Wendet sich Russland nach Osten?

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Apec-Gipfel in Peking : China, Japan, USA & Co.: Schrecklich nette Nachbarn
Der russische Präsident Wladimir Putin mit Xi Jinping.
Der russische Präsident Wladimir Putin mit Xi Jinping.Foto: Reuters

Es war ein zutiefst symbolträchtiges Gastgeschenk, das Kremlchef Wladimir Putin Sonntag in Peking aus der Hosentasche zog und Chinas Präsidenten Xi Jinping überreichte: Das jphone 2 – ein in Russland entwickeltes Smartphone. Hergestellt werden soll es, wie schon die erste Generation, vor allem im Reich der Mitte. Tschetschenen-Präsident und Putin-Gefolgsmann Ramzan Kadyrow hat auch schon eines und seinen Followern bei Twitter ausdrücklich empfohlen, ebenfalls zuzuschlagen.

Die Sanktionen, mit denen der Westen Russland wegen der Ukraine-Krise abstrafte, dürften den Kremlherrscher endgültig dazu bewogen haben, die Schwerpunkte von Außen- und Wirtschaftspolitik nach Osten zu verlagern. Allein aufgrund der geografischen Gegebenheiten stand Russland stets mit einem Bein in Asien, dessen Politikmodell – der Gegenentwurf zu westlicher Demokratie – habe auch Moskau geprägt, glauben kritische Beobachter. Druck der USA und Europas, fürchten sie, könnte nun für eine endgültige Hinwendung nach Asien sorgen. In der Tat: Bei dem Apec-Treffen warb Putin vor allem für eine vertiefte Zusammenarbeit im Energiebereich. Die Öl- und Gasfelder, aus denen Europa beliefert wird, sind endlich, die neuen Vorkommen liegen vor allem in Ostsibirien. Von dort sind es bis zur EU-Außengrenze mehr als 7 000 Kilometer, der Transport würde nicht rentabel sein. Russlands neue Pipelines werden daher Richtung Osten verlegt.

Finanziert werden sie mit chinesischer Hilfe. Seit der westliche Kapitalmarkt für russische Geldhäuser faktisch geschlossen ist, versorgen sich diese vor allem in China mit Darlehen. Das Amtsblatt der russischen Regierung, die „Rossijskaja Gaseta“, bewertet dies als den „Beginn eines Durchbruchs… , auf den wir alle gewartet hatten. Jetzt werden die Chinesen deutlich aktiver in die russische Wirtschaft investieren“. Davon würde nicht nur der chinesische Yuan, sondern auch der derzeit schwer unter Druck stehende Rubel international profitieren. Der Yuan könnte demnächst zur weltweiten Reservewährung aufsteigen. Elke Windisch


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