Alles nur ein Medienspektakel?

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Ägypten : Das alte Regime ist noch lange nicht am Ende

„Alles nur ein Medienspektakel, um die Aufmerksamkeit von den neuen Verfassungsartikeln des Militärs abzulenken“, glaubt eine Demonstrantin. „Wir werden den Tahrir erst wieder verlassen, wenn der Oberste Militärrat abgedankt hat.“ Die Aktivisten der Demokratiebewegung fürchten, von den Generälen um den Lohn ihrer Revolution betrogen zu werden. Die Muslimbruderschaft dagegen sieht sich vor einer totalen Konfrontation mit den Militärherrschern und Netzwerken des alten Regimes. Denn diese sehen ihre Chance gekommen, den revolutionären Spuk zu beenden und scharen sich um den Gegenkandidaten, Ex-Premier Ahmed Schafik. Dessen Sprecher beharrte darauf, „General Schafik“ habe die Wahl mit 51,5 Prozent gewonnen. Von den Muslimbrüdern vorgelegte Resultate seien „definitiv falsch“.

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Prozess gegen Mubarak
Mit dem Urteil wird Mubarak für den Tod von mehr als 800 Demonstranten mit verantwortlich gemacht. Seine Augen verbirgt der Ex-Machthaber im Prozess hinter den dunklen Gläsern einer Sonnenbrille.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: dapd
02.06.2012 16:06Mit dem Urteil wird Mubarak für den Tod von mehr als 800 Demonstranten mit verantwortlich gemacht. Seine Augen verbirgt der...

Die Muslimbrüder verteilten auf einer Pressekonferenz ein ganzes Kompendium, in dem die Kopien der offiziellen Schlussbilanzen aus allen 27 Governorraten nebst Stempel und Unterschrift der zuständigen Richter zusammengeheftet waren. Am Mittwoch hörte die Hohe Wahlkommission beide Kontrahenten an. Am Donnerstag will sie offiziell den Sieger bekannt geben.

Erklärt sie Schafik zum Präsidenten, haben die Kräfte des alten Regimes wieder die Oberhand. Ägypten wird in neue, schwere Turbulenzen stürzen, Gewalttaten radikaler Islamisten wie in den 90ern nicht ausgeschlossen. Wird Mursi Staatschef, steht Ägypten vor einer schier endlosen Zerreißprobe. Ex-US- Präsident Jimmy Carter zeigte sich denn auch tief beunruhigt über „die undemokratische Wende, die Ägypten genommen hat“. Anders als bei der ersten Runde, seien internationale Beobachter bei der Stichwahl „Einschüchterungen durch Militärangehörige ausgesetzt gewesen“. Die Restriktionen widersprächen „den Grundprinzipien einer glaubwürdigen und effektiven Wahlbeobachtung“, so der 87-jährige Architekt des Camp-David-Friedensabkommens. Unter solchen Umständen werde man keine weitere Wahl beobachten.

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