Vor allem Zeitsoldaten standen im Kampf

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Bundeswehrsoldaten nach dem Afghanistan-Einsatz : Der Kampf nach dem Kampf

Die Bundeswehr führt zwar eine Liste, in der Suizide von Soldaten verzeichnet sind, sie hält aber nicht fest, ob traumatische Erlebnisse in einem Auslandseinsatz oder andere Gründe der Auslöser dafür waren. Die Statistik erfasst außerdem nur Selbstmorde aktiver Soldaten – etwa 20 sind es jedes Jahr – Zeitsoldaten, die die Bundeswehr bereits verlassen haben, tauchen darin nicht auf. „Über Suizide ehemaliger Soldaten haben wir keine Erkenntnisse“, sagt ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Doch es waren gerade Zeitsoldaten, die in Afghanistan an vorderster Front standen oder im Kosovo oder Bosnien Zeugen von Gewalttaten wurden, Massengräber entdeckten. Und die daher auch besonders belastet sind.

Im Gegensatz zur US-Armee verfolgt die Bundeswehr den weiteren Lebensweg nicht

Anders als die US-Armee verfolgt die Bundeswehr den weiteren Lebensweg ehemaliger Soldaten nicht. Der frühere Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zwar sogenannte ministerielle Leitlinien für eine Veteranenbetreuung auf den Weg gebracht, ein Konzept gibt es bis heute nicht. Die aktuelle Ministerin, Ursula von der Leyen (CDU), will das Thema vielmehr weiter fassen und lässt in ihrem Haus gerade den Entwurf eines Konzepts zu einer „Kultur der Anerkennung und Wertschätzung der Soldaten in der Gesellschaft“ abstimmen.

In den USA haben Veteranen einen offiziellen Status, deshalb weiß die US-Armee auch, wie viele Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan waren, später obdachlos oder straffällig werden – und wie viele sich umbringen. Die bittere Erkenntnis: Jeden Tag begehen 22 Einsatzheimkehrer Selbstmord. Die Zahl der Suizide übersteigt inzwischen sogar die Zahl der im Einsatz getöteten Soldaten.

„Warum sollte das bei uns anders sein?“, fragt Robert Sedlatzek-Müller. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass es bereits mehr als 50 Suizide von Einsatzsoldaten auch in Deutschland gibt, etwa so viele Soldaten, wie im Afghanistan-Einsatz ums Leben kamen. Militärpsychologe Biesold ist skeptisch. „Wenn die Zahlen in Deutschland so hoch wären, wüssten wir das“, sagt er. Seine Patienten hätten zwar durchaus Suizidgedanken geäußert, ein konkreter Fall eines vollendeten Suizids sei ihm aber nicht bekannt.

Doch auch der Tod eines Ex-Soldaten, der 2007 bei einem Raubüberfall in Neukölln von einem SEK-Beamten erschossen wurde, könnte letztlich ein provozierter Selbstmord gewesen sein. Der Afghanistan-Veteran war nach dem Einsatz abgestürzt und hatte bereits versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Freunde sind überzeugt, dass er sterben wollte, als er eine Gaspistole auf die Beamten richtete. Eine kaputte Pistole, wie sich herausstellte.

Familien leiden unter "Sekundärtraumatisierungen"

Es sind nicht nur die Soldaten, die unter den Einsatzerfahrungen leiden. Psychologen sprechen von „Sekundärtraumatisierungen“. Betroffen sind davon vor allem die Familien der Einsatzheimkehrer. Wer an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, ist meist aggressiv, oft auch gewalttätig, in jedem Fall aber kein verlässlicher Partner und Vater. „Kinder neigen dazu, sich selbst die Schuld zu geben, wenn der Vater oder die Mutter grob oder gereizt reagieren“, erklärt Militärpsychologe Biesold. Auch sie könnten daher depressiv werden, wenn ein Elternteil an PTBS erkrankt sei. Die 13-jährige Tochter eines Betroffenen, der nicht namentlich genannt werden möchte, hat sogar selbst schon versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Zusammenhang mit seiner eigenen PTBS-Erkrankung sei in der nachfolgenden Therapie eindeutig festgestellt worden, sagte der frühere Einsatzsoldat dem Tagesspiegel.

Militärpsychologe Biesold ist überzeugt, dass es auch nach dem Ende des Afghanistaneinsatzes weitere PTBS-Fälle geben wird. „Viele Soldaten entwickeln erst nach Jahren Symptome oder versuchen zunächst, allein mit der Krankheit fertig zu werden“, sagt er. „Wir werden daher wohl noch einige Jahre mit dem Thema zu tun haben.“

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