Anschläge auf Deutsche Bahn : Österreichs Regierung spricht von Terrorzelle

Die Behauptung des mutmaßlichen irakischen Bahn-Attentäters, ein Einzeltäter zu sein, scheint zu bröckeln. In Prag wurden zwei weitere Verdächtige festgenommen.

Polizisten suchen im Oktober die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ab.
Polizisten suchen im Oktober die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ab.Foto: Daniel Karmann/dpa

Nach der Festnahme eines terrorverdächtigen Irakers in Wien sind nach Angaben des österreichischen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) zwei weitere Verdächtige gefasst worden. „Gerade erst gestern wurden in Prag, in Tschechien, zwei weitere mutmaßliche Terroristen, mit denen dieser Iraker eine gemeinsame Zelle gebildet hat, festgenommen“, sagte Kickl am Donnerstag in einer Rede vor dem Parlament.

Der 42-jährige Iraker wird verdächtigt, Ende 2018 zwei Anschläge auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin verübt zu haben. Er will nach bisherigen Aussagen allein gehandelt haben.

Eine Sprecherin der tschechischen Polizei bestätigte die Festnahmen am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die beiden ausländischen Staatsangehörigen seien am Mittwoch kurz nach ihrer Landung auf dem Prager Flughafen auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls festgenommen worden. Dieser sei vom österreichischen Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung ausgestellt worden. Über die Auslieferung der Verdächtigen nach Österreich müsse nun die Justiz entscheiden.

Das Landgericht Wien wollte im Laufe des Donnerstags über die Verhängung der Untersuchungshaft gegen den Iraker befinden. Das gelte auch für seine ebenfalls festgenommene Frau, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Dem 42-Jährigen wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.

Medienberichte über angebliche Motive kommentierte die Sprecherin nicht. Der "Kronen Zeitung" zufolge hat der irakische Ex-Militär angegeben, aus Rache auf den Westen und speziell auf Deutschland gehandelt zu haben. Er sei bei einem Militäreinsatz an der irakisch-türkischen Grenze von einer Bombe verletzt worden. Die Anschläge seien Teil eines persönlichen Feldzugs, aber kein Akt eines Terrornetzwerks.

Bei den Anschlägen auf ICE-Bahnstrecken in Bayern und Berlin sollten quer über den Schienen gespannte Stahlseile Züge zum Entgleisen bringen. Verletzt wurde niemand. Dem Iraker, der als anerkannter Flüchtling seit 2012 in Österreich lebt, droht eine lebenslange Haftstrafe. (dpa)

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