"Damals war ich noch nicht so perfekt wie heute"

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Angela Merkel : Die Kanzlerin, das rätselhafte Wesen

3.  Sie macht keine Experimente

Auch beim Thema Social Media hat Steinbrück eher auf die falschen Leute gehört. Noch im Oktober 2012 kündigte er an, nicht twittern zu wollen. Doch seit Dezember ist er trotzdem bei dem Mikroblogging-Dienst angemeldet. Und nachdem sich der Peerblog, mit dem er angeblich nichts zu tun hatte, als Flop herausstellte, plant die SPD nun anscheinend ein offizielles Blog für Steinbrück.

Merkels Strategie im Internet zeichnet sich dagegen durch Beständigkeit aus – sie setzt auf Facebook und ihren Twitter-Account, letzterer wird von Steffen Seibert bedient. Da gibt es keine Experimente.

4. Sie tut alles, um Schlagzeilen zu vermeiden

Merkels Berater sind an manchen Stellen vielleicht sogar ein bisschen zu gut. Kürzlich machte nämlich das Süddeutsche Magazin den Versuch, den Wählern die Kanzlerin menschlich etwas näher zu bringen. Prominente Deutsche durften ihr Fragen stellen, mal heikler, mal frecher Natur. Herausgekommen ist dabei: nichts. Merkels Antworten waren so weichgespült, dass man dabei nur erfuhr, was man bereits wusste – nämlich dass sie über sich nicht mehr preisgeben wird, als irgend nötig. Das ist zwar nicht sympathisch, hilft aber Schlagzeilen zu vermeiden.

So harmonisch wird's so schnell nicht wieder
Hach, was war es schön. Die Zeiten größter Harmonie zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel dürften vorerst vorbei sein.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
29.09.2012 09:14Hach, was war es schön. Die Zeiten größter Harmonie zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel dürften vorerst vorbei sein.

5. Sie wird immer vorsichtiger

Ganz so verschlossen war Angela Merkel nicht immer:  Noch im Jahr 2009 führte sie mit dem Spiegel-Journalisten Alexander Osang ein langes Gespräch. Darin erzählte sie beispielsweise von den Jahren in der DDR und wie die materiellen Entbehrungen sie belasteten. „Man hat immer nur gedacht, wo kriegste jetzt die nächste vietnamesische Bastmatte her?“, berichtete sie. Heute liest man derart spontane Äußerungen von ihr nicht mehr. Vielleicht ist Merkel vorsichtiger geworden. Vielleicht hat sie zu oft miterlebt, wie einzelne Ausrutscher das Aus einer Karriere bedeuten können - sie wird alles tun, damit ihr das nicht passiert.

Dass sie im Laufe der Zeit geschickter darin geworden ist, kritischen Fragen auszuweichen, ist ihr selbst nur zu gut bewusst. Sie hat Jahre gehabt, um an sich selbst zu arbeiten. Pannen gehören der Vergangenheit an. Über ihre Zeit als Umweltministerin sagte sie schließlich im Gorleben-Untersuchungsausschuss: „Damals war ich noch nicht so perfekt wie heute.“

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