Update

Anschlag mit drei Verletzten in London : IS-Miliz reklamiert Stichwaffen-Angriff für sich

Nach der Attacke in London haben Anti-Terror-Einheiten eine Wohnung durchsucht. Premier Johnson kündigte Änderungen des Strafvollzugssystems an.

Mitarbeiter der Spurensicherung sind am Tatort einer Terrorattacke in London im Einsatz.
Mitarbeiter der Spurensicherung sind am Tatort einer Terrorattacke in London im Einsatz.Foto: Ray Tang/XinHua/dpa

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Stichwaffenattacke von London für sich reklamiert. Am Sonntagnachmittag hatte ein vorzeitig aus der Haft entlassener Mann im Süden der britischen Hauptstadt Passanten attackiert. Drei Menschen wurden dabei verletzt, die Polizei erschoss den Täter.

Der Täter sei ein IS-Kämpfer gewesen und Aufrufen zu entsprechenden Angriffen gefolgt, hieß es am Montag in einer über das Internet verbreiteten Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak. Die Terrormiliz hatte dazu aufgerufen, Bürger von Ländern anzugreifen, die Teil des internationalen Bündnisses zum Kampf gegen den IS sind.

Die britische Polizei erklärte, sie setze die Ermittlungen zu dem Angriff „unter Hochdruck“ fort. Anti-Terror-Einheiten durchsuchten demnach am Montag eine Wohnung im Süden der britischen Hauptstadt sowie in Bishop's Stortford nördlich von London. Dabei habe es keine Festnahmen gegeben.

Verurteilte Terroristen dürfen nach Ansicht des britischen Premierministers Boris Johnson nicht automatisch früher aus dem Gefängnis entlassen werden. „Es ist an der Zeit zu handeln“, sagte Johnson einen Tag nach der Terrorattacke vor Geschäftsleuten und Diplomaten. Seine Geduld sei am Ende; die Regierung werde entsprechende Gesetze vorlegen.

Video
Stichwaffen-Angriff erschüttert London
Stichwaffen-Angriff erschüttert London

Es sei Experten zufolge sehr schwierig, Terroristen zu deradikalisieren. Geklärt werden müsse vor allem, wie die neuen Gesetze rückwirkend auf Terroristen angewendet werden könnten, die schon im Gefängnis sitzen.

Der 20-Jährige sei erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen „Straftaten mit Bezug zum Islamismus“ eingesessen habe, sagte die Polizeivertreterin Lucy D'Orsi. Laut britischen Medienberichten war der Mann im Jahr 2018 wegen 13 terroristischer Delikte verurteilt und kürzlich vorzeitig auf freien Fuß gesetzt worden.

Der Tatort in einer belebten Einkaufsstraße im Stadtteil Streatham im Süden der britischen Hauptstadt war am Montagvormittag weiter abgesperrt. Dort hatte der Angreifer am frühen Sonntagnachmittag mit einer Stichwaffe Passanten angegriffen. Ein dabei verletzter Mann schwebte am Abend nach Polizeiangaben noch in Lebensgefahr. Eine Frau wurde demnach leichter verletzt. Eine weitere Frau sei vermutlich durch Glassplitter infolge des Polizei-Einsatzes leicht verletzt worden.

Diskussion um Anschläge in London

Ein Augenzeuge berichtete, der Angreifer sei mit einer Machete bewaffnet gewesen. An seiner Brust seien „silberne Kanister“ befestigt gewesen. Am Abend bestätigte die Polizei, dass der Mann eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen habe. Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit seien bei der Attacke „im Rahmen eines präventiven Einsatzes“ vor Ort gewesen.

Die britische Hauptstadt war in den vergangenen Jahren mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden. Ende November erstach ein Angreifer auf der London Bridge zwei Menschen und verletzte mehrere weitere, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte diese Messerattacke für sich. Der Angreifer, der 28-jährige Brite Usman Khan, war bereits 2012 wegen einer terroristischen Straftat verurteilt worden und ebenfalls vorzeitig frei gekommen.

Bereits nach der Tat vom November hatte Johnson Gesetzesverschärfungen angekündigt. Am Sonntag dankte er den Einsatzkräften. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten und allen Betroffenen“, sagte er. Innenministerin Priti Patel lobte den Mut der Sicherheitskräfte. Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, die Strategie der „Terroristen, uns zu spalten und unsere Lebensweise zu zerstören“, werde keinen Erfolg haben. (dpa/AFP)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!