AKK statt Merkel : Konservative in der Union fordern Kanzlerinnenwechsel

Die Werteunion wirbt nun offen für eine vorzeitige Ablöse Merkels durch Annegret Kramp-Karrenbauer. Laut einer Umfrage ist die Mehrheit der Deutschen dagegen.

Die "Non"-Sagerinnen: Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die "Non"-Sagerinnen: Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel.Foto: dpa

Der Vorsitzende der konservativen Werteunion, Alexander Mitsch, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgerufen, ihr Amt als Kanzlerin bald an die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer abzutreten. "Es wäre für die Union das Beste, wenn Frau Merkel ihr Amt geordnet und möglichst bald an AKK übergibt", sagte Mitsch der "Passauer Neuen Presse". Die CDU-Chefin könne dann mit einem erneuerten Kabinett den notwendigen Politikwechsel für Deutschland einleiten, besonders in der Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik.

Zuvor hatten CDU-Politiker Spekulationen beim Koalitionspartner SPD über einen vorzeitigen Kanzlerinnenwechsel von Merkel zu Kramp-Karrenbauer verärgert zurückgewiesen. So bezeichnete der saarländische Regierungschef Tobias Hans das Verhalten führender Sozialdemokraten als "unverständlich, unverantwortlich und koalitionsschädigend".

Deutsche wollen weiterhin Merkel

Mitsch sagte jetzt der "Passauer Neuen Presse", er rechne mit einem baldigen Bruch der großen Koalition. "Ich gehe davon aus, dass die SPD spätestens nach den Landtagswahlen im Osten panikartig die Koalition verlassen wird. Die CDU muss sich darauf vorbereiten und sollte proaktiv den Wechsel im Kanzleramt betreiben."

Alexander Mitsch (CDU), Vorsitzender der konservativen Werteunion.
Alexander Mitsch (CDU), Vorsitzender der konservativen Werteunion.Foto: Uli Deck/dpa

Die Deutschen wären von einem vorzeitigen Rücktritt Merkels, den Ergebnissen einer Umfrage nach, nicht begeistert. Laut dem am Montag veröffentlichten RTL/n-tv-Trendbarometer lehnen zwei Drittel der Wahlberechtigten (67 Prozent) einen vorzeitigen Rücktritt der Bundeskanzlerin ab und wünschen sich, dass die 64-Jährige bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2021 regiert. Nur 29 Prozent der Befragten wollen, dass Merkel vorzeitig geht. Damit ist der Wunsch, sie als Kanzlerin zu behalten, seit Februar 2018 um zwölf Prozentpunkte gestiegen.

Wenn Merkel vor Ablauf der Amtszeit zurückträte, wären laut der Umfrage 56 Prozent für Neuwahlen. 17 Prozent wären für eine Koalition aus Union, FDP und Grünen, 12 Prozent würden eine Fortsetzung der großen Koalition bevorzugen und 8 Prozent plädieren für eine Minderheitsregierung aus CDU, CSU und Grünen.

Sollte Merkel das Kanzleramt früher aufgeben, wären 39 Prozent der Wahlberechtigten für Kramp-Karrenbauer, 28 Prozent für Friedrich Merz und 33 Prozent für keinen von beiden als Nachfolger aus den CDU-Reihen.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte der Mediengruppe RTL: „Anders als 1998, als viele sich wünschten, Kohl wäre nicht mehr Kanzler, ist 2019 von einer ähnlichen „Merkel-Dämmerung“ nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Angesichts der krisenhaften Entwicklungen in der Welt sieht heute die Mehrheit der Bundesbürger keine Alternative zu Merkel.“ (AFP, dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

71 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben