Verbünden sich China und die USA?

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Apec-Gipfel in Peking : China, Japan, USA & Co.: Schrecklich nette Nachbarn
Sie trafen und sie grüßten sich. Obama und Chinas Präsident Xi.
Sie trafen und sie grüßten sich. Obama und Chinas Präsident Xi.Foto: AFP

Xi Jinping und Barack Obama sind beim Gipfel in Peking ein wenig gleicher als ihre Kolleginnen und Kollegen aus anderen Apec-Staaten. Sie führen die zwei größten Volkswirtschaften der Erde. Von der „G 2“ sprechen Experten bisweilen, wenn es um China und die USA geht.

Noch liegen die USA vorn: ökonomisch, technisch, militärisch. China wird aber bald Nummer eins nach dem Bruttoinlandsprodukt. Für die USA lautet die wichtigste strategische Zukunftsfrage, wie sie mit der aufsteigenden Weltmacht umgehen sollen. „Containment“, ein Eindämmen wie gegenüber der Sowjetunion, empfiehlt kein führender US-Außenpolitiker. Die Präsidenten George W. Bush und Obama hofierten ihre chinesischen Kollegen bei deren Staatsbesuchen. Sie wollen Peking in eine Mitverantwortung für die Weltpolitik einbinden.

Aus der eigenen Geschichte kennen die USA Verlockungen und Risiken beim Aufstieg zur Supermacht. Zunächst ist es attraktiv, sich aus den Konflikten auf anderen Kontinenten herauszuhalten und die Energie auf die innere Entwicklung zu richten. Die USA taten dies bis 1917, China tut es heute. Irgendwann wird die Verflechtung aber so intensiv und haben Ereignisse anderswo so große Auswirkungen auf die eigenen Interessen, dass Mitmischen unumgänglich erscheint.

Das Chinabild in den USA schwankte in den letzten Jahren zwischen Furcht und Hoffnung. Vor der Finanzkrise ging die Angst um, China vernichte mit seinen billigen Konsumartikeln amerikanische Jobs, horte dank der Exporterlöse US- Dollar und könne die US-Wirtschaft sowie den Dollarkurs bei nächster Gelegenheit in den Abgrund stoßen. Dann kam die Gelegenheit, die Finanzkrise. China verhielt sich aber konstruktiv und half, den Einbruch der Weltwirtschaft zu überwinden. Seither bemühen sich die USA, China auf ein gemeinsames Regelwerk zu verpflichten, entweder durch direkte Gespräche oder indem sie mit Chinas Nachbarn Verträge wie das Pazifische Wirtschaftsabkommen TPP schließen und so den Druck auf Peking erhöhen, sich solchen internationalen Standards anzuschließen. Christoph von Marschall

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