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Gewaltbereit. Autonome und andere Linksradikale wollen am Sonnabend in Leipzig demonstrieren. Die Polizei befürchtet Randale. Auf dem Bild ein schwarzer Block in Berlin
© Michael Kappeler/picture alliance/dpa
Update

Vermummte Autonome in Connewitz: Brennende Barrikaden nach „LinX“-Demonstration in Leipzig

Bei einem linken Protest in Leipzig greifen Autonome die Polizei mit Steinen an, die setzt Wasserwerfer und Räumpanzer ein.

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Gegen 16:00 Uhr an diesem Sonnabend zog ein Sprecher der Leipziger Polizei dem Tagesspiegel gegenüber zunächst ein positives Fazit: “Wir haben ein bisschen Pyro, ein bisschen Rauch. Alles friedlich bisher, so kann es bleiben.” Es blieb nicht so.

Nur wenige Minuten später wurde eine nahegelegene Polizeiwache in der Leipziger Dimitroffstraße mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik angegriffen. Auftakt in einen chaotischen Abend im linksalternativen Stadtteil Connewitz und der angrenzenden Südvorstadt.

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Mehrere tausend Menschen hatten sich am frühen Nachmittag zunächst friedlich im Zentrum Leipzigs versammelt. Bundesweit hatte die Szene mobilisiert, Linke und Linksradikale reisten aus Frankfurt, Dresden, Berlin und Kassel an. Eines der Hauptanliegen vieler Teilnehmer: Solidarität mit Lina E.

Die Studentin soll mit ihren Mitstreitern mehrere Rechtsextreme brutal überfallen haben. Der Prozess am Dresdner Oberlandesgericht begann vor einer Woche. Den Angeklagten wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Die Veranstalter der “Wir sind alle Linx”-Demo am Sonnabend in Leipzig sehen das anders, sprechen von einer “Kriminalisierung des Antifaschismus” und solidarisieren sich explizit mit Lina E.

Etwa 3000 Menschen finden sich nach Polizeiangaben am Sonnabend zu einem der größten linksradikalen Proteste in der Messestadt ein, die Veranstalter gehen von mindestens 5000 Teilnehmern aus. Besonders der vermummte, schwarze Block in der Mitte des Aufmarsches sorgte gegen 16:30 Uhr für die erste Eskalation mit der Attacke auf das Polizeirevier. Wenig später bewerfen Autonome verschiedene Bankfilialen in der Karl-Liebknecht-Straße mit Steinen, Scheiben gehen zu Bruch.

Die Polizei hält sich lange zurück

Die Polizei hält sich lange zurück, ist lediglich in den Nebenstraßen präsent. Zwischendurch müssen sogenannte Kommunikationsbeamte der Leipziger Polizei vor Gewalttätern fliehen, welche die Polizisten mit Steinen bewerfen. Am Connewitzer Kreuz endet der Protest, doch die Menge zerstreut sich nicht. In den anliegenden Nebenstraßen errichten Linksradikale Barrikaden und zünden sie an.

Erst am frühen Abend greifen die Einsatzkräfte schließlich ein, drängen die Gewalttäter zurück und setzen drei Wasserwerfer und einen Räumpanzer ein. Der Großteil der Menge zieht sich zurück, doch noch immer kommt es in den Straßen rund um den Connewitzer Knotenpunkt vereinzelt zu Attacken und Steinwürfe auf Beamte. Auch ein Hubschrauber kreist nach wie vor über dem Stadtteil. In der Vergangenheit kochten in Connewitz die Proteste immer wieder mit Einbruch der Dunkelheit hoch. Die Polizei wird an diesem Abend weiter präsent bleiben.

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Schon im Vorfeld bereitete die angekündigte "bundesweite" Demonstration von Linksradikalen in Leipzig den Sicherheitsbehörden Sorgen. "Wir gehen von einem enormen Risiko aus, dass es zu Straftaten kommt", sagte ein hochrangiger Experte am Freitag dem Tagesspiegel. Erwartet wurden ungefähr 3000 Autonome und andere Linksextremisten. "Die meisten werden gewaltorientiert sein", sagte der Sicherheitsexperte. Sollte die Prognose zutreffen, würde etwa ein Drittel der vom Verfassungsschutz als gewaltorientierte eingestuften Linksextremisten in Leipzig auflaufen.

Dementsprechend bereitete sich die sächsische Polizei mit einem Großaufgebot auf den Einsatz vor. Kräfte der Bundespolizei und Einheiten aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen unterstützen die sächsischen Beamten.  Außerdem stehen der Einsatzleitung mehrere Wasserwerfer zur Verfügung, wie die Leipziger Polizei mitteilte. 

Die Veranstalter der Demonstrationen kritisierten den angekündigten Großeinsatz der Polizei. „Das erweckt den Eindruck, dass man uns nicht als normale Demonstrierende behandelt, die für ein legitimes Anliegen auf die Straße gehen. Vielmehr versucht man antifaschistisches Engagement in eine Ecke zu rücken, die vom Rest der Gesellschaft abgespalten ist“, sagte der Sprecher des Bündnisses, Tom Mendel, der "Leipziger Volkszeitung". Mendel versicherte, dass von der Demonstration am Sonnabend keine Gewalt ausgehen würde, man sich "aber auch nicht von der Polizei spalten" lasse.

Die Angeklagten sollen Rechtsextremisten misshandelt haben

Die Szene sei wegen des Verfahrens gegen die Studentin Lina E. und drei Mitangeklagte "hochemotionalisiert", hieß es in Sicherheitskreisen. Am Oberlandesgericht Dresden hatte vergangene Woche der Prozess gegen die Gruppe begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein und in Sachsen und Thüringen gewaltsame Attacken auf Rechtsextremisten verübt zu haben. Bei den Angriffen wurden mehrere Rechte verletzt, einige schwer.

Die Autonomen fahren seit Monaten die Kampagne "Free Lina". Die in Untersuchungshaft sitzende Frau wird zu einer Ikone der Antifa stilisiert. Im Aufruf zur Demonstration in Leipzig, veröffentlicht auf der linksextremen Internetplattform "de.indymedia.org", wird zu Spenden "für Lina" und einen Mitangeklagten aufgerufen. "Antifaschist:innen" würden zunehmend kriminalisiert und Engagement gegen Rechts "staatlich und medial diskreditiert", heißt es. Im Aufruf wird zudem der AfD wie auch der CDU eine "Diskursverschiebung nach rechts" vorgeworfen. Die Emotionalisierung der Szene zeigt sich auch in der Forderung nach "Entnazifizierung der deutschen Sicherheitsbehörden" und der Ankündigung, "wir werden auch in Zukunft den antifaschistischen Selbstschutz organisieren".

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