Bill Weld gegen US-Präsident : Warum ein Unbekannter Trump gefährlich werden könnte

Der liberalkonservative Veteran Bill Weld macht dem Amtsinhaber die Präsidentschaftskandidatur streitig. Das mindert Trumps Wahlaussichten 2020. Eine Analyse.

Bill Weld trat 2016 als Vizepräsidentschaftskandidat der Libertarian Party an.
Bill Weld trat 2016 als Vizepräsidentschaftskandidat der Libertarian Party an.Foto: Mark Kauzlarich/Reuters

Konkurrenz aus den eigenen Reihen ist ungewöhnlich für einen US-Präsidenten. Der Amtsinhaber kann sich meist auf die Unterstützung seiner Partei für die zweite Amtszeit verlassen. Bei Donald Trump galt das bisher doppelt. Kein Republikaner, der ein politisches Mandat innehat oder anstrebt, hat es gewagt, den Präsidenten offen anzugehen, um sich nicht dessen geballten Twitterzorn zuzuziehen. Hörbare Kritik kam in der Regel nur von alten Trump-Feinden unter den Konservativen wie von den Bushs und ihren pensionierten Verbündeten.

Innerparteiliche Konkurrenz beschädigt die Autorität

Nun aber fordert ein Republikaner den Präsidenten direkt heraus. Bill Weld heißt der Mann. Er ist 73 Jahre alt, also ein Jahr älter als Trump, gehört zum liberalen Flügel der Partei und war von 1991 bis 1997 Gouverneur im progressiven Ostküstenstaat Massachusetts. 2008 hatte er die Wahl Barack Obamas empfohlen. 2016 kandidierte er für die Libertarian Party als Vizepräsident. So einer hat geringe Erfolgsaussichten in einer Republikanischen Partei, die nach rechts gerückt ist und in der viele seine Gegenkandidatur als Sabotage von Trumps Wahlchancen begreifen.

Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte legt nahe: Wenn es, selten genug, einen Gegenkandidaten aus der Präsidentenpartei gab, hat der dem Amtsinhaber nie die Nominierung streitig machen können. Aber er hat zu seiner Niederlage in der Hauptwahl beigetragen. George H.W. Bush verpasste 1992 die Wiederwahl, nachdem der innerparteiliche Herausforderer Pat Buchanan seine Autorität beschädigt hatte.

Unter Republikanern ist Weld kaum bekannt

Weld wirbt um moderate Konservative, verlangt eine solide Finanzpolitik ohne neue Schulden und ist in Fragen wie Abtreibung und Homoehe eher tolerant. Die Republikaner, fordert er, müssten sich „auf Lincolns Prinzipien besinnen: Freiheit, Würde und Chancen für alle“. Eine weitere Amtszeit für Trump führe zu „großer Gefahr für die Nation“.

Aussagekräftige nationale Umfragen, wie viele Republikaner ihn unterstützen würden, gibt es - noch - nicht. In regionalen Erhebungen in Iowa, wo 2020 die erste Vorwahl zur Kandidatenkür abgehalten wird, sagen 81 Prozent der Republikaner, dass sie Weld kaum kennen. Ebenfalls 81 Prozent sind zufrieden mit Trumps Amtsführung. Als innerparteiliche Konkurrenz muss der Präsident den Herausforderer also nicht fürchten.

Bei den Demokraten gibt es noch keine klaren Favoriten

Wenn Trump verliert, dann eher gegen die Kandidatin oder den Kandidaten der Demokraten. Dort ist das Bild in den Umfragen noch diffus. Es spiegelt mehr den großen oder kleinen Bekanntheitsgrad der bisher 18 Bewerber als eine Festlegung, für wen die Befragten stimmen wollen. Joe Biden, Obamas Vizepräsident, hat eine hohe „Name Recognition“ und führt mit 31 Prozent vor Bernie Sanders, der aus dem Wahlkampf 2016 gegen Hillary Clinton ebenfalls national bekannt ist (21,7 Prozent), sowie Beto O’Rourke, dem Newcomer aus Texas und Kamala Harris aus Kalifornien (je acht Prozent).

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