Afghanistan : Welthungerhilfe setzt Arbeit fort

Die Deutsche Welthungerhilfe will die Arbeit in Afghanistan auch nach dem Mord an ihrem Mitarbeiter fortsetzen. Zugleich kündigte die Hilfsorganisation eine Überprüfung der Sicherheitsbedingungen an.

Berlin/Kabul - "Die Arbeit wird nicht unterbrochen", sagte Welthungerhilfe-Generalsekretär Hans-Joachim Preuß. Er zeigte sich entsetzt über den Mord an dem 65-jährigen Dieter Rübling aus Weikersheim in Baden-Württemberg, der als beratender Bauingenieur für die Organisation in Afghanistan war. Die afghanische Polizei nahm am Freitag acht Tatverdächtige fest. Der Bundestag gedachte des ermordeten Deutschen in einer Debatte über den Tornado-Einsatz in Afghanistan.

Rübling hielt sich seit Ende Februar für einen dreimonatigen Einsatz in dem Land auf. Er war am Donnerstag bei einer Überlandfahrt in der nordafghanischen Provinz Sar-e-Pul von Unbekannten erschossen worden. Der Deutsche wollte mit afghanischen Kollegen, die bei dem Überfall freigelassen wurden, Baustellen besichtigen. "Die Region galt bisher als absolut sicher", sagte Preuß. Kommende Woche will die Welthungerhilfe (DWHH) in Kabul mit anderen Hilfsorganisationen, der deutschen Botschaft und der Internationalen Schutztruppe (Isaf) über die Sicherheitslage beraten. Dazu wurden alle internationalen Mitarbeiter nach Kabul beordert.

Ermittlungen wegen Mordes

Nach Informationen von "Spiegel online" nahm im baden-württembergischen Ellwangen die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Mordes auf. "Wir versuchen über das Bundeskriminalamt Spuren am Tatort zu sichern und die afghanischen Ermittlungen zu verfolgen", sagte Staatsanwalt Oliver Knopp. Vermutlich würden Bundeswehr-Feldjäger aushelfen. Möglich sei aber auch der Einsatz von in Kabul stationierten BKA-Beamten, die schon bei anderen Mordfällen an Deutschen in Afghanistan ermittelt haben. Zusätzlich beobachtetet den Angaben zufolge auch der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall. Dort sei aber noch kein Verfahren eröffnet worden.

Die Deutsche Welthungerhilfe ist seit 1992 in Afghanistan aktiv und derzeit mit 25 vorwiegend deutschen Helfern und rund 600 lokalen Mitarbeitern in Afghanistan tätig. Die Organisation will sich aus der Provinzhauptstadt Sar-e-Pul zunächst zurückziehen. "Dieser Abzug erfolgt aber primär unter dem Aspekt der Personalfürsorge", sagte der DWHH-Regionalkoordinator für Afghanistan, Theo Riedke. DWHH-Referentin Renate Becker äußerte vorsichtige Zweifel an der Annahme, die Tat sei ein Raubüberfall gewesen. Sie gehe von ideologischen Motiven aus. Der Leichnam Rüblings solle möglichst in der kommenden Woche nach Deutschland übergeführt werden.

Gouverneur spricht von "Terrorakt"

Auch der Gouverneur der Provinz Sar-e-Pul, Sayed Mohammad Iqbal Munib, der zunächst wie das afghanische Innenministerium von "bewaffneten Dieben" gesprochen hatte, sagte, es scheine sich bei der Tat um einen "Terrorakt" zu handeln. "Wenn sie sie nur hätten ausrauben wollen, warum hätten sie dann nur den Ausländer töten und dessen lokale Kollegen laufen lassen sollen?"

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sagte, Rübling sein "in dieser schweren Zeit nach Afghanistan gegangen, um dort beim Wiederaufbau selbstlos den Menschen zu helfen". Seine Mörder müssten gestellt und bestraft werden. Das Entwicklungsministerium wies seine Mitarbeiter in Afghanistan an, zunächst auf Überlandfahrten zu verzichten.

Grünen-Chefin Claudia Roth warnte in der "Saarbrücker Zeitung" vor einer Verringerung des Wiederaufbauengagements: "Es wäre falsch, aus dem Tod des Aufbauhelfers einen Abzug der Hilfsorganisationen abzuleiten." Der Geschäftsführer der Hilfsorganisation Medico International, Thomas Gebauer, kritisierte in der "Frankfurter Rundschau", es sei in den vergangenen Jahren nicht gelungen, "eine faktische Staatlichkeit und Rechtssicherheit aufzubauen". Es gebe eine Vielzahl krimineller Banden, rivalisierender Gruppen und Warlords, 120.000 Privatmilizionäre im Land seien nicht entwaffnet worden. (tso/dpa)

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