Annäherung zwischen Nord- und Südkorea : Kims Winterspiele

Nordkorea gibt bei der Annäherung an Südkorea den Ton an. Diktator Kim Jong Un bestimmt, wann und wie gesprochen wird.

Daniel Kestenholz
Eine nordkoreanische Vorausdelegation, angeführt von der Frauenband-Leaderin Hyon Song Wol (Mitte) inspizierte zuletzt Auftrittsorte in Südkorea.
Eine nordkoreanische Vorausdelegation, angeführt von der Frauenband-Leaderin Hyon Song Wol (Mitte) inspizierte zuletzt...Foto: AFP

US-Präsident Donald Trump und Südkoreas Präsident Moon Jae In geben sich beide gerne als die wahren Gewinner, die auf der koreanischen Halbinsel das Tauwetter herbeigeführt haben. Der innerkoreanische Dialog ist neu angeworfen worden, Nordkorea nimmt ab dem 9. Februar an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang teil. Wer aber tatsächlich den Fortgang der Ereignisse steuert, ist Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Er bestimmt, wann und worüber gesprochen wird und unter welchen Bedingungen.

Schon werden Erinnerungen an den historischen innerkoreanischen Gipfel im Jahr 2000 wach, als Südkoreas Präsident Kim Dae Jung im Rahmen seiner Sonnenscheinpolitik um jeden Preis ein Treffen mit Nordkoreas damaligem Führer Kim Jong Il wünschte. Drei Jahre später wurde bekannt, dass Südkorea dem Norden 500 Millionen Dollar überweisen musste, damit sich Kim Jong Il überhaupt einverstanden erklärte, den Friedensnobelpreisträger in Pjöngjang zu empfangen.

Derzeit vollzieht sich Ähnliches. Nicht dass von Bestechungszahlungen die Rede wäre, doch wieder gibt Nordkorea den Ton an. Kim Jong Un verschob zuletzt den Besuch einer Vorausdelegation in Südkorea, verärgerte Seoul damit – und schickte die Abordnung einfach zwei Tage später. Am Dienstag nun traf eine südkoreanische Delegation zum Gegenbesuch in Nordkorea ein, sie soll gemeinsame Sport- und Kulturaktivitäten organisieren. Unter anderem sollen Skifahrer beider Nationen im nordkoreanischen Skigebiet Masikryong trainieren.

Kim Jong Un zeigt der Welt, dass Nordkorea trotz der internationalen Sanktionen selbstbewusst ist. Bis zum Neujahrstag hatte er sämtliche Gesprächsangebote Moons ignoriert. Dann, kurz nach der Erklärung, dass Nordkoreas Atomwaffenprogramm voll entwickelt sei, offerierte er dem Süden eine „Entspannung“, die Moon akzeptierte. Eilends telefonierte Moon mit Trump. Als Geste des guten Willens wurden sämtliche während der Olympischen Winterspiele geplanten gemeinsame Militärmanöver abgesagt.

In Südkorea gibt es Widerstand gegen den Plan eines gemeinsamen Eishockeyteams

22 Athleten wird Nordkorea nach Pyeongchang entsenden – und noch viel mehr Delegierte, Musiker, Künstler und „Fans“. Nach Pyeongchang reist auch ein nordkoreanisches Propagandaorchester, das für Hits wie „Unser Genosse Kim Jong Un“ bekannt ist. Über die genaue Auswahl der Darbietung wird noch zu verhandeln sein. Ferner wird eine Cheerleader-Truppe anreisen, die ausschließlich aus attraktiven jungen Frauen besteht, auch „Armee der Schönheiten“ genannt wird und im Süden ungemein populär ist.

Trotz heftigem Widerstand im eigenen Land stimmte die südkoreanische Regierung auch dem nordkoreanischen Vorschlag zu, ein gemeinsames Eishockeyteam der Frauen auflaufen zu lassen. Nicht alle Südkoreaner sind glücklich über die Zugeständnisse und fragen, ob die „Friedensspiele“ in Pyeongchang oder Pjöngjang stattfinden. Mehr als 31000 Menschen riefen in einer Online- Petition dazu auf, die Teams nicht zusammenzulegen. Politik solle die Finger von Sport lassen.

In einer veröffentlichten Umfrage war die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die beiden Koreas bei der Eröffnungszeremonie am 9. Februar unter ihren eigenen Flaggen aufmarschieren sollen. Rund 40 Prozent der Befragten begrüßen, dass die Athleten gemeinsam unter der Vereinigungsflagge auflaufen werden, die ein blaues Korea auf weißem Hintergrund zeigt.

Die Moon-Regierung sieht die Annäherung als Chance, Vertrauen mit dem Norden aufzubauen, in der Hoffnung, dass Gespräche über Militärfragen und das Atomwaffenprogramm folgen werden. Kims Regime machte jedoch deutlich, dass es sich bei der olympischen Annäherung nicht um einen politischen innerkoreanischen Dialog handelt. Bestenfalls, so spekulierte die südkoreanische Tageszeitung „Korea Herald“, werde über Entspannungsmaßnahmen entlang der waffenstrotzenden, 250 Kilometer langen Demarkationslinie gesprochen. Schon droht neues Konfliktpotenzial, wenn das Olympische Feuer am 25. Februar in Pyeongchang gelöscht sein wird. Südkorea und die USA wollen spätestens nach den Paralympics auch ihre verschobenen Militärmanöver wieder aufnehmen.

Kim Jong Un wiederum hat am Dienstag den „Armeegründungstag“ verlegt, der mit einer Reihe militärischer Veranstaltungen und eventuell auch mit einer Parade gefeiert werden wird. Statt wie zuletzt am 25. April soll er in diesem Jahr nun wieder am 8. Februar gefeiert werden. Also einen Tag vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspielen in Südkorea.

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