Politik : Browns Bilanz: Inflation stabil, Schulden hoch

Matthias Thibaut

London - Gordon Brown ist am Mittwoch in einer glücklichen Lage. Als britischer Schatzkanzler legt er den Haushalt vor, auf dessen Grundlage er vom Sommer an als Premier regieren will. In zehn Haushaltsreden hat er nie wirtschaftliche Rückschläge verkünden müssen. Auch am Mittwoch wird er die guten Zahlen wie gewonnene Schlachten hinausposaunen. Aber das Schönste für ihn ist, dass er das Ministerium im richtigen Moment verlässt: Nach den fetten Jahren beginnen für die Briten nun magerere Zeiten.

Browns Wachstumszahlen sind der Neid aller alten Industriestaaten: 2,9 Prozent nach der vorläufigen Prognose des Internationalen Währungsfonds – mehr als in jedem anderen G-8-Land. Dazu eine stabile Inflationsrate, eine wieder sinkende Arbeitslosigkeit von 5,5 Prozent – und das, obwohl fast eine Million zusätzlicher Arbeiter aus neuen EU-Ländern nach Großbritannien gekommen sind.

Trotzdem hagelt es Kritik an Brown. Think-Tanks, Unternehmen und Kommentatoren bilanzieren wachsende Verschuldung, steigende Steuern und sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Laut dem Think-Tank „Reform“ steigt die britische Steuerbelastung auf den höchsten Stand seit 25 Jahren. Seit 2001 hat Brown 170 Milliarden Pfund Schulden aufgenommen – 100 Milliarden mehr als geplant.

Die oppositionellen Konservativen werfen Brown vor, die Reformen der neunziger Jahre verschleudert zu haben. Viele Briten fragen sich, was die 2001 eingeleitete Ausgabenschwemme in den Bereichen Verkehr, Gesundheitswesen und Bildung eigentlich gebracht hat. Nun ist Sparen angesagt. Im öffentlichen Dienst, den Brown um 700 000 Stellen anschwellen ließ, stehen Entlassungen und knauserige Lohnabschlüsse bevor.

Kleinmut ist aber Browns Sache nicht. Einige spekulieren, dass er den Beginn des Sparkurses mit einer sichtbaren Steuersenkung markieren könnte – wie es die Konservativen lange fordern. Das würde Browns Ruf als „bester Schatzkanzler aller Zeiten“ bekräftigen, seinen Start als Premier erleichtern und wäre das richtige Signal, um den Ring für den Kampf gegen David Cameron und die Konservativen freizugeben.

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