Lesen Sie hier nach, wie die FDP-Spitze sich auf Gauck festlegte.

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Blog zum Nachlesen : Der neue Bundespräsident: Wie Joachim Gauck nominiert wurde
Lob für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kommt von Vertretern muslimischer Verbände.
Lob für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kommt von Vertretern muslimischer Verbände.Foto: dpa

17:40: Die SPD geht davon aus, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt akzeptieren wird. Die Sozialdemokraten gingen mit dieser festen Erwartung in die Gespräche um 20.00 Uhr, verlautete am Sonntagnachmittag aus Parteikreisen. Wie für die SPD ist auch für die Grünen der 72-jährige frühere Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde der Favorit für die Nachfolge des am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff. Allerdings lehnen die Sozialdemokraten - anders als die FDP - den ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer genauso wenig rundum ab wie den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber.

16:31: Noch am Sonntagabend wird es ein Treffen zwischen Regierungs- und Oppositionsvertretern geben. Das verlautete nun aus Verhandlungskreisen. Im Bundeskanzleramt wird es um die Frage gehen, wer Nachfolger oder Nachfolgerin Christian Wulffs werden könnte.

16:12: Daniel Bahr legt nach. Der FDP-Spitzenpolitiker und Bundesgesundheitsminister hat an die Union appelliert, Joachim Gauck doch noch als Präsidentschaftskandidaten zu akzeptieren. „Ich fordere die Union auf, über
ihren Schatten zu springen“, sagte der Bundesgesundheitsminister am Sonntag. Er könne nicht verstehen, dass in dieser besonderen Situation CDU und CSU Gauck, der breiten Rückhalt bei den Bürgern habe, nicht unterstützen könnten. „Er kann dem Amt wieder Anerkennung und Respekt verschaffen“, sagte der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen FDP.

15:48: Die FDP-Spitze hat sich einstimmig für den SPD-Favoriten Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt ausgesprochen. Das beschloss das FDP-Präsidium am Sonntag, um in den Verhandlungen mit der Union massiv für Gauck zu werben. Die von CDU und CSU vorgeschlagenen Kandidaten - der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der CDU-Politiker Klaus Töpfer - wurden hingegen im FDP-Präsidium abgelehnt.

Damit ist noch keine Einigung zwischen FDP und CDU in Sicht. Die Union wird nämlich, wie sich bereits abzeichnete und nun zu vernehmen ist, Gauck nicht als Kandidaten akzeptieren. Der DDR-Bürgerrechtler Gauck, der 2010 gegen Christian Wulff kandidiert hatte, sei CDU und CSU nicht zu vermitteln, hieß es. Für andere Kandidaten sei die Union offen.

15:10: Seit gut zwei Stunden sitzen die Spitzen der schwarz-gelben Koalition bereits zusammen. Aber zu einem Durchbruch ist es noch nicht gekommen. Nach wie vor ist unklar, ob es heute, wie anvisiert, überhaupt zu einem Treffen der Koalition mit SPD und Grünen kommen wird.

14:30: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fordert ein Mitspracherecht der Länder bei der Suche nach dem passenden Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. „Die Vertreter der Landtage stellen die Hälfte der Bundesversammlung. Dementsprechend müssen die auch bei der Suche nach einem passenden Kandidaten berücksichtigt werden“, sagte Kretschmann am Sonntag in Stuttgart. Es könne nicht sein, „dass nur Bundespolitiker die Entscheidung unter sich ausmachen. Der Versuch, die Hälfte der Bundesversammlung von der Entscheidung fern zu halten, ist nicht akzeptabel“, sagte er.

Kretschmann schlägt vor, dass jede Partei einen Ländervertreter entsendet, also jeweils einen Politiker, der einer Landtagsfraktion vorsteht. "Das würde die Verhandlungen nicht überfrachten", sagte ein Sprecher Kretschmanns. In der Frage, ob es sich dann um vier oder fünf Vertreter handeln würde, ob also die Linkspartei einbezogen werden soll, legte er sich nicht fest.

13:40: Auch die Grünen ärgern sich nach eigener Auskunft darüber, wie Schwarz-Gelb bei der Kandidatensuche verfährt. Fraktionschef Jürgen Trittin warnte am Sonntagmittag die Koalition davor, die Suche „in diesem Stil fortzusetzen, bei dem ein Kandidat nach dem anderen verschlissen oder ausgeschlossen wird“. Gemeinsamer Kandidat von Koalition und Opposition heiße auch, dass es einen gemeinsamen Findungsprozess gebe. Co-Fraktionschefin Künast sagte, die Suche sei zu einem „quälenden Schauspiel“ geworden. „Das ist dem Amt nicht angemessen.“

Unterdessen wird es unwahrscheinlicher, dass es noch am Sonntag zu einem Treffen zwischen Regierung und Opposition kommt. In Koalitionskreisen heißt es mittlerweile, dies sei nach derzeitigem Stand „eher unwahrscheinlich“.

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