Casdorffs Agenda : Der griffige, ermutigende Satz zu Chemnitz fehlt weiter

"Mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen", mahnte Außenminister Heiko Maas am Sonntag zu Chemnitz an. Doch hat der Minister das rechte Augenmaß?

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD).
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD).Foto: imago/ Metodi Popow

Wer auf schnelle Likes aus ist, der muss es wohl so machen wie der Außenminister. Und weil neben den sozialen Medien für Politiker offenbar immer noch gilt, was Gerhard Schröder als Bundeskanzler wusste, dass nämlich „Bild, BamS (Bild am Sonntag) und Glotze“ zählen, hat sich Heiko Maas diesmal die BamS für den griffigen Satz ausgesucht, der immer noch läuft: „Mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen“.

Ein Satz zu Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus. Will sagen: Die Deutschen sollen sich stärker für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einsetzen. Da stellt sich doch die Frage: Hat der Minister das rechte Augenmaß? Was der Minister jetzt fordert, klingt in der Nachwirkung überheblich – man könnte auch auf die Idee kommen, dass es das ist. Denn seine Genossen und er hätten längst energisch vorangehen können. Gewissermaßen „Arsch huh, Zäng ussenander“, wie 1992. Also viel stärker, viel früher.

Hinzu kommt, wie in den sozialen Medien auch schon bissig zu lesen war: Sieht Maas die vielen anderen nicht, die, die gegen Rechtsradikalismus auf die Straße gehen? Nun, das kann passieren, wenn man vor allem sich selber sieht. Der griffige Satz, der Tausende Anständige, die aufstehen, weiter ermutigt – der fehlt. Bis heute.

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