• Bloß keine K-Frage: Kretschmann empfiehlt Habeck als Kanzlerkandidaten – und rudert zurück

Bloß keine K-Frage : Kretschmann empfiehlt Habeck als Kanzlerkandidaten – und rudert zurück

Zwei Wochen vor dem Parteitag wollen die Grünen Personaldebatten vermeiden. Zu frühe Ambitionen aufs Kanzleramt könnten schaden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Grünen-Chef Robert Habeck im Jahr 2012 bei einer Wanderung durch das Wattenmeer
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Grünen-Chef Robert Habeck im Jahr 2012 bei einer Wanderung durch das...Foto: Bodo Marks/dpa

Schon eine lockere Bemerkung zur Kanzlerkandidaten-Frage reicht in diesen Tagen, um die Grünen in Aufruhr zu versetzen. Am Donnerstagabend sitzt Winfried Kretschmann auf der Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses, der Entertainer Harald Schmidt interviewt Baden-Württembergs Ministerpräsidenten. Wer angesichts des Höhenflugs der Grünen Kanzlerkandidat werden solle, will Schmidt wissen. „Habeck“, antwortet Kretschmann. Der Grünen-Vorsitzende sei ein guter „Kommunikator“ und habe als ehemaliger Umweltminister von Schleswig-Holstein „Exekutiverfahrung“. Parteichefin Annalena Baerbock erwähnt Kretschmann bei dem Auftritt, über den zuerst der „Stern“ berichtete, nicht.

Am Tag darauf rudert Kretschmann zurück. Kaum etwas mögen die Parteichefs derzeit weniger als Debatten über die K-Frage. Zum einen, weil noch nicht beschlossen ist, ob es überhaupt eine grüne Kanzlerkandidatur geben wird. Zu früh Ambitionen anzumelden könnte zum Bumerang werden, wenn es mit den Umfragen wieder bergab gehen sollte.

Zum anderen wäre die Festlegung auf Habeck heikel in einer Partei, die sich Frauenförderung und die gleichberechtigte Besetzung von Posten auf die Fahnen geschrieben hat. Personaldebatten will die Grünen-Führung vor dem Parteitag in zwei Wochen, bei dem Baerbock und Habeck sich zur Wiederwahl stellen, vermeiden.

Beide Parteichefs seien „kanzlerkandidatenfähig“

Es dauert daher nicht lange, bis Kretschmann sich korrigiert. Die Grünen könnten sich freuen, dass sie zwei Bundesvorsitzende hätten, die beide „kanzlerkandidatenfähig“ seien, sagt er der „Süddeutschen Zeitung“. Die Frage, ob die Grünen jemanden aufstellten und wer das im Zweifel machen solle, stehe zu diesem Zeitpunkt nicht an. „Und schon gar nicht bin ich derjenige, der darüber entscheidet“, sagt er. Auch Bundesgeschäftsführer Michael Kellner versucht, die Debatte einzudämmen. „Wir werden alle relevanten Fragen rechtzeitig vor Bundestagswahl gemeinsam mit der Partei beantworten, und zwar dann, wenn sie konkret anstehen“, sagt er.

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