher nicht, bedauert UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Das Thema Menschenhandel sei bis heute nicht bewältigt. Noch immer würden etliche Millionen Erdenbürger - wie einst die Sklaven - ihrer Menschenrechte beraubt, klagte Ban bei der Eröffnung der Ausstellung "Triumph über die Sklaverei" am UN-Hauptsitz in New York. Als Beispiele führt er das Schicksal von Kindersoldaten und von Erwachsenen an, die wegen Schulden auch im 21. Jahrhundert noch wie Leibeigene gehalten werden.

Moderne Formen der Sklaverei

"Die Opfer sind meist zu verängstigt, um aufzubegehren", sagt der UN-Chef aus Südkorea. "Trotz aller Errungenschaften in unserem Kampf für die Menschenrechte bleibt noch viel zu tun für uns." Kein Wunder also, dass sich die Weltorganisation zum 200. Geburtstag des Gesetzes gegen den transatlantischen Sklavenhandel an diesem Wochenende bedeckt hält.

Moderne Formen der Sklaverei wie Kinderarbeit ohne Lohn, Schuldknechtschaft und Sexhandel mit Frauen sind zwar 1956 per Konvention unter Strafe gestellt worden, florierten aber nichtsdestotrotz in weiten Teilen der Welt, heißt es in New York. Die Betroffenen, Kinder und Jugendliche, Frauen und Schuldner, sind dem Willen ihres "Besitzers" unterworfen, wie einst die Schwarzen auf den Zuckerrohrplantagen in der Karibik und den Baumwollfeldern im Mississippidelta.

Uno: "Kein Mensch darf als Sklave oder Leibeigener gehalten werden"

Bis ins Altertum reicht die Praxis der Sklaverei zurück. Selbst berühmte griechische Philosophen sahen in dem Handel mit Menschen nichts Verwerfliches. Bei den Römern durfte der Sklavenhalter über Leben und Tod des erworbenen Menschen entscheiden. 1444 wurden in Lagos erstmals Schwarze öffentlich zum Verkauf angeboten. Portugal etablierte 1482 einen Umschlagplatz für Sklaven an der Goldküste, dem heutigen Ghana. 1510 trafen die ersten Schwarzen in den spanischen Kolonien von Südamerika ein. Acht Jahre später legte das erste Sklavenschiff in Nordamerika an.

Während die damals unabhängige Republik Vermont im Nordosten Amerikas bereits 1777 gegen den Besitz von Menschen aus Afrika vorging, ließen sich andere Staaten weit mehr Zeit. Kuba hob den Handel erst 1886 offiziell auf, Brasilien zwei Jahre später. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete die "Universal Declaration of Human Right" 1948 als eine der ersten Amtshandlungen. Darin steht schwarz auf weiß: "Kein Mensch darf als Sklave oder Leibeigener gehalten werden; Sklaverei und der Sklavenhandel sind in jedweder Form verboten." (Von Gisela Ostwald, dpa)

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