Die Kämpfe um die Verfassung gehen weiter.

Seite 2 von 2
Ägypten : Neue Proteste auf dem Tahrir-Platz

Doch es sieht nicht so aus, als wenn der Kampf um die neue Verfassung so bald vorüber wäre. Die islamistische Mehrheit will eine vom Islam geprägte Charta, die den Religiösen das letzte Wort bei Recht und Moral zubilligt. Die säkularen Kräfte dagegen möchten das zusammen mit der koptischen Minderheit und den alten Mubarak-Eliten um jeden Preis verhindern. „Der Text ist bestenfalls ein Stück politischer Folklore und wird im Mülleimer der Geschichte landen“, spottete Friedensnobelpreis Mohamed ElBaradei. Die Verfassungsversammlung habe längst jede Legitimität verloren.

Für Samstag hat die Muslimbruderschaft nun ihre Anhänger nach Kairo zu einer Demonstration der Stärke zusammengetrommelt. Am Sonntag tritt das Verfassungsgericht zusammen und wird wahrscheinlich die Verfassungsgebende Versammlung für ungültig erklären.

„Mursi bringt Ägypten auseinander und treibt das Volk in Streit und Konfrontation“, meint Hisham Mahmud, der mit seiner 15-jährigen Tochter Nour auf den Tahrir gekommen ist, um ihr „ein Beispiel lebendiger Demokratie zu zeigen“, wie er sagt. Die neue Verfassung lehnt der Reiseunternehmer ab, weil sie in seinen Augen Andersdenkende ignoriert und zur Seite schiebt.

Doch das sehen nicht alle so. Mahmoud Elkholy hat die ganze Nacht vor dem Computer gesessen und das neue Grundgesetz bereits Punkt für Punkt studiert, insgesamt 27 eng bedruckte Seiten, wie er sagt. „Ich habe nichts Problematisches gefunden“, meint der 30-jährige Buchhalter, der bei der staatlichen Ölgesellschaft arbeitet. Mursi werde in dem Konflikt nicht nachgeben. Viele auf dem Tahrir, die jetzt protestierten, aber hätten den Text noch nicht einmal gelesen. „Ich hoffe, dass das Volk die Verfassung jetzt schnell verabschiedet“, sagt er. „Und dass sich die Gemüter langsam wieder beruhigen.“

 

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!