Verträgt sich Tokio mit Peking?

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Apec-Gipfel in Peking : China, Japan, USA & Co.: Schrecklich nette Nachbarn
Der japanische Premier Shinzo Abe und Xi.
Der japanische Premier Shinzo Abe und Xi.Foto: AFP

Dieser Handschlag vom Montag, zwischen Xi Jinping und Shinzo Abe, wirkte so, als wären zwei störrische Streithähne dazu verdonnert worden, endlich wieder lieb zu sein: Sie lächelten wenig und sahen sich kaum in die Augen. Aber Chinas Staatschef und Japans Premierminister hatten eben verabredet, sich beim Apec-Gipfel auch für bilaterale Gespräche Zeit zu nehmen. Eine halbe Stunde wurden dann Worte gewechselt und anschließend vorsichtig positiv bewertet.

Schon das ist ein großer Schritt. Seit gut zwei Jahren hat zwischen China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, und Japan, der drittgrößten, latente Kampfeslust geherrscht. Im September 2012 hatte Japan eine Inselgruppe von einem Investor gekauft und sie damit de facto verstaatlicht. Aber auf diese Senkaku-Inseln, die in China Diaoyu heißen, erhebt auch Peking Anspruch. In einem gemeinsamen Papier bestätigen die beiden Länder nun zumindest, dass dieser Streit existiert. Japan hatte dies zuerst nicht anerkennen wollen.

Im Zuge des Inseldisputs brachen die wirtschaftlichen Beziehungen ein. In China verbuchten Japans Autobauer herbe Einbußen. Chinesische Unternehmen litten auf dem japanischen Markt nicht im gleichen Maße. So entstand zunächst der Eindruck, nur Japan würde unter diesem Konflikt leiden und China, das während des Zweiten Weltkriegs teilweise durch Japan kolonisiert wurde, eher gestärkt daraus hervorgehen. In der Tat leidet jedoch auch China unter dem Fernbleiben von japanischem Geld und Knowhow. Beide Wirtschaftsmächte sind eng miteinander verzahnt.

Obwohl in Japans Industriekreisen zuletzt von einer Freihandelszone zwischen den USA, der EU und Japan als einer Art Bollwerk gegen China gesprochen wurde, führten auch China, Japan und Südkorea zuletzt ihrerseits Verhandlungen über eine gemeinsame Freihandelszone. So komplex die Beziehungen zwischen den Großmächten in Asien auch sein mögen, sind sie doch aufeinander angewiesen. Felix Lill

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