Neue Unterkunft für bis zu 120 Flüchtlinge in Hoyerswerda

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23 Jahre nach dem Angriff : Hoyerswerda soll neues Asylbewerberheim bekommen
Markus Kremser

Der Alkoholpegel spielte auch 1991 eine Rolle, als acht Neonazis auf dem Marktplatz von Hoyerswerda vietnamesische Händler angriffen. Die Betroffenen flüchteten daraufhin in ein Wohnheim für Vertragsarbeiter, vor dem sich innerhalb weniger Stunden dutzende junge Neonazis einfanden und begannen, Parolen zu rufen und Steine zu werfen. Erst nach Stunden traf die Polizei ein und riegelte das Gebäude ab. Doch nur einen Tag später griffen die Neonazis das Wohnheim erneut mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Anwohner gesellen sich hinzu und sehen entweder tatenlos zu oder klatschen Beifall. Am 20. September 1991 notierte das Landratsamt Hoyerswerda: „Es besteht einheitliche Auffassung dazu, dass eine endgültige Problemlösung nur durch Ausreise der Ausländer geschaffen werden kann.“ Am Morgen des 21. September wurden die Flüchtlinge schließlich unter Polizeibegleitung mit Bussen auf Unterkünfte im Umland verteilt. Bei den Ausschreitungen wurden 32 Menschen verletzt. 82 Personen wurden vorläufig festgenommen, vier Personen später verurteilt.

Initiative in Hoyerswerda möchte Flüchtlinge unterstützen

23 Jahre später lässt der Landkreis Bautzen in Hoyerswerda für 900 000 Euro wieder ein Asylbewerberheim herrichten. Die Albert-Schweitzer-Förderschule, die gleich neben der katholischen Kirche liegt, soll umgebaut werden und bis zu 120 Flüchtlingen eine Unterkunft bieten. Der katholische Pfarrer will seine neuen Nachbarn nicht „Asylbewerber“ nennen. „Sprechen wir vielmehr von Gästen in Not“, sagt Peter Paul Gregor. Und er ist nicht der Einzige, der sich engagiert.

Eine Initiative mit dem Namen „Hoyerswerda hilft mit Herz“ hat sich gebildet. Lehrer wollen kostenlosen Deutschunterricht erteilen, die Sportvereine wollen Kinder und Jugendliche integrieren, ein Begegnungscafé soll eröffnet werden. Hoyerswerda will dieses Mal besser vorbereitet sein. Dass in derselben Stadt gerade ein Prozess gegen Rechtsextreme läuft und die Polizei Opfern rät, Hoyerswerda zu verlassen, mag nicht wirklich zu diesem Bild passen.

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