Politik : Bischof und Botschafter sprechen sich aus

Kardinal Lehmann und Schimon Stein wollen Konflikt über Israels Palästinapolitik entschärfen

Claudia Keller

Berlin - Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, und der israelische Botschafter Schimon Stein haben am Mittwoch in einem persönlichen Telefonat den Konflikt um die umstrittenen Äußerungen einiger katholischer Bischöfe zu entschärfen versucht. Ob dies gelungen ist, blieb offen. Man habe Stillschweigen vereinbart, hieß es bei der Bischofskonferenz und bei der Botschaft. Zu einer persönlichen Stellungnahme war keiner der Bischöfe bereit.

Sowohl die Deutsch-Israelische Gesellschaft als auch der frühere israelische Botschafter Avi Primor riefen zur Mäßigung in dem Konflikt auf. „Jeder kann Fehler machen,“ sagte Avi Primor. „Wenn derjenige den Fehler bereut, was will man mehr.“ Primor hatte die Bischöfe vergangene Woche in Israel getroffen. Er könne verstehen, dass jemand, der die Situation in Israel nicht kenne, aufgebracht sei, wenn er das Leid der Palästinenser sehe. Aber als Bischof müsse man die Umstände kennen, bevor man ein Urteil ausspreche. Ein Vergleich mit der Politik der Nazis sei eine „gefährliche Übertreibung“. Er akzeptiere aber die Klarstellungen der Bischofskonferenz. Primor kritisierte seinen Amtsnachfolger Schimon Stein, weil der sich zuerst öffentlich empört und danach mit Kardinal Lehmann gesprochen habe. „Ich hätte das andersherum gemacht. Denn ein Streit mit der katholischen Kirche macht keinen Sinn. Die katholische Kirche hat Gewissenserforschung betrieben. Seitdem hat sich das Verhältnis zwischen der Kirche und den Juden sehr gebessert.“ Das sollte man nicht kaputt machen.

Während einer Reise im Heiligen Land hatten die deutschen Bischöfe am Samstag die Besatzungspolitik Israels gegenüber den Palästinensern kritisiert. Bischof Gregor Maria Hanke hatte gesagt: „Morgens in Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto Ramallah. Da geht einem der Deckel hoch.“ Bischof Walter Mixa hatte von der „ghettoartigen Situation“ gesprochen. Dies sei „fast schon Rassismus“. Israels Botschafter Stein hatte daraufhin den Bischöfen „Demagogie“ vorgeworfen. Sie würden eine Seite des Konflikts „dämonisieren“ und doppelte Maßstäbe anlegen. Der Zentralrat der Juden warf den Bischöfen Antisemitismus vor.

Die Bischofskonferenz hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Lehmann habe auf der Reise stets das Existenzrecht Israels unterstrichen und auf die Bedrohung durch Terrorismus hingewiesen. Bei den Vergleichen habe es sich um „wenige, sehr persönliche Bemerkungen“ gehandelt, nicht um die offizielle Meinung der Bischofskonferenz. Er habe seine „sehr persönliche Betroffenheit artikuliert“, ließ Bischof Hanke verlauten, ein Vergleich zwischen dem Holocaust und der jetzigen Situation sei nicht annehmbar und nicht beabsichtigt gewesen.

„Keiner kann mit der Lage zwischen Israelis und Palästinensern zufrieden sein“, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden. „Aber die Nachfahren von Holocaust-Opfern zu Tätern zu machen, ist nicht akzeptabel.Das kann man nicht mit emotionalem Überschwang abtun.“

„Die Bischöfe verwechseln Ursache und Wirkung“, kritisierte SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen. Der Vorsitzende der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem schrieb an die Bischofskonferenz, dass die Bemerkungen „eine traurige Unkenntnis der Geschichte und eine verzerrte Perspektive“ zeigten. Kardinal Lehmann hatte in Jad Vaschem betont, die Naziverbrechen seien „ohne Parallele in der Geschichte“. mit ddp

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