Brexit : Studie: Hälfte der britischen Digitalexporte geht in die EU

Ein No-Deal-Brexit dürfte auch die britische Digitalindustrie treffen. Das geht aus Angaben der Regierung in London hervor.

Samuel Stolton
Noch wird die britische Flagge in Brüssel aufgehängt.
Noch wird die britische Flagge in Brüssel aufgehängt.Foto: REUTERS

Fast die Hälfte der Digitalexporte des Vereinigten Königreichs geht in die Europäische Union, wie kürzlich veröffentlichte Zahlen der britischen Regierung zeigen. Diese Ergebnisse tragen weiter zur wachsenden Besorgnis in der Technologiebranche vor dem geplanten Austritt des Landes aus der EU Ende Oktober bei.

Die jüngst veröffentlichten Daten beziehen sich auf den britischen Handel in allen Sektoren, die in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) fallen. Sie zeigen, dass die Ausfuhren von Dienstleistungen in die EU in diesem Bereich im Jahr 2017 rund 23,1 Milliarden Pfund betrugen, was 42,8 Prozent der gesamten exportierten DCMS-Dienstleistungen entspricht. Von den DCMS-Sektoren war der Digitalsektor mit einem Handelsvolumen von 19,4 Milliarden Pfund der größte Posten bei Exporten in die EU.

Darüber hinaus exportierte das Vereinigte Königreich DCMS-Waren im Wert von 11,3 Milliarden Pfund in die übrigen EU-Mitgliedstaaten. Das entspricht 40,1 Prozent aller vom Vereinigten Königreich exportierten Waren im DCMS-Sektor, wobei Waren aus dem Digitalbereich wiederum den größten Anteil hatten.

Die Analyse der britischen Regierung hebt ferner hervor, die Europäische Union sei ein „Schlüsselpartner“ für den Handel in den untersuchten Sektoren. Die Länder der EU – allen voran Frankreich, Deutschland, Irland und die Niederlande – seien besonders wichtige Handelspartner.

Auch die britischen Importe aus der EU sind hoch: So importierten die DCMS-Sektoren 2017 Dienstleistungen im Wert von 13,5 Milliarden Pfund aus EU-Ländern. EU-Waren wurden im Wert von 21,1 Milliarden Pfund eingeführt. Das entspricht 44,9 Prozent aller britischen Warenimporte in diesem Bereich.

Die Daten haben viele Akteure der Technologiebranche in Aufruhr versetzt: Sie befürchten, die Gefahr, dass das Vereinigte Königreich Ende Oktober ohne ein Austrittsabkommen aus der EU aussteigt, könnte schwerwiegende Auswirkungen auf Unternehmen im Digitalbereich haben. Dom Hallas, Exekutivdirektor der britischen Tech-Lobbygruppe Coadec, betonte die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich und die EU eng miteinander verbunden seien und der Handel im Digitalbereich nicht ausgesetzt werden könne: „Diese Zahlen sind eine weitere Erinnerung daran, dass die digitalen Volkswirtschaften Großbritanniens und der EU tief verwoben sind – und die Vorschriften, die sie regeln, dürfen nach dem Brexit nicht einfach zunichte gemacht werden,“ warnte Hallas im Gespräch mit EurActiv.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins.
Übersetzung: Tim Steins.
Erschienen bei EurActiv.
Der Tagesspiegel und das europapolitische Onlinemagazin EurActiv kooperieren miteinander.]

Thomas Boué, Generaldirektor für europäische Politik bei BSA/The Software Alliance, einer führenden Lobbygruppe für Firmen wie Microsoft, Apple und IBM, versuchte derweil, einen etwas optimistischeren Ton für die Zukunft der Tech-Beziehungen nach dem Brexit anzuschlagen: „Dieser Bericht zeigt die Bedeutung der Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU, insbesondere im digitalen Bereich. In einer Post-Brexit-Welt wollen die BSA und unsere Mitgliedsunternehmen sicherstellen, dass der digitale Handel und Datenverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU nicht übermäßig beeinträchtigt wird.“

„Operation Yellowhammer“

Was die Datenströme nach dem britischen EU-Ausstieg betrifft, so werden auch in den Regierungsdokumenten, die kürzlich geleakt worden waren – die sogenannte Operation Yellowhammer, der Notfallplan der britischen Regierung für einen No Deal-Brexit – diverse Bedenken geäußert. In Bezug auf die Technologiebranche wird in den Dokumente mit Besorgnis auf potenzielle Beeinträchtigungen für Unternehmen hingewiesen, die auf den Datentransfer zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich angewiesen sind. Nach Angaben der Zeitung „Sunday Times“ zeigen die geleakten Papiere, dass das Szenario eines No-Deal-Brexit „den Fluss personenbezogener Daten aus der EU stören könnte, wenn es keine alternative Rechtsgrundlage für die Übermittlung gibt“.

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