Afghanistan hofft auf Frieden : Ratsversammlung ruft Taliban zu Waffenstillstand auf

Die Waffen sollen schon bald schweigen – dies fordert die Loja Dschirga, die Große Ratsversammlung. Kommt Afghanistan dem Frieden näher?

Teilnehmer der Großen Ratsversammlung in Kabul.
Teilnehmer der Großen Ratsversammlung in Kabul.Foto: Omar Sobhani/Reuters

Nach fünf Tagen ist in Afghanistan die Große Ratsversammlung mit der Forderung nach einem umfassenden Waffenstillstand zu Ende gegangen. Die Regierung und die radikalislamischen Taliban sollten "einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand ausrufen und umsetzen", hieß es am Freitag in der Abschlusserklärung der Loja Dschirga. Die Waffen sollten ab Beginn des Fastenmonats Ramadan in den kommenden Tagen schweigen.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani zeigte sich offen für eine Feuerpause, die jedoch nicht "einseitig" erklärt werden könne. Erst wenn die Taliban "vollständig zu einer Feuerpause bereit" seien, könne über deren "technische Details" gesprochen werden. Zudem sagte er die Freilassung von 175 Taliban-Kämpfern als Geste des "guten Willens" zu.

An der ersten Stammesversammlung seit sechs Jahren nahmen mehr als 3000 Delegierte teil. Allerdings boykottierten einige prominente Politiker wie Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah die Loja Dschirga. Sie sehen die Versammlung als Versuch Ghanis, sich für die Präsidentschaftswahl im September in Stellung zu bringen.

Die Loja Dschirga war einberufen worden, um einen nationalen Konsens über den Weg zu Frieden und eine Verhandlungsgrundlage für etwaige Gespräche mit den radikalislamischen Taliban zu schaffen. Bei den Taliban-Gegnern in der Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft herrschte darüber Uneinigkeit.

Weitere Forderungen der Delegierten waren die Beschleunigung des Friedensprozesses, der Erhalt starker Sicherheitskräfte, die Vorbereitung für die Öffnung eines politischen Büros der Taliban in Afghanistan oder die Einsetzung eines inklusiven und für alle Afghanen repräsentativen Verhandlungsteams für mögliche Friedensgespräche.

Auch die Taliban waren zu der Loja Dschirga eingeladen worden, hatten aber abgelehnt. Sie weigerten sich bereits im Vorfeld, die Entscheidungen der Versammlung anzuerkennen. Die Taliban führen derzeit Friedensgespräche für Afghanistan mit den USA.

Eine Loja Dschirga wird in Afghanistan immer dann einberufen, wenn besonders weitreichende politische Entscheidungen anstehen. (AFP, dpa)

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