Abschied in Washington : McCains letztes Geschenk

Die Trauerfeier für US-Senator John McCain war ein Moment der nationalen Selbstvergewisserung - dass Amerika besser sein kann. Ein Kommentar.

Die USA nehmen Abschied von Senator John McCain.
Die USA nehmen Abschied von Senator John McCain.Foto: Chris Wattie/REUTERS

Vielleicht hat Amerika genau das gebraucht. In einer Zeit, in der das Land politisch und kulturell gespalten ist wie selten zuvor, war diese Trauerfeier am Samstag so etwas wie ein Moment nationaler Heilung. Obamas, Bushs, Clintons, Demokraten wie Republikaner: Einträchtig saßen sie nebeneinander, um einen Politiker zu ehren, der Überparteilichkeit lebte, der noch mit seiner Trauerfeier die Lager wieder zusammenbringen wollte. Senator John McCain hat ihnen allen den Auftrag hinterlassen, sich zum Wohle des gesamten Landes einzusetzen, nicht für Einzelinteressen, ein Vorbild für die Welt zu sein, statt sich hinter Mauern vor der eigenen Verantwortung zu verstecken. Die Trauergäste in der Washingtoner National Cathedral haben dieses Erbe angenommen.

In den Reden wurde der Name des abwesenden US-Präsidenten nicht genannt, aber Donald Trump war anwesend: als abschreckendes Beispiel. Vor allem McCains Tochter Meghan griff den Mann an, mit dem sich ihr Vater noch über den Tod hinaus zu duellieren scheint. Wobei McCain in dieser Schlacht größer und größer und Trump immer kleiner wird. Dessen kurzzeitige Weigerung, die Flagge über dem Weißen Haus auf Halbmast zu setzen, spricht Bände.

Die Trauerfeier stärkt diejenigen, die ein besseres Amerika wollen

Was für ein Unterschied zu dem Kriegshelden und Patrioten, der sich für seinen Abschied Ansprachen jener beiden Männer wünschte, die an seiner statt Präsident wurden. Und die enttäuschten nicht. George W. Bush zeigte sich überzeugt: "Wenn wir jemals versucht sind zu vergessen, wer wir sind … Johns Stimme wird immer als ein Flüstern zu hören sein und sagen: Wir sind besser als dies. Amerika ist besser als dies." Barack Obama pries den Republikaner McCain als einen "außergewöhnlichen Mann", der das Beste an Amerika verkörpere und auch ihn zu einem besseren Präsidenten gemacht habe.

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Nun repräsentiert die Hauptstadt Washington die USA politisch nur in Teilen. Ob Trumps Anhänger, von denen viele den unabhängigen Senator aus Arizona ablehnten, sich von der Trauerfeier berühren ließen, darf bezweifelt werden. Und dennoch: Die Spitzen des Landes haben sich in McCains Namen noch einmal versammelt, und sie haben sich dabei selbst vergewissert, für was ihr Land eigentlich steht. Das stärkt diejenigen, die ein besseres Amerika wollen. Das ist McCains letztes Geschenk.

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