Brandsätze, Wasserwerfer, Gummigeschosse : Schwere Straßenkämpfe erschüttern Hongkong

Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Proteste schlagen wieder in Gewalt um, die Polizei reagiert mit aller Härte. Regierungschefin Carrie Lam reist überraschend nach Peking.

Ein Demonstrant wird von Polizisten festgehalten. 
Ein Demonstrant wird von Polizisten festgehalten. Foto: -/kyodo/dpa

In Hongkong haben sich Demonstranten und Einsatzkräfte einige der gewalttätigsten Schlachten seit Beginn der Anti-Regierungsproteste vor mehr als drei Monaten geliefert. Quer durch das Stadtzentrum kam es am Sonntag zu teils massiven Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein.

Demonstranten, viele von ihnen schwarz gekleidet und vermummt, warfen Brandsätze und Steine. Sie besprühten Gebäude mit Graffitis, schlugen Fenster ein und errichteten Barrikaden aus Mülleimern, Einkaufswagen und Trümmerteilen. Die wichtige Verbindungsstraße Hennessy Road stand an mehreren Stellen in Flammen.

Ein Brandsatz wurde auf Polizisten in einem U-Bahnhof geschleudert, woraufhin ein Feuer am Eingang ausbrach. Mindestens ein Molotow-Cocktail landete auch auf einem Gelände, auf dem sich Regierungsbüros befinden. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Auf dem Berg Victoria Peak, von dem aus sich der Hafen Hongkongs überblicken lässt, versammelte sich aber auch etwa 200 pro-chinesische Demonstranten. Sie trugen rote T-Shirts und riefen "Ich liebe China."

Bereits am Samstag waren zunächst friedliche Massenproteste wie schon so oft in den vergangenen Monaten in Gewalt umgeschlagen. Die Demonstranten erinnerten zum einen an die sogenannten Regenschirm-Proteste für mehr Demokratie vor fünf Jahren.

Bei den Protesten wurden brennende Barrikaden erreichtet.
Bei den Protesten wurden brennende Barrikaden erreichtet.Foto: Jorge Silva/Reuters

Zum anderen waren die Kundgebungen Teil einer ganzen Reihe von geplanten Protesten, die sich mit Blick auf den am Dienstag anstehenden 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China gegen die kommunistischen Machthaber in Peking richten. Viele Hongkonger befürchten, dass die Pekinger Führung immer stärkeren Einfluss nimmt und sie politische Sonderfreiheiten verlieren könnten. Die ehemalige britische Kronkolonie ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone.

Der Zorn der Demonstranten entzündet sich insbesondere an Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam. Sie werfen ihr eine zu große Nähe zur Regierung in Peking vor. Den 70. Jahrestag wird Lam nach offiziellen Angaben in Peking verbringen, obwohl sie eigentlich schon Einladungen zu Feierlichkeiten in Hongkong verschickt hatte. Warum sie nun doch kurzfristig am Montag in die chinesische Hauptstadt abreist, war zunächst nicht klar. (Reuters)

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