Angriffe auf Tanker im Golf von Oman : Jetzt beginnt die Propagandaschlacht

Vorwürfe und Verdächtigungen: Was über den Angriff auf die Öltanker im Golf von Oman bekannt ist und was nicht. Eine Übersicht.

Das Feuer löschen. Ein Feuerwehrschiff bekämpft den Brand auf dem Tanker „Front Altair“, der durch einen Angriff Schaden genommen hat.
Das Feuer löschen. Ein Feuerwehrschiff bekämpft den Brand auf dem Tanker „Front Altair“, der durch einen Angriff Schaden genommen...Foto: AFP

Es sind Fragen mit Sprengkraft: Haben Soldaten oder Verbündete Teherans die Anschläge auf zwei Öltanker im Golf von Oman verübt, um die Rücknahme der Sanktionen zu erzwingen, wie die US-Regierung behauptet? Oder wurden die Tanker angegriffen, um den Iran zu diskreditieren und einen Krieg zu provozieren, wie der Iran erklärt?

Gesicherte Erkenntnisse über die Hintermänner gab es am Freitag nicht. Dennoch zeichnet sich immer mehr ab, dass die Spannungen am Golf noch weiter eskalieren könnten. Die Propagandaschlacht zwischen den USA und der Islamischen Republik beginnt.

DIE ANGRIFFE

Fest steht, dass sich die Angriffe am Donnerstagmorgen Ortszeit im Golf von Oman am Eingang zum Persischen Golf und rund 40 Kilometer südlich der iranischen Küste ereigneten. Erst setzte der mit Schwerbenzin beladene Tanker „Front Altair“ einen Notruf ab, dann die „Kokuka Courageous“.

Beide Schiffe waren durch Explosionen am Rumpf beschädigt worden, die „Front Altair“ stand in Flammen. Die Mannschaften beider Tanker blieben unverletzt. Die Schiffe sollen in nahegelegene Häfen gebracht werden. Damit endet aber auch schon der von allen Seiten akzeptierte Teil der Vorfälle.

Während der Iran, dessen Rettungsmannschaften nach Teherans Angaben als erste bei den beiden Schiffen ankamen, von nicht näher erklärten „Unfällen“ spricht, wirft die US-Regierung den Iranern einen gezielten Angriff vor.

Grafik: Rita Böttcher

Die Art und Weise, wie die Tanker beschädigt wurden, ist ebenfalls strittig. US-Quellen legen einen Anschlag mit Haftminen nahe, die mit Magneten an der Außenhülle der Schiffe angebracht worden sein sollen.

Minen dieser Art waren vor fast genau einem Monat bei ähnlichen Angriffen auf vier Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate verwendet worden.

Auch damals hatten die USA den Iran beschuldigt. Allerdings erklärte der japanische Betreiber der „Kukoka Courageous“, Mitglieder der Besatzung hätten vor der Explosion „fliegende Objekte“ in der Nähe der Schiffe gesehen. Es blieb unklar, ob es sich dabei um Drohnen gehandelt haben könnte.

DIE VERDÄCHTIGEN

Für die US-Regierung gibt es keinen Zweifel, dass der Iran die Tanker angegriffen hat. Die USA veröffentlichten ein Video, das angeblich zeigt, wie Revolutionsgardisten mit einem Schnellboot an eines der Schiffe fahren und eine nicht explodierte Haftmine entfernen – um Spuren zu beseitigen.

Die Führung in Teheran weist alle Anschuldigungen zurück. Die iranische Botschaft bei den Vereinten Nationen sprach von „Kriegstreiberei“, „hinterhältigen Ränkespielen“ und „Operationen unter falscher Flagge“, mit denen die Islamische Republik als Aggressor dargestellt werden sollte. Auch der Iran legte keine Beweise für ihre Sicht der Dinge dar.

In den USA fühlen sich manche Kritiker Trumps an die Lage vor dem Irakkrieg von 2003 erinnert, als die damalige amerikanische Regierung falsche Vorwürfe verbreitete, um die Öffentlichkeit auf einen militärischen Konflikt vorzubereiten. Andere Beobachter denken an den sogenannten Tonkin-Zwischenfall 1964.

Damals meldete die US-Kriegsmarine fälschlicherweise einen Angriff durch nordvietnamesische Schiffe; Washington nutzte das, um sich vom Kongress grünes Licht für den Vietnam-Krieg zu holen. Doch auch der Iran ist berüchtigt für verdeckte Gewalttaten.

Im Oktober 1983 starben 241 US-Soldaten bei einem Anschlag im Libanon, für den nach Überzeugung amerikanischer Gerichte die islamistische Hisbollah und der Iran verantwortlich waren. Beim Berliner Mykonos-Attentat ließ Teheran 1992 vier Exilpolitiker töten.

DIE AKTEURE

Neben den USA befürworten deren regionale Verbündete gleichfalls einen harten Kurs gegenüber dem Iran. Insbesondere Saudi-Arabien und Israel sind erklärte Gegner des Mullahregimes. Beide fürchten Teherans Expansionskurs.

Zweifelsohne konnte der Iran seinen Einfluss in den vergangenen Jahren erheblich ausweiten.

Syrien, Irak, Jemen, Libanon – in einigen Ländern der Region hat der schiitische Gottesstaat längst ein erhebliches Wort mitzureden. Das alarmiert die Regierungen in Riad und Jerusalem. Kronprinz Mohammed bin Salman und Israels Premier Benjamin Netanjahu setzen deshalb alles daran, dem Iran Grenzen zu setzen.

US-Präsident ist sicher, dass der Iran für die Angriffe auf Öltanker verantwortlich ist.
US-Präsident ist sicher, dass der Iran für die Angriffe auf Öltanker verantwortlich ist.Foto: Leah Millis/Reuters

DIE GEFAHREN

Die gegenseitigen Vorwürfe ohne Beweise bergen die Gefahr, dass es bis zur nächsten Eskalation nur eine Frage der Zeit sein könnte. Zudem wollen die Regierungen in Teheran und in Washington unbedingt vor der jeweils eigenen Öffentlichkeit den Eindruck von Schwäche und Unterlegenheit vermeiden.

Zum einen hat Donald Trump mehrmals betont, er wolle keinen Krieg mit dem Iran. Doch der US-Präsident könnte sich zum Handeln gedrängt sehen, wenn sich in den Vereinigten Staaten die Sichtweise durchsetzt, die Iraner tanzten der Supermacht auf der Nase herum.

Zum anderen sind die Hardliner in Irans Machtzirkel fest entschlossen, dem Erzfeind Amerika Paroli zu bieten. Vor allem die Revolutionsgarden sind dafür bekannt, dass sie gegenüber dem Erzfeind Stärke zeigen wollen. Und: Sie verfügen über die militärischen Kapazitäten, weitreichende Angriffe zu führen.

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