"Ich bin Ingenieur. Wir gehen nach Fakten"

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BER-Chefs Mehdorn und Marks im Interview : "Seit wann haben Sie gewusst, dass da was schiefläuft?"

Wir wollen ja auch nach vorne schauen, wie man aus der Situation herauskommt. Herr Marks, als Sie kamen, haben Sie eine Bestandsaufnahme gemacht – und eigentlich das beschrieben, was Herr Mehdorn eingangs als „Chaos, Chaos, Chaos“ benannt hat: Keiner hat miteinander gesprochen, keiner hat koordiniert, alles zu langsam, zu unverbindlich, zu kompliziert, es gibt keine gemeinsame Begehung. Ist das denn jetzt geregelt? Konnten Sie das regeln? Oder ist es immer noch ein Zustand?
Marks: Ich denke schon, dass wir das regeln konnten. Wir haben sogenannte Flächenteams aufgestellt und die Organisation gestrafft. Wir haben damit die ganze Baustelle wieder zurückgeführt auf die Vorgaben der Landesbauordnung Brandenburg. Für jedes Baufeld gibt es einen Verantwortlichen. Die Herausforderung ist, dass es aufgrund der Vorgeschichte nicht für jeden Raum eine übersichtliche und einheitliche Planungsgrundlage gibt.

Es gibt verschiedene Planungen, die eine für Entrauchung, die andere für Elektrik, und so weiter, weil ja die Aufträge auch an mehrere Firmen vergeben worden waren. Die Pleite der IGK/IGR (der innerhalb der früheren Generalplaner-Arge pgbbi zuständige Planer für die Haustechnik) 2010 hatte dazu geführt, dass sich jeder Planungsverantwortliche nur noch um sein eigenes Gewerk gekümmert hat. Es gab also keine echte übergreifende Gebäudetechnikplanung und in der Folge auch keine koordinierte Ausführung.

Unsere Arbeit sieht so aus: Welcher Raum ist richtig gebaut, welcher Raum ist in Teilbereichen richtig, und wo gibt es eine richtige Planung? Es gibt rund 800 Architektenpläne, das ist gar nicht mal so viel. Darauf gibt es jedoch schon rund 8000 Ausführungspläne und darauf aufbauend rund 50 000 Werk- und Montagepläne mit mehr als zwei Millionen Einzeldokumenten. Wenn dieses System aber inkonsistent ist, kann man sich ausrechnen, wie sich die Fehler potenzieren …

Mike Wolff

Gibt es aus heutiger Sicht einen Zeitpunkt, an dem eine Entkernung besser gewesen wäre, als Klein- Klein weiterzumachen?
Marks: Einfach alles rauszureißen wäre falsch gewesen. Bei der Kabeltrassensanierung haben wir in Teilbereichen 50 Prozent der Kabel erneuern müssen. Mit Stand Oktober haben wir bereits rund 1400 Kilometer Kabel neu gezogen. 2200 Kilometer liegen noch vor uns.

Von wie viel tausend Kilometer insgesamt?
Marks: Das sind noch etliche tausend mehr.

Sie beide reagieren bei dem Thema Entkernung sehr empfindlich ...
Mehdorn: Ich reagiere nicht empfindlich. Ich stelle nur fest, dass einige Leute über etwas reden, von dem sie nichts verstehen, aber Schlagzeilen damit machen wollen. Wenn eine Entkernung nötig gewesen wäre, hätten wir es gemacht. Aber das war nie eine Option. Es war klar, dass viele Kabel raus mussten, weil die Kabelkanäle wegen der andauernden Umplanungen und Erweiterungen falsch oder überbelegt waren. Aber dies Schritt für Schritt zu tun, ist richtig. Es ist schneller und günstiger, als alles neu zu machen.

Haben Sie selbst schon mal Zweifel gehabt?
Mehdorn: Nein. Ich bin Ingenieur. Wir gehen nach Fakten.

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